Die Unterirdischen bei Budow.

Aus: Die Volkssagen von Pommern und Rügen
Autor: Gesammelt von Temme, Jodocus Donatus Hubertus (1798-1881) Politiker, Jurist und Schriftsteller, Erscheinungsjahr: 1840
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Sage, Volkssage, Pommern, Stolpe
In dem Dorfe Budow unweit Stolpe war einstens ein Schäfer, der hatte einen Dudelsack, auf dem er sich bei den Schafen auf dem Felde etwas vordudelte. Als er nun auch einmal saß und spielte, da sah er einen Frosch vor sich, der sprang herum, als wenn er ordentlich nach der Musik tanzte. Das sah der Schäfer eine Weile an, zuletzt wollte er mit dem Fuße danach stoßen; auf einmal war aber der Frosch verschwunden. Über eine kleine Weile fand sich nun ein klein Männchen, ein Unterirdischer, zu ihm ein. Der fragte ihn: Mein lieber Schäfer, wollte er den Frosch tot machen? Der Schäfer sagte: Nein, das war ich nicht Willens! ich wunderte mich nur, dass das Ding so putzig sprang. Da sagte das Männchen zu ihm: Mein lieber Schäfer, wenn er den Frosch tot gemacht hätte, so hätte er mich getroffen, denn der Frosch war ich. Darauf bat das Männchen den Schäfer, ob er nicht mit ihm gehen wolle zu den Leuten von seiner Art, und ein Bisschen auf dem Dudelsacke spielen, denn seine Tochter mache heute Hochzeit. Der Schäfer entgegnete ihm: Das geht nicht, denn wo würden unterdes meine Schafe bleiben? Das Männchen versprach ihm aber, sie sollten gut versehen werden, worauf der Schäfer sich bereden ließ und mit ihm ging. Sie gingen nur ein klein Endchen, da tat sich die Erde vor ihnen auf, und sie stiegen eine Treppe hinunter, bis sie in eine schöne Stube kamen. Darin waren so viele Gäste beisammen, dass es ordentlich krimmelte und wimmelte. Zuerst trug man dem Schäfer viel Essen und Trinken auf den Tisch, und bat ihn, davon zu genießen. Nach dem Essen dudelte er dann die ganze Nacht durch, und die kleinen Leute tanzten und sprangen, dass ihnen die Kittel um den Kopf flogen.

Als es Tag geworden war, so bat der Schäfer, sie möchten ihn jetzt wieder zu seiner Herde bringen. Das waren sie zufrieden. Aber vorher kamen Viele an ihn heran und steckten ihm alle Taschen voll Kerbspäne; doch merkte er nichts davon, denn er hatte von dem vielen Trinken etwas zu viel in der Krone. Darauf brachten sie ihn auf den Weg, und dasselbige Männchen, das ihn geholt hatte, führte ihn wieder auf das Feld, wo seine Schafe noch waren, und verschwand dann, nachdem es ihm nochmals viel gedankt hatte. Wie der Schäfer nun mit seinen Schafen nach Hause trieb, da kamen ihm auf einmal seine Taschen so schwer vor, und als er hineinfühlte, da fand er die Kerbspäne darin. Das verdross ihn, denn er meinte, die Unterirdischen hätten ihn zum Narren gehabt, und er schmiss sie nun alle von sich auf die Erde. Nur die Tasche vorn auf der Brust vergaß er, und was er in dieser hatte, ließ er darin. Das war gut, bis er des Abends sich auszog, um zu Bette zu gehen. Da hörte er auf einmal in der Brusttasche etwas klingen. Das verwunderte ihn, und wie er hineingriff, so hatte er die ganze Tasche voll harter Thaler. Da merkte er wohl, dass ihm die Unterirdischen das als Bezahlung für sein Spielen gegeben hätten, und er ärgerte sich, dass er so viel weggeworfen hätte. Die Nacht wurde ihm recht lang, und am anderen Morgen war sein Erstes, dass er zurückging und nach den weggeworfenen Spänen suchte. Aber er fand davon nichts wieder.

Baltische Studien, II. 1 S. 170. 171.
Temme, Jodocus Donatus Hubertus (1798-1881) Politiker, Jurist und Schriftsteller

Temme, Jodocus Donatus Hubertus (1798-1881) Politiker, Jurist und Schriftsteller

Schäfermeister

Schäfermeister