Die Soldaten im Burgwall auf Jasmund

Aus: Deutsche Sagen: Herausgegeben von Heinrich Pröhle
Autor: Pröhle, Heinrich (1822-1895) deutscher Lehrer und Schriftsteller, Erscheinungsjahr: 1869
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Pommern, Insel Rügen, Burgwall, Stubbenkammer, Rugard, auf Rügen, Sagen und Märchen
Früher wohnten im Dorfe Schwierenz auf Jasmund Bauern; nun ist das Dorf verschwunden und es stehen nur noch einige Katen dort. Eines Morgens vor Aufgang der Sonne wollte ein Bauer von dort Hafer nach Bergen zum Verkaufe fahren, und als er in den Weg kam, der von Stubbenkammern nach Nipmerow führt, stand da ein Mann, der fragte, ob er ihm seinen Hafer nicht verkaufen wolle. Der Bauer ging auf den Handel ein und musste dem Fremden folgen. Der fuhr ihn, so dünkte es dem Bauer, den Weg. nach dem „Borgwall" (Herthaburg); da es aber immer noch finster blieb, war nichts zu erkennen.

So gelangten sie über Zugbrücken und durch Tore vor ein großes Gebäude, nach der Rechnung des Bauers musste es im Burgwalle sein. Da wurden die Pferde abgeschirrt, der Hafer ward abgeladen und der Bauer ward von seinem Begleiter in einen Saal geführt. Dort sah er viele wie Soldaten bewaffnete Männer an langen Tischen sitzen, die hatten alle das Haupt auf den Arm gestützt und schliefen. Als er hereintrat, erwachten sie und fragten, was es Neues in der Welt gebe. Er antwortete: „Nichts Neues!" und da schliefen sie wieder weiter. Dann führte ihn der Mann in ein zweites Gemach. Da standen an Krippen viele Pferde. Und bei jedem Pferde stand ein gerüsteter Mann. Überall waren die gleichen Husaren, den einen Arm hatten sie auf den Rücken der Pferde gelehnt und schliefen ebenfalls. Als der Bauer hineintrat, wachten die Männer auf und taten dieselbe Frage, was es draußen Neues gebe. Auf die wiederholte Antwort „Nichts Neues" aber schliefen auch sie weiter.

Nachdem der Mann ihn dann aus dem Gebäude geleitet, ihm das bedungene Geld für den Hafer gegeben, auch ihn und seine Pferde mit reichlicher Nahrung gesättigt hatte, fuhr der Bauer ab, und da er hinaus kam, war es noch immer finster, als er aber die Stelle wieder erreichte, wo er am Morgen den Fremden angetroffen hatte, ging eben die Sonne unter.

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