Die Sage von Rurik, Sivar und Truwar

Aus: Mecklenburgische Sagen
Autor: Studemund, Friedrich (1784-1857) Pastor an der Nikolaikirche in Schwerin, Erscheinungsjahr: 1848
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg, Sagen, Rurik, Sivar, Truwar, Obotriten, Wariner, Pskow, Pleskow, Russland, Pleskau
Im Jahre 800 n. Chr. G. herrschte in Mecklenburg über die Obotriten oder über einen Stamm derselben, die Wariner, ein König, welcher Godlav (Gottlieb) hieß und drei herrliche Söhne hatte, welche Rurik (der Geruhige), Sivar (der Siegreiche) und Truwar (der Treue) genannt wurden. Diese drei tapferen Jünglinge zogen, dieweil daheim im Vaterlande Friede herrschte, nach der Heldensitte jener Zeiten dem Ruhme nach über Land und Meer, die Unschuld in Schutz zu nehmen und mit rüstigem Arme dem Bedrängten zu Hilfe zu eilen. Allenthalben, wo sie erschienen, war ihnen der Ruf von ihren kühnen Taten und ritterlichen Tugenden schon voraufgegangen, denn Großmut, Tapferkeit und Biedersinn leuchteten aus allen ihren Werken und Worten hervor.

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Auf ihrer Heldenfahrt kamen sie auch in die Gegend vom Ladoga-See und Belvozeko und nach Isbork im jetzigen Russischen Kaiserreiche, und zwar zu einer Zeit, wo unter den Bewohnern dieser Länder die größten Unruhen herrschten. Bald zitterten auch hier die Unterdrücker vor ihren sieggewohnten Schwertern und die Wohltaten des Friedens kehrten unter ihrem Schutze in die verheerten Gegenden zurück. Da wollten die ruhmgekrönten Jünglinge weiter ziehen und heimkehren in die Arme des ergrauten Vaters, dass er sie segne vor seinem Ende und aus ihnen seinen Nachfolger ernenne. Allein das dankbare Volk erwählte sie zu Herrschern über sich, und erhielt Rurik das Fürstentum Groß-Nowghorod, Sivar das Fürstentum Pleskow, Truwar aber Bile-Jezoro, und als die beiden letzteren Regenten ohne Leibeserben verstarben, so bekam Rurik die Alleinherrschaft. Von ihm stammen bis Anno 1598 die nachfolgenden Russischen Zaren ab. Pleskow *] in Russland soll noch jetzt das Wariner Wappen, den Stiertopf, führen und bei den Russen von jeher die Ostsee Warinkojemore, das heißt das Warmer Meer, genannt worden sein.
(S. Francks A. u. N. Mecklenburg. Lib. I. c. IV.)

*] Pleskow, Pskow, auch Pleskau heute eine Großstadt im Nordwesten Russlands, 203.000 Einwohner, eine der ältesten Städte Russlands, im Mittelalter war sie eine mächtige Grenzfestung.
Pskow, Wappen

Pskow, Wappen

Pskow, Johannes-Kirche

Pskow, Johannes-Kirche

Pskow, Kirchenausgang (Morosow, 1860)

Pskow, Kirchenausgang (Morosow, 1860)