Die Rindviehseuche oder die Rinderpest. Beitrag zur Geschichte der Mecklenburgischen Landwirtschaft.

Aus: Archiv für Landeskunde in den Großherzogtümern Mecklenburg und Revue der Landwirtschaft.
Autor: Stein, Karl (?), Erscheinungsjahr: 1856
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Landwirtschaft, Tiergesundheit, Tierseuchen, Impfung, Bauern, Rinder, Viehherden, Rinderpest
Blicken wir auf die Geschichte unserer Landwirtschaft, so finden wir, dass unsere Vorfahren im landwirtschaftlichen Betriebe mit ungleich größeren Schwierigkeiten und Kalamitäten zu kämpfen hatten, wie wir seit den letzten 40 Jahren. Langandauernde Kriege und daraus herzuleitende Unsicherheit des Eigentums, die Schwierigkeit des Transportes und Absatzes der aus der Landwirtschaft gewonnenen Produkte, und endlich, außer manchen anderen verheerenden Krankheiten und Seuchen des Viehes, die sogenannte Rinderpest, welche letztere Mecklenburg während des vorigen Jahrhunderts an 40 Jahre hindurch heimsuchte, waren vielleicht die gewichtigsten Hemmnisse, wie sie sich der gehörigen Entwicklung und Fortbildung der Landwirtschaft entgegenstellten. Vor Allem war aber die letztere, in ihrem immer wiederkehrenden Auftreten, wahrhaft entmutigend. Die schönsten und zahlreichsten Viehherden, deren Mecklenburg, ebenso wie Holstein, schon im vorigen Jahrhundert, besonders aber seit Mitte desselben, zeitweise in großem Maße besaß, wurden oft binnen wenigen Tagen durch dieselbe fast gänzlich vernichtet, und was nur mit dein größten Kostenaufwand hergerichtet werden konnte, wurde nicht selten binnen kurzer Zeit wieder zerstört. Ob aber jene Seuche, welche, wo sie einmal auftrat, hunderte von Tieren wegraffte, jemals andauernd ausbleiben, ob dieselbe gänzlich aufhören werde, blieb nach den bis zu den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts gemachten Erfahrungen höchst zweifelhaft; das Kapital also, was zur Aufrichtung eines entsprechenden Viehstandes verwendet werden musste, gewährte jedenfalls nur eine sehr unsichere Aussicht auf eine entsprechende Rente.

So war denn unter den bis dahin bestehenden trüben Verhältnissen an ein Emporkommen der Viehzucht nicht zu denken; bei dem innigen Zusammenhang aber, in welchem die letztere mit dem Ackerbau steht, bei der Wechselwirkung beider auf einander, konnte der Gesamtbetrieb unserer Landwirtschaft unter solchen Umständen auch nur sehr dürftige Erfolge gewähren.

Fassen wir nun Alles dieses zusammen, so mag es uns nicht befremden, wenn wir in den letzten vier Jahrzehnten, besonders aber in den beiden letzten, ungleich mehr und größere Fortschritte machten, wie die Vorfahren in ein paar Jahrhunderten. Die Segnungen eines langandauernden Friedens, die Erleichterung des Verkehrs und des Absatzes unserer Produkte, besonders aber das Aufhören jener schlimmen und verheerenden Rinderpest seit Anfang der achtziger Jahre des vorigen, und das der Lungenseuche des Rindviehes seit Mitte der zwanziger Jahre dieses Jahrhunderts, konnten für den Betrieb der Landwirtschaft bei uns nicht ohne die glücklichsten, segensreichsten Folgen bleiben.

Da nun aber die Rinderpest in letzter Zeit in der Türkei, in Russland, Polen usw. wieder in sehr großer Ausdehnung herrscht, ja in neuester Zeit selbst in mehreren Provinzen unseres Nachbarstaates Preußen aufgetreten ist; da ferner die Lungenseuche nicht allein in unseren Nachbarländern Holstein und Schleswig, sondern in allerneuester Zeit selbst in der an Mecklenburg unmittelbar grenzenden Prignitz wieder mehr oder weniger große Opfer forderte und ein, wenn auch nur vereinzelter, Fall derselben sich im vorigen Sommer selbst in unserem Vaterlande zeigte*), so hat diese Angelegenheit für uns dadurch jetzt ein erhöhtes Interesse erlangt, und eben das veranlasst mich, in Nachstehendem eine kurze Übersicht über den früheren Verlauf der Rinderpest, sowie eine Angabe des Verfahrens, durch welches es endlich gelang, derselben Herr zu werden, besonders insoweit Mecklenburg dabei interessiert ist, aus den mir zur Hand stehenden Schriften und Nachrichten zusammenzustellen.

Die vorzugsweise sogenannte Rindviehseuche, welche besonders in früheren Zeiten vielfach mit der Lungenseuche verwechselt wurde**), der man in verschiedenen Ländern und älteren Schriften die Benennung Viehpest, Magenseuche, Übergalle, Ruhrgalle, Faulfieber, Katarrhfieber, ungarische oder polnische Seuche, Blatterpest des Rindviehes beilegt, die aber die Fachmänner mit dem Namen Rinderpest oder Löserdürre bezeichnen, soll, wie Viele annehmen, bereits seit uralten Zeiten manchen Ländern eigentümlich sein. Sichere Nachrichten haben wir nur, dass dieselbe seit Anfang des vorigen Jahrhunderts (nach Einigen im Jahre 1711, nach Andern schon mit dem Jahre 1709) und aller Wahrscheinlichkeit nach aus dem Innern Asiens, aus der Tartarei durch Russland nach Polen, Podolien, Bessarabien, Kroatien, Dalmatien, Italien, Frankreich, Elsass, Holland vordrang, sich dann aber ungleich später auch in Pommern, Holstein, Mecklenburg u. s. w. verbreitete. In England, wohin die Seuche schon im Jahre 1713 von Holland aus gelangt sein soll, wurde sie alsbald wieder getilgt. Spanien und Portugal sollen gänzlich davon verschont geblieben sein. In wärmeren Ländern und Gegenden, so namentlich in Siebenbürgen, Ungarn, der Türkei, dem südlichen Russland, Polen u. s. w. blieb die Rinderpest seit jener Zeit gleichsam einheimisch, so dass sie dort in längeren oder kürzeren Zwischenräumen immer wieder zum Vorschein kam.

*) Das Gut, auf welchem die Lungenseuche in Mecklenburg sich im letzten Sommer — im Juni — zeigte, war das bei Teterow gelegene Faulenrost. In Folge der energischen und weisen Maßregeln unserer Allerhöchsten Landesregierung, wonach unter strengster Innehaltung der geeigneten Absperrung, sämtliches Rindvieh jenes Gutes sofort getötet wurde, gelang es, der weiteren Verbreitung jener verheerenden Seuche bei uns ein Ziel zu setzen. Seit jener Zeit sind Fälle der Lungenseuche in Mecklenburg nicht wieder vorgekommen.

**) Die Symptome beider Krankheiten haben, nach dem Urteile Sachverständiger, eine auffallende Ähnlichkeit mit einander. Das einzige sichere Unterscheidungsmerkmal an dem noch lebenden Tiere gewähren die roten Flecken im Maule, am Zahnfleisch, Gaumen und unter der Zunge, wie sie sich bei der Rinderpest oder Löserdürre zeigen; weiter nimmt aber auch die letztere einen ungleich kürzeren Verlauf, wie die Lungenseuche; sie tötet das mit ihr behaftete Tier in bei Weitem kürzerer Zeit (In unseren Gegenden von 5 bis 9 Tagen).


Professor Reich, damals in Erlangen, schildert in einem im Jahre 1798 herausgegebenen Buche: „Richtige und gewissenhafte Belehrung für den Landmann über die Rindviehseuche und die Inokulation derselben“ (Nürnberg, in der Raspe’schen Buchhandlung) die Jahre 1711 und 1713, 1717, 1722 bis 1724, 1740, 1750, 1769 bis 1772, 1776 bis 1782 als solche, wo die Seuche ganz besonders, bald in der einen, bald in der anderen Gegend Deutschlands arg hauste und unendlichen Schaden anrichtete. Andere nehmen an, dass Europa allein in den Jahren 1711 bis 1714 1 1/2 Millionen Stück Rindvieh durch die Pest eingebüßt habe; allein in Holland soll dieselbe gegen 300.000 Hauptvieh getötet haben *). Später fand in den Kriegsjahren 1805, 1806, 1813 und 1815, wo die Seuche durch die Heereszüge aus dem nördlichen und östlichen Europa verschleppt wurde, aufs Neue eine große Verbreitung derselben statt und auch in den Jahren 1829, 1830 und 1844 kam dieselbe wieder in mehreren Provinzen Österreichs zum Vorschein.

Was Mecklenburg betrifft, so fällt das erste Erscheinen einer seuchenartigen, epidemischen Krankheit des Rindviehes, so weit darüber zuverlässige Nachrichten vorliegen, in das Jahr 1717**). Dieselbe soll zu jener Zeit durch russische Kriegstruppen aus Polen zu uns gebracht sein. Da diese Seuche aber, nachdem sie nur die Viehherden einzelner weniger Güter ergriffen und gelichtet hatte, noch im selben Jahre wieder aufhörte, so hat man daraus, so wie aus dem ganzen Verlauf derselben, abnehmen wollen, dass jene Krankheit eine von der Rinderpest verschiedene gewesen sei.

Im Jahre 1744 kam nun die eigentliche Rinderpest, nachdem sie schon im Jahre 1740 aus Holland nach Holstein und von da nach Dänemark und Schweden sich verbreitet hatte, auch nach Mecklenburg.

Einer der damaligen Landwirte, welcher alle Kalamitäten, wie sie die Rinderpest mit sich führte, mit durchgemacht hat, berichtet darüber, wie folgt: „Die Seuche war eben so ansteckend, wie die Pest beim Menschen. Sie ging von Nachbar zu Nachbar und wurde eben dadurch allgemein. Indessen übersprang sie auch oft mehrere Meilen und befiel das Vieh dort, ohne dass es vorher mit krankem Vieh in Berührung gekommen war. Dazu will ich bemerken, dass wenn eine Herde von der Seuche wirklich ergriffen wurde, nur selten ein Haupt übrig blieb, welches dieselbe nicht bekam; ferner dass dasjenige Haupt Vieh, welches von der Krankheit befallen wurde, nun aber durchseuchte, dieselbe nicht zum zweiten Male bekam. Und endlich, dass die Seuche an einzelnen Orten viel bösartiger war, als an andern, so dass, wenn in der einen Herde alles wegfällt, in der andern die Hälfte und in der dritten die meisten durchseuchen. Während von dem Weidevieh manches die Seuche überstand, erlag das Mastvieh, welches im Stalle gehalten wurde, derselben fast jedesmal.“

*) Einige stellen die Behauptung auf, dass im Laufe bei 18. Jahrhunderts allein in Deutschland an 28 Millionen, in Europa dagegen an 200 Millionen Haupt Rindvieh durch die Rinderpest getötet worden seien.

**) Einige bezeichnen das Jahr 1709 als solches, in welchem jene seuchenartige Krankheit nach Mecklenburg gebracht sei, indem sie sich auf ein Zeugnis des Amtes Stavenhagen, vom 12. Mai 1769, berufen. Nach einer Angabe in dem „Briefwechsel (aus dem Jahre 1755), die Landwirtschaft, insbesondere die Mecklenburgische betreffend“, von E. F. v. E. sen. (Schwerin, Bärensprung, 1786) soll indessen jene Annahme als falsch sich erweisen und auf einer Verwechselung der Jahreszahl beruhen, was denn freilich auch dem ganzen Gange der Seuche nach als sehr wahrscheinlich erscheint.


„Die Seuche wütete solcher Gestalt bis zum Jahre 1766 ununterbrochen fort, wiewohl mit großem Unterschied; denn es waren Jahre darunter, in welchen sie sich nur an wenigen Orten äußerte, so dass man sie nur kaum im Lande bemerken konnte, gänzlich aber hörte sie nicht auf bis 1766, in welchem Jahre sie mehr als in irgend einem der vorhergehenden allgemein wurde, und überall so sehr aufräumte, dass im Herbst das meiste Vieh hingefallen war, womit denn zugleich die Periode der Viehseuche ihr derzeitiges Ende erreichte. Es verliefen hiernächst völlige zehn Jahre, ohne dass man das geringste von einer Seuche unter dem Rindvieh hätte verspüren können. Im Herbste 1776 aber trat sie aufs Neue ein und wurde im Herbst 1777 wiederum weit verbreitet.“

So nun ging es, wenn auch mit einzelnen Unterbrechungen, fort bis zum Jahre 1782 wo dann der Rinderpest, wenigstens in Mecklenburg und Holstein und etwas später auch in einigen andern uns nahe gelegenen Länderstrecken, in welchen dieselbe gleichfalls gehaust hatte, durch die nach und nach immer allgemeiner gewordene Impfung ein Ende gemacht wurde. Mecklenburg ist seit jener Zeit von derselben verschont geblieben, wogegen, wie schon oben bemerkt, die sogenannte Lungenseuche bis in die Zwanziger Jahre dieses Jahrhunderts hinein bei uns grassierend blieb. Im Übrigen bemerkt Herr Professor Steinhoff, damals in Schwerin, in dem zehnten Jahrgang der neuen Annalen der Mecklenburgischen Landwirtschafts-Gesellschaft (1824), unter der Überschrift: „Kleine Original-Abhandlungen aus der Tierheilkunde“, dass Mecklenburg durch die Lungenseuche reichlich so viel Vieh verloren habe, als durch die Rinderpest. Auch ist es unwahrscheinlich, dass, da die Symptome beider Seuchen ziemlich genau zusammen treffen, manches für die Rinderpest genommen ist, was zur Lungenseuche gehörte, und so umgekehrt.

*) Professor Reich, in seinem angeführten Buche, bemerkt, dass die Rinderpest schon mit dem Jahre 1780 in Mecklenburg erloschen sei; Mecklenburgische Schriftsteller bezeichnen jedoch das obgenannte Jahr als solches, wo dieselbe bei uns ihre Endschaft erreichte.

Schon gleich beim Auftreten der Rinderpest erschöpfte man sich in Hypothesen über die Ursache ihrer Entstehung. Die Anhänger und Lobredner der Sommerstallfütterung des Rindviehes, derer es auch schon um die Mitte des vorigen Jahrhunderts bei uns in Mecklenburg mehrere, besonders unter den sogen. Theoretikern (dahin wurden zu der Zeit und auch noch später meistens alle Landwirte gerechnet, welche sich mit der Schriftstellerei abgaben) behaupteten, dass das Draußenliegen der Kühe, während der kalten Herbst- und Frühlingsnächte, so wie überhaupt der Wechsel der Temperatur, denen das Weidevieh ungleich mehr ausgesetzt sei, als das im Stalle gehaltene, die Veranlassung dazu gäbe. Diesem wurde wieder von Andern die Tatsache entgegengesetzt, dass nach den desfallsigen Beobachtungen grade das im Stalle gehaltene Vieh, der Pest ungleich leichter erliege, als das Weidevieh, dass aber das erstere auch eben so leicht davon befallen werde, als das letztere und dass überhaupt das Weiden des Viehes der ganzen Natur desselben besser entspreche, als das stete im Stalle halten desselben. Andere bezeichneten als Ursache der Rinderpest: Mehltau, giftige Nebel und eine Art kleiner Insekten (wahrscheinlich die Blattläuse) welche nach damaliger Meinung mit jenen Nebeln aus der Luft fielen, und nun von dem Vieh gefressen würden, wo sie dann inwendig die edlen Teile des Leibes zerfräßen, dass sie anbrusig würden und den Tod des Tieres nach sich zögen *). Man kam also mit dieser Angelegenheit damals eben so wenig zu einem festen Resultate, als es uns seither hat gelingen wollen, den wahren Entstehungsgrund der Kartoffelkrankheit, wie so mancher anderer Erscheinungen aufzufinden; jedenfalls waren aber die Hypothesen, welche man seiner Zeit, rücksichtlich des wahrscheinlichen Entstehungsgrundes der Rinderpest zu Tage förderte, nicht absurder und widernatürlicher, wie wir sie noch in jüngster Zeit, in Betreff der Kartoffelkrankheit, vielfach haben produzieren sehen. Das Richtigere in Ansehung der damaligen allgemeinen Verbreitung der Seuche dürfte sein, dass dieselbe durch die während der Kriege stattfindenden Truppenmärsche und Viehtransporte, dann aber in Folge des Mangels der entsprechenden Vorsichtsmaßregel verschleppt und verallgemeinert wurde, dass aber, wenn die Seuche einmal in einer gewissen Gegend aufgetaucht war, schlechte und unzweckmäßige Behandlung des Viehes, dasselbe für die Krankheit nur um so empfänglicher machte und so der allgemeinen Verbreitung derselben wesentlich Vorschub leistete. Schon um die Mitte des vorigen Jahrhunderts war die Ansicht unter unseren damaligen Landwirten vielfach die herrschende, dass man, um eine möglichst große Rente aus dem Nutzvieh und eine recht große Menge Dunges von demselben zu gewinnen, reichlich davon halten müsse. Die praktische Ausführung dieser Ansicht, die besonders in misslichen Jahren außerdem auch noch manche Notstände mit sich führte**), dürfte gleichfalls sehr viel zur allgemeinen Verbreitung der Seuche beigetragen haben.

*) Auch in der Neuzeit will man die Bemerkung gemacht haben, dass der Genuss solchen Futters, welches stark mit Rost befallen, und das Weiden des Viehes zu solcher Zeit, wo der Rost nicht allein an den Halmgewächsen, sondern auch an manchen Gräsern und dem Klee sich stark bemerkbar macht, der Seuche starken Vorschub leiste.

**) Ein solcher Notstand und zwar im größten Umfange trat U. A. auch im Frühjahr 1740 ein. Ein Schriftsteller aus damaliger Zeit berichtet darüber, dass es wahrscheinlich sei, dass an einem einzigen Tage — am 17. Mai — der vierte Teil der milchenden Kühe, bis Johannis aber reichlich die Hälfte derselben, in Mecklenburg durch die Ungunst der Witterung umgekommen sei. Noch am 17. Mai schneite es den ganzen Tag, vom Morgen bis zum Abend, und auch noch später war das Wetter überaus ungünstig.


Im Übrigen soll eine Übertragung der Rinderpest auf andere Tiergattungen, bei dieser eben so wenig, wie bei der Lungenseuche bemerkt worden sein. Vögel und Hunde fraßen von dem Fleische des an der ersteren krepierten Viehes, ohne dass dies für dieselben irgendwie schädliche Folgen gehabt hätte. Auch für den Menschen soll der Genuss solchen Fleisches keinen Nachteil gebracht haben. Es wird berichtet, dass, um Versuche dieserhalb anzustellen, Sträflinge dasselbe hätten essen müssen, dass es ihrer Gesundheit aber nicht geschadet habe. Das Fleisch von so gefallenem Vieh soll sogar in einem Lande in Fleischscharren an Arme um einen billigen Preis öffentlich feilgeboten sein, und in Ungarn sollen sich, wie Professor Steinhoff gedachten Orts berichtet, die Zigeuner förmlich um das Fleisch der an der Pest krepierten Tiere gerissen haben*).

Bei den unendlichen Verlusten nun, welche durch die Rinderpest der Landwirtschaft zugefügt wurden, konnte es nicht fehlen, dass neben dem Forschen und Suchen nach der Ursache jener Seuche, nicht auch alle möglichen Anstrengungen hätten gemacht werden sollen, Mittel aufzufinden, wodurch dieselbe, wenn auch nicht gänzlich zu beseitigen, so doch wenigstens minder schädlich gemacht würde**). Die Landwirte sowohl, als auch die Männer der Wissenschaft, wetteiferten gegenseitig in Auffindung dieser Mittel. Lange Zeit nun blieben ihre Bemühungen erfolglos, bis man endlich das Entsprechende fand; dies war die Impfung oder die „Inokulation“, wie sie damals allgemein genannt wurde. Die Wirksamkeit der Impfung der Blattern- oder Pockenkrankheit bei dem Menschen leitete darauf hin, dieselbe auch bei der Rinderpest in Anwendung zu bringen, und das Resultat war auch hier gleich von Anfang an, ein ziemlich günstiges und ermunterndes ***).

*) Weiter bemerkt der Ebengedachte, dass noch zu Anfange des jetzigen Jahrhunderts von den Tagelöhnern zu Oberhagen bei Rostock das Fleisch eines von einem tollen Hunde gebissenen und im vollen Ausbruch der Wut getöteten Ochsens mit dem größten Appetite verzehrt und denselben jenes Fleisch ganz gut bekommen sei. „Es gibt“, fügt derselbe hinzu „überhaupt nur eine Krankheitsgattung, die von so bösartiger Beschaffenheit ist, dass das Fleisch von Tieren, welche daran litten, selbst wenn gekocht genossen, sehr schnell sich äußernde Wirkungen bei Menschen und Tieren hat: das ist der Milzbrand mit seinen Abarten oder die Anthraxkrankheiten. Alles übrige kranke Vieh kann im Notfalle demjenigen Menschen zur Speise dienen, welcher den Ekel davor zu überwinden versteht.“

**) J. J. Dreves in seinem Buche: „Mecklenburgs Ackerkultur“ (8. Schwerin, 1816) bemerkt u. A., dass das Vieh, welches viel in Tannenwäldern geweidet wurde, wie das namentlich in den klösterlich Dobbertinschen Forsten vielfach vorgekommen sein soll, meistens von der Seuche verschont blieb. Möglich, dass der Knoblauch (Milium sitivum), welcher in vielen dieser Waldungen, so u. A. auch in der Darzer Forst (bei Parchim) in großer Menge wächst, sich als ein gutes Präservativ-Mittel gegen dieselbe bewies. Bekannt ist, dass der Knoblauch in alten Zeiten vielfach zu ähnlichen Zwecken angewendet wurde.

***) Mögen hier einige Notizen über die allmähliche Verbreitung der Blattern- und Kuhpocken-Impfung Platz finden; dieselben dürften manchem der geneigten Leser nicht bekannt oder doch nicht zur Hand sein. Die Blattern-Impfung soll den Circassiern, Georgiern und Armeniern zuerst bekannt gewesen sein. Von da kam dieselbe nach Griechenland und 1763 durch eine Griechin nach Konstantinopel. 1700 impfte ein Dr. Raymann bereits in Ungarn. 1720 empfahl Professor Vater in Wittenberg das Impfen und im J. 1721 wurde bereits in Deutschland geimpft. 1724 impften Maitland und Wreden in Hannover; 1726 impfte Boylston in Nordamerika in Boston; 1734 impfte Ileverini in Italien; 1753 impfte ein Frauenzimmer in der Schweiz; 1754 impfte Tronchin in Holland, d'Argent in Dänemark, Hartmann in Schweden (in Stockholm wurde erst 1766 geimpft). 1772 impfte Gormann in Spanien. 1798 vereinigten sich 138 Aerzte in Deutschland zur Ausrottung der Blattern. Später wurde das Impfen durch besondere Gesetze vorgeschrieben. — Die Kuhpocken-Impfung war den Landleuten in Holstein, Jütland und der Umgegend von Hamburg lange vorher bekannt, bevor der Arzt Jenner darauf aufmerksam machte. Nach einer Mitteilung des „Reichsanzeigers“ von 1801, Nr. 182, wurden schon im J. 1772 in Holstein die Kuhpocken geimpft. 1790 impfte u. A. der Schullehrer Plett zu Stokendorf bei Kiel 3 Kinder. Jenner machte den ersten Impfversuch mit Kuhpocken erst am 14. März 1796 und gab im J. 1798 eine Schrift darüber heraus. Im Übrigen empfahl schon ein Ungenannter im Jahre 1770 die Kuhpocken-Impfung in den „Göttingschen gelehrten Anzeigen“, auch gab im selben Jahre ein deutscher Student, dessen Namen ich jedoch nicht genannt finde, zu demselben Zwecke eine Schrift unter dem Titel: „de Lue Vaccarum“ heraus. Letztere beide Empfehlungen blieben aber ohne wesentlichen Erfolg, bis, wie gedacht, Jenner sich der Sache annahm. Letzterem gebührt also nur das Verdienst der Verbreitung der Kuhpocken-Impfung, nicht aber das der Erfindung derselben, welches ihm Mehrere beilegen.


Das Verdienst, jene Versuche zuerst angestellt zu haben, dürfte, so weit sich aus den mir vorliegenden Schriften nachweisen lässt, einem Engländer Dodson gebühren, die Zeit aber, wann derselbe jene zuerst vornahm, die Mitte der Vierziger Jahre des vorigen Jahrhunderts sein*). Da nun jene ersten Versuche, wie bereits erwähnt, trotzdem dass dieselben nur sehr unvollkommen ausgeführt werden konnten, von ziemlich günstigen Erfolgen begleitet waren, so folgten Dodsons Beispiele alsbald mehrere andere Männer in Frankreich, England, Holland und Deutschland, welche gleichfalls noch zu Ausgange der Vierziger, besonders aber in den Fünfziger Jahren Impfversuche vornahmen. Auch diese letzteren sielen meistens so günstig aus, dass sie, wenn auch erst in ungleich späteren Jahren, die Aufmerksamkeit mehrerer Landwirte im Braunschweigischen, Hannoverschen, Mecklenburgischen u. s. w. auf sich zogen. Da es jedoch, so günstig sich jene Ergebnisse auch wiesen, sowohl unter den Landwirten, als unter den Männern der Wissenschaft, der Gegner der Impfung mehrere gab, so ging es mit der allgemeinen Verbreitung derselben immer nur sehr langsam. Teils traute man dem Dinge nicht, teils aber mochte man auch aus bloßer Abneigung gegen alles Neue und aus Indolenz sich nicht dazu entschließen. Mehrere der Sachverständigen behaupteten und behaupten noch jetzt**), dass durch die Impfung der Rinderpest dieselbe bei uns und in den andern betreffenden Ländern zu einer heimischen, nie wieder verschwindenden Krankheit gemacht werde. Da indessen die Not drängte und in der Impfung das einzige Mittel geboten schien, die Pest minder schädlich zu machen, so fand dieselbe, wie nachstehend angegeben ist, immer mehr allgemeine Verbreitung.

*) In der englischen Grafschaft York wurden zu Anfang der fünfziger Jahre des vorigen Jahrhunderts, wo eine Seuche daselbst unter den Pferden herrschte, bereits auch mit diesen Tieren Impfversuche angestellt. Von 8 geimpften Pferden erkrankten 7, die Krankheit verlief aber sehr leicht. Auch wurden jene Tiere nie wieder von jener Seuche ergriffen. („Nützliche Sammlungen“, fünftes Heft, 1758,) Leider fehlt in dem Referate die nähere Beschreibung dieser Seuche.

**) Zu den namhaften Gegnern der Rinderpest-Impfung in neuerer Zeit gehört auch der Medizinalrat Lorinser. Derselbe warnt vor derselben, als vor einer furchtbaren Gewalt dieses Contagiums, welche die traurigsten Folgen nach sich ziehe, („Untersuchungen über die Rinderpest“, von J. E. Lorinser, Berlin, 1831,) Es scheinen indessen die bei uns und in anderen Ländern sich ergebenden Erfolge und Tatsachen jene Befürchtungen eben so wenig zu rechtfertigen, als diejenigen, welche man in früherer Zeit vielfach aus der Blatterimpfung herleiten wollte.


Als im Jahre 1768 nämlich die Seuche in Holland sehr um sich griff, stiftete der Professor Campes zu Gröningen eine Gesellschaft in Ostfriesland, welche im Jahre 1769 ein Kapital von 3.000 Gulden zusammenbrachte, um auch dort Versuche mit der Impfung anzustellen. Campes impfte nun zuerst 112 Tiere, von denen er aber nur 45 durchbrachte, während die übrigen 67 draufgingen. Bei dem zweiten Versuche blieben schon von 92 46 und bei dem dritten, welcher in Gröningen selbst angestellt wurde, von 100 trächtigen Kühen, Starken und Ochsen 75 am Leben. Hierauf wurde die Impfung in Gröningen und Ostfriesland immer allgemeiner, besonders aber stellte man dieselbe an Kälbern an, und der Erfolg war hierbei ein so günstiger, dass selbst von Hunderten selten einmal eins verloren ging.

Diese glücklichen Erfolge des Impfens erregten alsbald die Aufmerksamkeit der Königl. Dänischen Regierung und diese ließ nun auf ihre eigenen Kosten in mehreren aufeinander folgenden Jahren ebenfalls Versuche mit derselben anstellen. Schon im Jahre 1770 wurden vom 29. August bis 15. Oktober 61 Kühe, Starken, Kälber und Ochsen geimpft, von denen aber leider 42 Stück, wahrscheinlich aus Anlass ungünstiger Witterung, krepierten; denn von den im darauf folgenden Jahre, vom 19. Juli bis 13. September, geimpften 160 Stück ging auch nicht eins verloren. Fast eben so günstig verliefen die in den Jahren 1772, 1773 und 1774 angestellten Versuche. Es waren im Ganzen in diesen Jahren auf Königliche Kosten in Dänemark 390 Stück Rindvieh geimpft, und von diesen nur 44 krepiert, die übrigen aber sämtlich gut durchgekommen. Hierdurch aufgemuntert, schritt man auch in Holstein zur Impfung. Hier stellten u. A. Dr. Salchow zu Melldorf und der Kammerherr von Buchwald auf Fresendorf Versuche mit derselben an, von denen besonders die des Letzteren sehr glücklich verliefen, weshalb demselben eine ansehnliche jährliche Pension vom Lande bewilligt wurde. Aber auch in Holland war man unterdes nicht müßig geblieben, denn hier halte weiter u. A. eine Gesellschaft von 9 Männern bis zu Ende des Jahres 1776 160 Haupt Vieh geimpft, von welchen denn auch nur 20 krepiert waren. Zwei Bauern, von denen der Eine 499., der Andere 31 Kälber mit gutem Erfolge geimpft hatten, bekamen im Jahre 1778 von der dasigen Gesellschaft zur Beförderung des Landbaues Prämien, der Eine von 40, der Andere von 30 holländischen Dukaten.

In Mecklenburg war, wie schon erwähnt, seit dem Jahre 1766 kein Fall der Rinderpest vorgekommen, dann aber trat dieselbe im Jahre 1776, also nach zehn Jahren, aufs Neue auf und erlangte mit dem Jahre 1777 wieder eine große Verbreitung. In diesem Jahre nun war es, wo der Kammerjunker von Bülow auf Prützen und Hägerfelde, aufgemuntert durch die in Holstein sich ergebenden Resultate, sich dazu entschloss, die Impfung bei seinem Vieh zur Anwendung zu bringen. Im Winter 1777 hatte die Rinderpest demselben auf seinem Hauptgute Prützen von 97 Haupt Rindvieh 90 Stück weggerafft, und da derselbe überzeugt war, dass auch das Vieh auf seinem anderen Gute Hägerfelde von der überall im Lande stark herrschenden Pest über kurz oder lang werde angesteckt werden, so ließ er alsbald jenes Vieh in die ausgestorbenen Ställe nach Prützen bringen und impfen. Da dabei nun zu Anfange manche Fehler begangen wurden, u. A. die Impfmaterie nicht recht gewählt war, so ging noch manches Stück Vieh verloren. Glücklicher verliefen die später von demselben angestellten Versuche, bei denen von 204 Haupt, welche der Kammerjunker von Bülow in dem Zeiträume vom 30. November 1777 bis zum 6. März 1779 teils in den eigenen, teils in fremden Herden impfte, 158 am Leben blieben; es waren also nur 46 gestorben.

Dem Beispiele des Kammerjunker von Bülow folgend, führte im Jahre 1773 der Oberhauptmann von Oertzen auf seinem Pachtgute Wolken die Impfung ein. Die Seuche, welche noch vor Kurzem in seiner Nähe gehaust, jenes Gut aber unberührt gelassen hatte, hatte sich nun zwar wieder von demselben mehr und mehr entfernt, da indessen der Oberhauptmann von Oertzen sich von den günstigen Erfolgen der Impfung überzeugte, so entschloss sich derselbe doch zur Einführung derselben, teils um sich gegen fernere Fälle sicher zu stellen, teils aber auch, um diesem Verfahren im Vaterlande eine größere Verbreitung zu verschaffen. Von den 131 Haupt Rindvieh, welche zur gedachten Zeit in Wolken geimpft wurden, erlagen 43, wogegen 88 erhalten blieben.

Nachdem nun unsere hohe Landesregierung von diesen Erfolgen war unterrichtet worden, erließ dieselbe unterm 7. Mai 1778 eine Verordnung, worin sie auf dieselben hinwies und die weitere Anwendung der Impfung als das alleinige sichere Mittel gegen die Seuche empfahl. Teils in Folge dieser Verordnung, teils durch die von Anderen weiter unternommenen Versuche und deren günstige Erfolge wurde die Impfung in Mecklenburg-Schwerin nun allgemeiner. Es gab zwar auch noch jetzt Mehrere, welche sich, wie das bei jedem neuen und folgereichen Verfahren der Fall ist, zu derselben nicht entschließen mochten, indessen verkleinerte sich deren Zahl immer mehr. Nach den von der Regierung bekannt gemachten Listen waren in dem Zeitraum von Anfang des Jahres 1778 bis März 1779 an solchen Orten, wo keine natürliche Seuche herrschte, 3.306 Tiere geimpft worden. Von diesen erkrankten 65 gar nicht, krepierten 344 und genasen vollkommen 3397 Haupt. An solchen Orten, wo zugleich die natürliche Seuche wütete, waren 269 geimpft; von diesen erkrankten 41 gar nicht, krepierten 94 und kamen durch 134; denn die Impfung zeigte sich nur dann an einem Orte von günstigem Erfolge, wenn die natürliche Seuche noch nicht daselbst herrschend war *). Mit dem Jahre 1782 war die Rinderpest in Mecklenburg nun endlich gänzlich erloschen, und dass dasselbe seitdem nicht wieder von derselben heimgesucht worden ist, haben wir neben der Impfung besonders noch den desfalls erlassenen Sicherheits-Verfügungen zu verdanken.

*) Die hier genannte Zahl ist die bei Weitem kleinere der in Mecklenburg geimpften Tiere. Die Impfung wurde vielmehr erst mit den Jahren 1779 und 1780 recht allgemein.

Dem Beispiele Mecklenburgs waren auch schon früher mehrere unserer weiteren Nachbarländer gefolgt, und so war die Impfung u. A. in Schwedisch-Pommern, der Mark Brandenburg, namentlich in der Priegnitz mit großem Eifer und gutem Erfolg betrieben. Auch dort wird die Seuche so ziemlich um dieselbe Zeit, wie im Mecklenburg ihre Endschaft erreicht haben. Im Jahre 1781 erließ der König von Preußen, Friedrich II., unterm 14. April eine Verordnung, nach welcher die Impfung unter gewissen Beschränkungen überall gestattet war. Auch in Holland und Dänemark war man mit derselben ununterbrochen fortgefahren, und hatte es endlich bis zu solcher Vollkommenheit darin gebracht, dass von hundert Stück einjährigen Rindviehes, sogenannten Jährlingen, noch selten einmal eins starb. Man berechnete den Verlust bei der Impfung höchstens auf 6 bis 7 Prozent, während bei der natürlichen Seuche von 14 Stück gewöhnlich nur 1, im glücklichen Falle 2, sehr selten aber 3 gerettet wurden.

Minder rasch, wie bei uns in Mecklenburg und in den genannten Ländern, fand die allgemeine Verbreitung der Impfung im Süden Deutschlands statt, und dieser Umstand, weiter aber auch die der Seuche dort günstigen klimatischen Verhältnisse, dürften Veranlassung gewesen sein, weshalb sich dieselbe dort ungleich länger hielt, wie in Mecklenburg usw. So weit sich aus den mir vorliegenden Schriften ersehen lässt, trieb die Rinderpest, außer in den obengenannten Ländern, so u. A. auch noch bis zu Anfange dieses Jahrhunderts, in Bayern, am Niederrhein, Belgien und selbst in Holland ihr Wesen und raffte noch Tausende von Tieren weg. Im Übrigen verläuft dieselbe in wärmeren Gegenden durchweg ungleich gelinder, als in kälteren.

Was das bei der Impfung zur Anwendung gebrachte Verfahren betrifft, so unterschied sich das dabei in Mecklenburg beobachtete von dem in andern Ländern meistens angewandten im Allgemeinen dadurch, dass man dieselbe in dem ersteren in der Art ausführte, als wenn man ein sogenanntes Fontanell legt, während man anderswo dem zu impfenden Tiere die Impfmaterie in Art eines Haarseiles applizierte. Im Übrigen hatten die bei dieser Angelegenheit damals sich ergebenden Resultate folgende Punkte als besonders praktisch erscheinen lassen.

Am geeignetsten zur Impfung sind einjährige Tiere, minder geeignet trächtige Kühe. Teils weil der durch den Verlust der letzteren angerichtete Schaden bedeutend größer ist, teils aber auch, weil die ersteren dieselbe ungleich leichter überstehen. Kälber unter einem halben Jahre impfte man gleichfalls nicht gern, weil sie noch nicht stark genug sich erwiesen, um der Seuche Widerstand zu leisten. Aus demselben Grunde eignete sich auch schwächliches, kraftloses oder sonst wie frankes Vieh zur Impfung nicht besonders. Steht zu fürchten, dass das Tier den Seuchestoff bereits in sich aufgenommen, so ist die Impfung gleichfalls nicht mehr zu empfehlen.

Anlangend die Witterung, so eignet feuchtkalte oder feuchtwarme Witterung zur Impfung sich nicht; besser dagegen trockene und warme oder trockene und kalte. Im Sommer darf das zu impfende Vieh von der einmal gewohnten Weide nicht auf ungewohnte gebracht werden, und ebenso ist es mit dem Füttern im Stalle; letzterer muss auch noch gut verwahrt, trocken und warm sein. Am besten impft man alles Rindvieh auf einmal.

Die Impfmaterie muss, womöglich, von keiner bösartigen Seuche genommen sein; man nehme dieselbe daher von einem solchen Orte, wo jene nur gelinde herrschte oder von solchem, Tiere, welches dieselbe nur im gelinden Grade hat. Ist jedoch schon ein Haupt Vieh geimpft, so nimmt man die Materie dann von diesem, und zwar vom 6. bis 10. Tage nach der Impfung, entweder aus der Impfwunde selbst, oder auch aus der Nase. Die Impfmaterie darf nicht über 8 Tage alt sein und muss überdies gut verwahrt werden, da sie sonst in Fäulnis übergeht und nun leicht schlimme Folgen nach sich zieht.

Was das weiter bei der Impfung in Mecklenburg gewöhnlich beobachtete Verfahren betrifft, so finde ich darüber folgende Beschreibung:

Das zu impfende Tier wurde in einen Zwang- oder Notstand geführt. Dann schnitt man an der Stelle, wo man impfen wollte (z. B. an den Hinterbacken oder auf der breiten Seite des Rückgrats, und zwar an dem ziemlich fleischigen Teile zwischen dem Rückgrat bis dahin, wo die Rippen ausstehen und sichtbar werden, oder auf dem einen Schulterblatte zur Seite des Rückgrates), die Haare im Umfange einer kleinen Hand so kurz, als nur immer möglich, mit einer Schere ab, fasste dann mit dem Daumen und Zeigefinger der linken Hand die Haut des Viehes auf der abgeschorenen Stelle zusammen, zog sie etwas in die Höhe und schnitt mit einem sehr scharfen Messer die Hautfalte querüber entzwei, so dass man ganz durch die Haut bis auf das darunter liegende Fett oder Zellgewebe kam. Während man nun die Wunde ausbluten ließ, nahm man die Seuchenschnur (eine mit der Seuchmaterie geschwängerte baumwollene Schnur) aus dem Glase oder Hafen heraus, schnitt ein drei bis vier Querfinger breites Stück davon ab, nahm davon drei bis vier Fäden, legte dieselben in die offene Wunde hinein und suchte sie mit einem schmalen, abgeglätteten Stückchen Holz unter die Haut hinunter zu bringen, so dass nichts davon herausging. Damit aber auch nachher die Impffäden nicht aus der Wunde herauskamen oder das Tier sie nicht herauslecken konnte, legte man quer über dieselben einige schmale Streifen gewöhnlichen Heftpflasters. Nachdem diese Operation geschehen war, kam das Vieh wieder aus dem Zwangsstande heraus und wurde nun in den Stall zurückgeführt, in welchem es während der Krankheit bleiben sollte. In den ersten beiden Tagen nach der Impfung fütterte man das Vieh mit gutem, weichen, trockenen Klee- und Heufutter, auch gab man dazwischen etwas Haferschrot, Malz, Leinsamen oder Leinkuchen u. dergl., aber immer nur sehr mäßig und gerade so viel, dass das Tier davon leben konnte; denn das Überfüttern hatte sich hierbei von besonders nachteiligen Folgen erwiesen. So fuhr man, während die Portionen immer knapper eingerichtet wurden, bis zum fünften und sechsten Tage fort, wo dann die Kost lediglich auf das Saufen von Schrotwasser u. dergl. beschränkt wurde. Am fünften oder sechsten Tage schwoll nun gewöhnlich die Wunde etwas an, entzündete sich und gab einen unangenehmen Geruch von sich; dies war das Zeichen, dass die Impfung gewirkt hatte. Die Spuren der Seuche äußerten sich nun gewöhnlich am sechsten, siebenten, achten oder neunten Tage, mitunter noch später, selbst erst am vierzehnten Tage, und zwar mit einem Hüsteln, schwachen Fieberschauer, einer gewissen Abneigung vor dem Fressen und Saufen, ziemlicher Empfindlichkeit am Rückgrat, Verminderung der Milch bei milchenden Kühen, traurigem Aussehen, Wässern der Augen und der Nase, und dann und wann mit Zähneknirschen, wobei man zugleich bemerkte, dass das Tier gar nicht oder wenigstens nicht mehr recht wiederkäuen wollte. Zeigten sich jene Symptome schon vor dem sechsten Tage, so galt das als ein Zeichen, dass das Gift schon vor der Impfung in den Körper gekommen war, und das eben war gefährlich.

Da ich es hier nur mit dem geschichtlichen Teile dieser Angelegenheit zu tun habe, überdies auch nicht angeben kann, ob in neuerer Zeit nicht noch andere Regeln und Verfahrungsweisen in derselben sich als praktischer und besser erwiesen haben, so kann das hier Mitgeteilte auch keineswegs als Belehrung oder Empfehlung vorstehenden Verfahrens angesehen werden; meine Absicht ging dabei vielmehr nur dahin, zu zeigen, dass die Impfung der Rinderpest keineswegs etwas Neues ist, wie Viele glauben, sondern dass dieselbe bereits seit mehr denn hundert Jahren, und zwar mit dem besten Erfolge, angewendet wurde.

Anlangend die Gegenwart, so erschien u. A. im Jahre 1854 von Seiten der Königl. Preußischen Provinzial-Regierung in Köln eine Verordnung, welche ausspricht, dass, da die seit 1852 mit der Einimpfung auch der Lungenseuche angestellten Versuche dieses Verfahren als das beste Schutzmittel gegen die verheerende Krankheit erwiesen hätten, so solle in künftigen Fällen, wo Rindvieh gefallen, den Besitzern desselben keine Beihilfe aus dem Grundsteuer-Revisions-Fond mehr gewährt werden, bevor der Beweis geliefert worden, dass das gefallene Vieh von einem approbierten Tierarzt geimpft war oder wegen absoluter Hindernisse nicht habe geimpft werden können. Ebenso erschien im gedachten Jahre in Russland ein Kaiserlicher Ukas, durch welchen zur Vertreibung der Rinderpest das Impfen dieses Übels an dem auf Steppen befindlichen Hornvieh angeordnet wurde.

Dass das Impfen bei der Lungenseuche bei uns in alter Zeit angewendet wurde, finde ich nirgends erwähnt.

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Kuh

Kuh

Arabisches Pferd

Arabisches Pferd

Kühe auf der Wiese

Kühe auf der Wiese

Kühe im Stall

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Ochsengespann

Ochsengespann

Pferdeknecht beim Pferdefüttern

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Pferdestall auf dem Gut

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Viehmarkt

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