Die Raubmönche zu Stettin.

Aus: Die Volkssagen von Pommern und Rügen
Autor: Gesammelt von Temme, Jodocus Donatus Hubertus (1798-1881) Politiker, Jurist und Schriftsteller, Erscheinungsjahr: 1840
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Sage, Volkssage, Rügen, Pommern, Stettin,
In der Stadt Stettin war vor Zeiten ein Kloster, dessen Mönche sich viel damit abgaben, dass sie Menschen raubten. Neben dem Kloster wohnte ein Bäcker, der für das Kloster backte. Der hatte eine schöne Tochter, für welche ein vornehmer, reicher Herr den Mönchen viel Geld geboten hatte, wenn sie sie ihm verschafften. Wie nun das Mädchen eines Tages wie gewöhnlich den Mönchen das Brot an das Klostergitter brachte, lockten sie dieselbe in das Innere des Klosters, und sperrten sie in ein unterirdisches Gewölbe, bis der vornehme Herr sie abholen würde. Kein Mensch konnte sich denken, wo das Mädchen geblieben wäre, die bei hellem Tage verschwunden war; ihre Eltern grämten sich fast tot um sie.

Um dieselbe Zeit saß in dem Gewölbe des Klosters ein Knabe gefangen, den die Mönche auch gestohlen hatten. Dem glückte es, durch die Klosterkirche zu entkommen, und da er auch das geraubte Mädchen gesehen hatte, so ging er zu dem Bäcker und zeigte ihm an, wo seine Tochter wäre. Anfangs wollte man dem Knaben nicht glauben; als er sich aber erbot, die Leute zu dem Mädchen hinzuführen, da beschloss das Gericht, dem auch Anzeige gemacht war, Nachsuchung zu halten, und sie fanden nun das arme Mädchen und befreiten sie.

Das Haus des Bäckers wird noch jetzt in der Königsstraße zu Stettin gezeigt.

Mündlich
Temme, Jodocus Donatus Hubertus (1798-1881) Politiker, Jurist und Schriftsteller

Temme, Jodocus Donatus Hubertus (1798-1881) Politiker, Jurist und Schriftsteller