Die Räuberkule bei Koserow

Aus: Koch; Das Seebad Koserow auf Usedom, seine Natur, seine Eigentümlichkeiten, seine Umgebungen.
Autor: Koch, C. H. F., Erscheinungsjahr: 1867
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Sagen, Hansezeit, Barth, Hansestädte, Überlieferung, Seeräuber, Liekedeeler, Gleichteiler, Usedom. Koserow, Räuberkule, Piraten, Klaus Störtebeker, Michel Godecke
Unweit des Dorfes Koserow aus Usedom, eine Achtelmeile vom Strande, findet man in der Erde eine Vertiefung, welche die Räuberkule heißt. In dieser hat im 14. Jahrhundert zu Zeiten eine mächtige Bande von Seeräubern gehaust, deren Anführer Claus Störtebeker und Michel Godecke waren. Jener war aus der Stadt Barth gebürtig, wahrend dieser auf dem Gute Ruschwitz auf Rügen, oder wie Andere meinen, aus dem Dorfe Michelsdorf auf dem Darß herstammte.

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Diese Räuber trieben ihr Gewerbe auf der ganzen Ostsee; sie hatten eine Menge Niederlagen und geheime Schlupfwinkel, in die sie sich verkrochen, wenn sie einmal von den hanseatischen Städten mit zu großer Macht verfolgt wurden. So bezogen sie zu Zeiten die Räuberkule bei Koserow, die damals Niemand kannte.

Aber auch von hier aus raubten und plünderten sie. Man sagt, sie hatten von der Höhle bis nach der Landstraße einen Draht gelegt, an dem ein Glöcklein hing, das, sobald jemand den Weg zog, zu läuten anfing. Dann brach Alles auf, überfiel den arglosen Wanderer, und plünderte oder ermordete ihn.

Die Hanseaten konnten den Räubern lange nicht beikommen; sie entkamen allen Verfolgungen glücklich. Das sollen sie den Gebeinen eines Märtyrers verdankt haben, die sie einmal aus einem Kloster an der Spanischen Küste gestohlen hatten, und die sie immer mit sich führten. Endlich wurde ein Teil derselben von den Stralsundern gefangen und enthauptet. Später fingen die Hamburger, welche eine große Seemacht zusammengebracht hatten, den übrigen Teil der Bande mit seinem Geschwader bei Helgoland, in einem überaus blutigen Seetreffen.

Zuerst bekamen sie den Claus Störtebeker mit 711 Gesellen, und darauf den Michel Godecke mit noch 80. Die wurden auf dem Grasbrook bei Hamburg im Jahre 1402 allesamt geköpft. Der Hamburgische Bürgermeister Simon von Utrecht hat ihnen das Todesurteil gesprochen und sie in ihren Prunkkleidern unter Trommelwirbel und Pfeifenklang zum Richtplatz führen lassen.

In der Räuberkule bei Koserow hört man aber zuweilen einen gräulichen Rumor, ein Geklirre von Waffen und ein Ächzen von Sterbenden.
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