Die Papendönken-Kuhl im Ratzeburgischen.

Aus: Mecklenburgs Volkssagen. Band 1
Autor: Von C. Masch, Pastor zu Demern, Erscheinungsjahr: 1858
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Sage, Volkssage,
In uralten Zeiten, als die Wälder noch so dicht waren, dass man kaum hindurch kommen konnte, lebte im Ratzeburgischen in einer Grube im Papenholze, zwischen Campow und Römnitz, ein Mörder, Pavendöne genannt, sicher und ohne Gefahr entdeckt zu werden. Als er nicht länger allein leben mochte, griff er sich eine lübeckische Frau, welche ihm nach und nach sieben Söhne gebar. Aber die ließ er nicht leben, er schnitt den armen Kindlein die Köpfe ab, zog sie auf einen Strick und tanzte damit umher und sang:

      „So dantzet, so dantzet, miene leeben Söhnken,
      Dat Dantzent dat makt ju Varer Papedönken."*)

Einstmals erlaubte er auch seiner Frau, die Ihrigen in Lübeck zu besuchen, aber zuvor musste sie ihm schwören, dass sie wiederkommen und keinem Menschen das Geringste von ihrem Aufenthalt und Schicksal entdecken wolle. Da kaufte sie sich ein Fass Erbsen, winkte ihren Freunden, ihr zu folgen, und streute die Erbsen in den dicken Wald, um so den Weg zu bezeichnen, den sie gegangen war. Und als sie müde geworden, setzte sie sich auf einen Stein und klagte dann ihr großes, unsägliches Leid, wie der Räuber sie ergriffen, ihre Kinder getötet und ihr es durch einen Eid unmöglich gemacht, sich bei irgend einem Menschen Trost zu suchen. — Die Freunde merkten auf ihre Worte und auf den Weg, holten sich Beistand und ergriffen den Mörder, der dann auch den Lohn erhielt, den seine Taten wert waren.

*) „So tanzet, so tanzet, meine lieben Söhnchen,
Das Tanzen das macht euer Vater Papedönken.“

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Mecklenburgs Volkssagen - Band 1

Mecklenburgs Volkssagen - Band 1