Die Messung des Lucin-Sees bei Feldberg

Aus: Mecklenburgs Volkssagen. Band 2
Autor: Von F. C. W. Jacoby zu Neubrandenburg, Erscheinungsjahr: 1862
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Sage, Volkssage, Lucin-See, Feldberg, Tiefenmessung
Zur Nachtzeit, als der Mond just schien,
Zwei Fischer sitzen am Lucin,
Sie wollen jetzt den See ergründen,
Des Tiefe Keiner noch konnt' finden.

Vom Hinterwagen einen Teil
Und Stricke, lang und stark und heil,
Sie nehmen, — binden Alles fest,
Damit nicht eins vom andern lässt.

Ins Wasser schieben sie alsdann
Das Wagenstück, mit Stricken dran,
Und tiefer es und tiefer sinkt,
Wie's kaum den Fischern möglich dünkt.

Es wickelt ab sich Strick um Strick,
Doch Grund nicht hat das Wagenstück;
Und als die Stricke nun zu End',
Da zieht's den Fischern in die Hand'.

Und aus der Tiefe ruft's empor:
„Oh, haltet an und zieht hervor.
Sonst geht's Euch schlecht, Ihr stört die Ruh
Undinens und der Nix'n dazu!"

Da zieh'n sie an mit aller Kraft,
Dass werd' auf's Trockene geschafft
Der Hinterwagen und die Stricke,
Und sie nicht träfe Missgeschicke.

Doch leicht, als wär's ein Kinderspiel,
Ziehn sie die Stricke an ihr Ziel;
Denn statt des Wagens baumelt dran,
Ein Pferdekopf, ohn' Haar und Zahn.

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