Die Knittel in den alten Toren von Sternberg

Aus: Mecklenburgs Volkssagen. Band 2
Autor: Gesammelt und herausgegeben von M. Dr. A. Niederhöffer, Erscheinungsjahr: 1862
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Sage, Volkssage, Sternberg
Einige ganz alte Sternberger Leute wissen's noch recht gut, dass in ihren Kinderjahren in jedem der drei Haupttore ihrer Heimatstadt ein großer, eichener Knittel, an einer eisernen Kette befestiget, gehangen hat. Als aber später die sämtlichen, altertümlichen Haupttor der Stadt — das pastiner, lukower und kütiner — abgetragen, und an ihrer Stelle einfache, steinerne Torpfeiler mit eisernem Staketenwerke errichtet wurden, da sind auch die alten Knittel abhanden gekommen. Man hat dieselben leider nicht wieder aufgehangen oder durch neue ersetzt; und so ist denn auch gleichzeitig mit ihnen das alte, ehemalige Wahrzeichen der Stadt Sternberg verloren gegangen.

Mit dem Verschwinden der Knittel ist auch das, was die Sage darüber berichtete, nach und nach immer mehr in Vergessenheit geraten; nur noch Wenige in Sternberg wissen davon, während es den Meisten dort schon ganz unbekannt ist.

Damit nun aber auch diese Sage nicht ganz untergehen möge, so will ich jetzt nachstehend erzählen, was ich darüber vernommen habe:

In alten Zeiten wurde das früher stark befestigte Sternberg einmal gar arg vom Feinde belagert, von seinen Bürgern aber auf das Tapferste verteidiget. Als nun aber später noch immer mehr feindliche Scharen heranzogen, da sank endlich den erschöpften Bürgern der Mut, und schon schickten sie sich an, die Verteidigung ihrer Stadt aufzugeben, die Waffen zu strecken und sich dem Feinde zu ergeben. Kaum aber erfuhren dies ihre Weiber, da eilten sie mit Stöcken auf die Straßen und trieben die entmutigten Männer wieder zurück auf die Mauern und ins Gefecht.

Zur Erinnerung hieran und als ewiges Denkzeichen ihrer Gewalt über die Männer, sollen die Weiber bald darauf die Knittel in den Haupttoren der Stadt aufgehängt haben.

Nach einer andern Sage aber haben bei einem feindlichen Überfalle die Weiber wacker mit drein geschlagen, und also in Gemeinschaft mit ihren Männern den Feind siegreich zurückgetrieben, worauf denn nachher, zum Andenken an diese Heldentat, in jedem der 3 Stadttore Sternbergs ein an einer eisernen Kette befestigter eichener Knittel aufgehangen worden ist.

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