Die Kirche ohne Turm.

Aus: Die Volkssagen von Pommern und Rügen
Autor: Gesammelt von Temme, Jodocus Donatus Hubertus (1798-1881) Politiker, Jurist und Schriftsteller, Erscheinungsjahr: 1840

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Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Sage, Volkssage, Pommern, Greifswald, Gristow,
Das Dorf Gristow, eine Meile von Greifswald, hat eine Kirche, die zwar zu den reichsten im Lande gehört, denn sie hat ein Vermögen von 20- bis 30.000 Thalern, die aber keinen Turm hat, und auch keinen bekommen kann. Schon seit uralten Zeiten haben die Leute gesagt, auf die Kirche zu Gristow werde niemals ein Turm kommen. Warum nicht, das weiß man nicht, aber dass sie keinen erhalten kann, ist gewiss. Man hat sich schon mehrmals angeschickt, einen zu erbauen, es liegen auch die dazu bestimmten Fundamentsteine seit ein paar hundert Jahren auf dem Kirchhofe; so oft aber der Baumeister mit dem Bau hat anfangen wollen, ist derselbe eines jähen Todes verstorben, so dass man das Werk liegen lassen musste. Es hatte sich daher auf lange Zeit kein Baumeister mehr dazu finden wollen. Vor ungefähr fünf Jahren dachte man endlich wieder daran. Man bekam auch einen tüchtigen Meister, Namens Giese; aber so wie der kaum den Riss fertig gemacht hatte, so starb auch er eines plötzlichen Todes. Seitdem will sich nun Keiner mehr finden, den Bau zu übernehmen.

Mündlich
Temme, Jodocus Donatus Hubertus (1798-1881) Politiker, Jurist und Schriftsteller

Temme, Jodocus Donatus Hubertus (1798-1881) Politiker, Jurist und Schriftsteller