Die Gründer des Hofes Hohen-Lukow bei Rostock.

Aus: Mecklenburgs Volkssagen. Band 3
Autor: Von A. C. F. Krohn zu Penzlin
Neuaufgelegt: 1860
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Sage, Volkssage, Rittergut, Rostock, Hohen-Lukow, Herrenhaus, Schloss, Edelleute, Ritter, Schweinehirt, Kriegshandwerk,
Zwei Meilen südwestlich von Rostock liegt das Rittergut Hohen-Lukow mit seinem großartig und schön gebauten Hofe und seinem stattlichen Herrenhause, welches gewöhnlich Schloss genannt wird.

Vor alten Zeiten war Hohen-Lukow der Sage nach ein großes Bauerdorf, und einen herrschaftlichen Hof gab es damals in diesem Orte noch nicht. Zwar waren die Bauern einem Edelmanne untertan, der daselbst wohnte; aber dieser gab sich mit den friedlichen Beschäftigungen des Landmannes nicht ab, sondern lag dem rauen Kriegshandwerk ob, wie damals die meisten Edelleute oder Ritter taten. Was der Ritter für sich, seine Knappen und Pferde an Nahrungsmitteln etc. gebrauchte, das mussten die Bauern liefern, unter welche er seinen Acker ausgeteilt hatte; denn deren Pacht bestand neben wenigem Gelde zumeist in Naturalien und Frondiensten. Waren nun außer dem Schloss oder der Burg des Edelmannes auch noch andere herrschaftliche Gebäude, namentlich Stallungen für die Streitrosse, vorhanden, so bildeten diese doch nach heutigen Begriffen noch keinen Hof.

Als nun Lukow also noch ein Bauerndorf war, so berichtet die Sage, da wütete einstmals in Deutschland ein lange dauernder Krieg, der auch diese Gegend nicht verschonte. Einst kam denn auch ein Haufe feindlicher Krieger durch Hohen-Lukow, der des Weges unkundig war.

Die Bewohner des Dorfes hatten sich beim Herannahen der Feinde geflüchtet und sich im Bruche versteckt. Nur ein kleiner Bauernjunge hütete nicht weit vom Wege ganz unbesorgt seine Schweine. Diesen nun griffen sich die Krieger auf, um ihn als Wegweiser zu benutzen; weil er aber ihr Wohlgefallen erregte, so machten sie weiter keine Umstände und nahmen ihn gänzlich mit sich.

Der Knabe lief im Grunde auch gern mit. Vater und Mutter waren tot, Schwestern und Brüder hatte er nicht, und von dem Bauer, bei dem er ums tägliche Brot diente, bekam er mehr Schläge als Brot, und Püffe zum Zubrot. So wurde dem Jungen der Abschied von Hohen-Lukow nicht sonderlich schwer, und von dort weinte ihm auch so leicht Niemand eine Träne nach.

Die neue Lebensweise behagte übrigens dem Schweinehirten gar nicht übel, und es zog ihn nicht im Mindesten nach seiner Heimat zurück; auch fühlte er ebenso wenig ein Verlangen, zum Hüten des unfolgsamen Schweineviehes zurückzukehren. Als er größer wurde und sein Arm stark genug, ein Schwert zu führen, griff er selbst zum wilden, unstäten Kriegshandwerk. Dort schien ihn das Glück zu suchen; denn er brachte es bald bis zum Kriegsobersten, Ritter und Edelmann. Und hatte zu dieser seiner Erhebung seine persönliche Tapferkeit gewiss viel beigetragen, so begünstigten ihn doch auch manche äußere Umstände.

Eine Reihe von Jahren hatte er so schon gedient, als er sich nach Ruhe sehnte und dabei auch wieder seiner Heimat gedachte. Er hatte sich nämlich ein ziemlich bedeutendes Vermögen während seiner Kriegerlaufbahn erworben und gedachte sich dafür daheim anzukaufen. Wie aber das Bibelwort sagt: „Die da reich werden wollen, fallen in Versuchung und Stricke”, so war es auch ihm ergangen; mindestens munkelte man so etwas, da sein Vermögen zunahm, das der ihm anvertrauten Kriegskasse aber in demselben Maße abnahm. Und es war gerade Zeit, den Raub in Sicherheit zu bringen, als er Mecklenburg wieder aufsuchte.

Die Leute in Hohen-Lukow machten große Augen, als sie den fremden Obersten bei sich einkehren sahen und vernahmen, es wäre des Bauern N. Schweinejunge, den vordem die Soldaten gestohlen hatten; denn den meisten Lukowern war die Geschichte noch gut im Gedächtnis. Als es aber gar erst hieß, der ehemalige Hütejunge, jetzige Herr Oberst von B. . . . wolle dem im Kriege verarmten Edelmanne Hohen-Lukow abkaufen und statt des alten verfallenen Schlosses ein neues, prächtigeres aufbauen lassen, da war vollends des Verwunderns kein Ende, und doch hatte das Alles so seine volle Richtigkeit.

Während des Krieges waren aber auch einige von den Bauerfamilien ausgestorben. Da deren Hufen wüste lagen, so zog sie der neue Herr ein, und legte damit den Grund zu dem jetzigen Hof Hohen-Lukow.

Also entstanden der Hof und das jetzige Herrenhaus zu Hohen-Lukow; und Letzteres zeigt noch heute an seiner Fronte das Wappen seines Erbauers. Auch soll in dem im Hause befindlichen Rittersaal das Bild desselben in Lebensgröße hängen, wenigstens halten die Leute ein daselbst hängendes Ritterkonterfei dafür.

Als der Oberst starb, hinterließ er als Erben nur einen Sohn; der war aber das gerade Gegenteil seines Vaters und dachte nur darauf, das wieder unter die Leute zu bringen, was dieser ängstlich zusammengescharrt hatte.

Von dem Gute hieß es nun: „Wie gewonnen, so zerronnen!" und es währte nicht lange, so war Reinaus damit gespielt, und der Sohn konnte mit dem Bettelstab in der Hand davon gehen. Er soll später im Elend umgekommen und mit ihm das eben erst aufgeblühte Edelgeschlecht auch schon wieder untergegangen sein.

Den Vater ließ es im Grabe keine Ruhe. Der trieb fortan als Poltergeist im Rittersaale sein Unwesen und noch heute, so behaupten die Leute, soll es dort nicht richtig sein und soll darum auch Jedem, der einmal in den anstoßenden Gemächern übernachtet hat, die Lust gleich vergehen, dort auch nur eine Nacht noch wieder zuzubringen.

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Bauernjunge

Bauernjunge

Raubritter überfallen einen Handelszug

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Zug zum Markt - Zollabgabe

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