Die Entstehung von Brunshaupten und seiner Kirche bei Kröpelin

Aus: Mecklenburgs Volkssagen. Band 3
Autor: Von Fr. Schulz
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Sagen, Volkssagen, Warnow, Schwaan, Arendsee, Brunshaupten, Kühlungsborn, Kröpelin, Kühlung, Ostsee, Brunshof, Brunshöfen, Kirche, Warnowarm, Diedrichshäger Berge, Seeräuber
Als die Warnow von Schwaan aus noch mit einem Arm nach Nordwesten zeigte, dessen Hand nahe bei den Diedrichshäger Bergen in der Ostsee plätscherte, da war zur linken Seite, zwischen den genannten Bergen und der See, noch nicht das schöne Tal, wo jetzt zwei romantische Dörfer von schönen Feldern und Gärten umgeben liegen. Die Waldungen der Berge und die See den Warnowarm daher und auch ersten Erblicken schon zu sich heran gezogen.

Fuhr man eine kleine Strecke auf dem schiffbaren Fluss aufwärts, so fand man bald rechts ein schönes Versteck in den Kühlungen der Diedrichshäger Berge, das man schon in alten Zeiten zu benutzen gewusst hat.

Ein Seeräuber, Namens Bruhns, der sein Unwesen auf der Ostsee trieb und den Seehandel beunruhigte, hatte dort seine Behausung.

Als im Jahre 1284 auch Rostock in dem hanseatischen Bund*) aufgenommen worden war, da wurde auch von hier aus Jagd auf die Seeräuber gemacht und Bruhns dabei gefangen genommen.

*) Hansa oder hanseatischer Bund, ein im Mittelalter von den nordischen Handelsstädten zum Schutz und zur Sicherung ihres Handels geschlossenes Bündnis. Der Herausg.

In dieser seiner Not gelobte der Seeräuber Bruhns, dass wenn er aus der Gefangenschaft entkomme, wolle er sein bisheriges Geschäft aufgeben und unfern des Ortes, wo er bisher seinen Schlupfwinkel gehabt, eine Kirche bauen lassen.

Er kam frei und fand auch seine Waffen und Schätze wieder. Sein Gelöbnis war kein bloßer Notschrei gewesen, denn er ging alsbald aus einen passenden Ort zu suchen, wo er es ins Werk setzen konnte. Ein kleines Flüsschen, das von den Diedrichshäger Bergen herunter kam, und dicht am Strande in den Warnowarm mündete, zog seine Aufmerksamkeit auf sich. Denselben am rechten Ufer verfolgend, fand er bald den geeigneten Platz zum Bau der Kirche.

Wenn das Kirchlein auch nur klein geriet, so wurde es doch recht stark gemauert und entsprach den damaligen Bedürfnissen. Der kleine Turm wurde aber ganz aus Holz erbaut.

Es scheint unserm Bauherrn in dieser Gegend ferner gut gefallen zu haben; denn an der andern Seite, der Kirche gegenüber, schlug er seine Hütte auf, fing ein ordentlich Leben an und nährte sich vom Ackerbau manches Jahr redlich.

So entstand das Dorf und der Name desselben: Bruhnshof, Brunshöfen, woraus endlich Brunshaupten geworden ist.

Nach Hunderten von Jahren hat diese von Bruhns erbaute Kirche am östlichen Ende einen Anbau erhalten, ebenfalls durch ein Gelöbnis.

Ein Schiffer, der sehr kostbare Waren geladen hatte, geriet mit seinem Schiffe zwischen Arendsee und Brunshaupten auf den Strand. Er ging in die Kirche nach Brunshaupten, um bei Gott dem Herrn Hilfe zu suchen und gelobte, dass, wenn sein Schiff wieder flott würde, er der Kirche soviel Geld schenken wolle, dass noch ein Gewölbe angebaut werden könne.

Das gefiel dem Herrn; das Schiff ging bald wieder unter Segel, und der Kirche wurde das zugesagte Geld.

Die Alten haben das Geschenk wohl angewendet, und scheinen sie besonders beim Baue recht behutsam zu Werke gegangen zu sein. Ja, um nicht einmal das Huhn, welches auf dem östlichen Ende und der äußersten Spitze des Kirchendaches stand, aufzuscheuchen, ließen sie das Dach unverlängert, sondern machten dafür die hintere Wand rund und spitzten auch das Dach oben rund zu. Auch ließen sie recht große, schöne Fenster mit hübschen Glasmalereien in die Wände setzen und zeichneten so dies Ende des neuen Hochaltars vor dem Übrigen aus.

Wenn auch durch den Bau dieses vierten Bogens das Symbol verloren ging, so gewann die Kirche doch bedeutend an Räumlichkeit und erhielt eine geschmackvollere Form.
Schatzkiste am Ostseestrand

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Schatzgräber in den Dünen

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