Die Entstehung des Namens Ankershagen bei Penzlin

Aus: Mecklenburgs Volkssagen. Band 1
Autor: Von A. C. F. Krohn zu Penzlin, Erscheinungsjahr: 1858
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Sage, Volkssage, Penzlin, Ankershagen
An der Landstraße von Waren nach Penzlin, da wo sich der Weg teilt, und der eine Arm grade nach Osten auf Penzlin zugeht, der andere sich aber wendet und südlich nach Neustrelitz hinabführt, liegt mitten in einer hügeligen Gegend das Rittergut Ankershagen. Über die Entstehung seines Namens geht folgende Sage um:

Vor alten, alten Zeiten lebte einmal ein armer Schiffer, der sich mit Weib und Kind nur kümmerlich von dem geringen Ertrage seines Gewerbes nährte. Als sich aber das Häuflein der kleinen Brotesser von Jahr zu Jahr immer noch mehrte und der Verdienst im Gegenteil immer geringer wurde, da geriet der arme Mann in Verzweiflung und machte einen Pakt mit dem Bösen. Jetzt hatte er vollauf zu leben, aber seine Seele war dem Teufel verschrieben.

Eines Tages nun, als er mit seinem Schifflein aufs Meer hinausfuhr, kam der Böse im Sturm dahergesaust, fasste ihn mit seinem Fahrzeuge, hob ihn in die Wolken und jagte damit hin, über Wälder und Felder.

Dem armen Schiffer war der Vertrag schon lange leid gewesen und mit Zittern und Zagen sah er der Stunde entgegen, wo derselbe ablaufen und er dem Teufel verfallen würde. Jetzt ist der gefürchtete Augenblick da. In seiner Herzensangst betet er zu Gott und wirft seinen Anker aus. Und siehe, er gewinnt einen Halt. In dem Lattenwerke eines Kirchendaches, oder wie Andere sagen, in den Ästen eines mächtigen Baumes hakt sich der Anker fest. Und der Böse, er mag so viel toben und wüten, als er will, er hat keine Macht mehr an dem Schiffer, den die Wolken sanft auf die Erde niederlassen.

Das Dorf aber, wo dies geschehen ist, wurde zum Andenken an diese Begebenheit fortan Ankershagen genannt. — Nach Anderen gründete der Schiffer hier erst einen Ort und nannte ihn Ankershagen. —

Den Anker hing der Schiffer zur dankbaren Erinnerung in der Kirche auf; und als derselbe später abhanden gekommen war, ließ man einen neuen anfertigen und befestigte ihn an der Kirchentür. Dieser ist noch heute dort zu sehen mit einer Inschrift, welche den Anker als christliches Sinnbild deutet.

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Mecklenburgs Volkssagen - Band 1

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