Die Entstehung des Luzin-Sees bei Feldberg.

Aus: Mecklenburgs Volkssagen. Band 1
Autor: Von F. C. W. Jacobi in Neubrandenburg, Erscheinungsjahr: 1858
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Sage, Volkssage
Es stürmten von Osten durch die Gauen der Mark,
Lang noch vor dem Tilly, wilde Horden so stark,
Dass Schreck und Entsetzen die Gemüter nahm ein,
Weil grässlich ihr Morden und ihr Plündern sollt sein.

Da naht das Gesindel auch dem stargard'schen Land,
Als reich und gesegnet schon von jeher bekannt,
Vernichtet, verwüstet wird der Segen der Flur
Und Trümmer und Leichen bald bezeichnen die Spur.

Bis Carwitz gedrungen ist die grausame Schaar,
Schon denen zu Feldberg droht große Gefahr.
Sie gehen voll Angst auf die umliegenden Höhn
Und können die Mordbrenner heranstürmen sehn.

Sie mochten sich schirmen und sie können es nicht,
Zu eig'ner Verteid'gung es an Allem gebricht;
Es sinket der Mut ihnen, schon droht der Tod,
Wo noch findet sich Rettung in der größten Not?

Da fällt denn der Blick auf ein Muttergottesbild,
Das soll ihnen bringen jetzund Hilfe und Schild;
Und sie flehen und strecken die Hände empor,
„Ach Mutter, du hilf uns!" so sie beten im Chor.

Und wunderbar rollet es wie Donners Gekrach,
Die Erde erbebet, es wird finster bei Tag,
Weit spaltet sich ringsum das erbebende Land,
Darinnen die Rotte ihren Untergang fand.

Es bildet der Boden ein weit klaffendes Grab,
Mit Fluchen und Heulen sie tief stürzen hinab,
Drin brodelt’s und zischt's, ans Ufer brausend es leckt,
Es woget ein See lang durch die Fluren gestreckt.

Er ward den Feldbergern eine sichere Hut,
Er fließet noch heute in tiefbläulicher Flut.
Es senket hoffend der Fischer sein Netz in ihn
Und segnet noch heute wie eh'mals den Luzin.
Mecklenburgs Volkssagen - Band 1

Mecklenburgs Volkssagen - Band 1