Deutschland und seine Bewohner - Band 4

Die Großherzogtümer Mecklenburg
Autor: Hoffmann, Karl Friedrich Vollrath (1796-1842) deutscher Geograph, Lehrer und Schriftsteller, Erscheinungsjahr: 1836
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Schwerin, Mecklenburg-Strelitz, Großherzogtümer Mecklenburg, das Herzogtum Holstein, die freie Stadt Hamburg, das Königreich Hannover, die freie Stadt Bremen, das Großherzogtum Oldenburg, die Fürstentümer Lippe, das Herzogtum Braunschweig, die Herzogtümer Anhalt
Aus: Deutschland und seine Bewohner - ein Handbuch der Vaterlandskunde für alle Stände,
bearbeitet von Karl Friedrich Vollrath Hoffmann. Band 4. Stuttgart 1836. enthaltend:
die Großherzogtümer Mecklenburg, das Herzogtum Holstein, die freie Stadt Hamburg, das Königreich Hannover, die freie Stadt Bremen, das Großherzogtum Oldenburg, die Fürsten-tümer Lippe, das Herzogtum Braunschweig, die Herzogtümer Anhalt und das Register zum ganzen Werke.
Die von der Ostsee (im Nordwesten) bespülten Großherzogtümer Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz, im Nordosten, Osten und Süden vom preußischen Staate begrenzt, südwestlich und westlich an das Königreich Hannover, das Herzogtum Holstein und das Gebiet der freien Stadt Lübeck grenzend, bilden (kleine Teile ausgenommen) ein geschlossenes Ganze, das 276 Quadrat-Meilen enthaltend, also wenig größer als das Königreich Sachsen, und nahe so groß, als das Großherzogtum Baden ist. Von diesem Flächenraume kommen 229 Geviertmeilen auf das Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin, und 47 auf das Großherzogtum Mecklenburg-Strelitz. Beide Staaten, benachbart, und in Politischer Beziehung eng verwandt, haben auch in Hinsicht auf ihre natürlichen Verhältnisse viel Ähnlichkeit mit einander. Der südlichste Teil, von welchem der Niederschlag in das Gebiet der Elbe gelangt, ist der unfruchtbarste, reich an sandigem Boden, Tannenwäldern und Mooren, nicht fruchtbarer, als die Mark Brandenburg, welcher er ähnelt. Der Teil aber, von welchem das Wasser der Ostsee zufließt, ist, wenige Striche ausgenommen, weit ergiebiger, zum Teil ungemein fruchtbar. Eine scharf begrenzte Wasserscheide zwischen der Elbe (Nordsee) und Ostsee, wie schlechte Generalkarten sie zeigen, ist nicht vorhanden. Die Hügel, welche von Niederungen und Tälern, besonders gegen die nördliche Abdachung, durchfurcht sind, haben keine Gipfel, sondern meistens wenig abgerundete Kronen, und bilden nicht selten Flächen. In ihrer Nähe, bald nordwärts, bald südwärts von dem Wasserteiler liegend, findet man einen Gürtel von Seen, der sich von Osten gegen Westen, von der Uckermark gegen Holstein, quer durch das ganze Land zieht, und eine große Zahl von Felsenblöcken und kleinen Steinen, von denen sehr viele nur faustgroß, viele größer als ein Menschenkopf, mehre einige Zentner schwer, und manche so groß, als ein kleines Zimmer sind. Diese Steine, die man besonders häufig in Mecklenburg-Strelitz, namentlich auf den Feldmarken von Neuhof, Feldberg, Schlicht, Lichtenberg, Wittenhagen, Konow usw. trifft, scheinen von Skandinavien hierher gekommen zu sein. — Zwischen den Granitstücken liegen so viele Feuersteine, dass in der Regel sich Jedermann derselben zum Feuerschlagen bedient, und die Flintensteine, welche man in Süddeutschland allgemein antrifft, dort nur an Gewehren bemerkt werden. Wer daher von Berlin nach Hamburg, oder umgekehrt, durch Mecklenburg reiset, wird das Land wenig ergiebig nennen; wer von Stettin über Güstrow und Wismar nach Lübeck, oder umgekehrt reiset, wird, auch wenn er ganz Deutschland sah, das Land unter die ergiebigsten zählen, wenn nicht gar für das getreidereichste halten. So mögen die widersprechenden Urteile entstanden sein. Die Oberfläche des Landes ist weder so eben, als man sich dieselbe im mittleren und südlichen Deutschlande gewöhnlich denkt, noch so waldleer, als man sie daselbst hält. Nur wenige große (und mehre kleine) Striche, besonders wiesige Gegenden, sind eben. Das übrige ganze Land ist wellenförmig, voll Niederungen, reich an Bächen und Gräben und großen und kleinen fischreichen Seen, reich an dichten Wäldern, welche weniger geschont werden, als sie es verdienten; da zahlreiche, wäldervertilgende Glashütten, und viele Teeröfen immerwährend tätig sind, Platz zu machen, zum Aberbau tauglichen Boden zu gewinnen, und einstens die Holzpreise zu steigern. Nimmt man die Holzfrevel dazu, welche nicht holzbedürftige Leute, sondern manche gewissenlose Beamtete vor 20 und 30 Jahren anstellten, wenn sie einige hundert Louisd'or, in einem Abende, am Spieltische verloren hatten; so ist es möglich, daß Mecklenburg einst so waldleer werden könne, wie manche Gegenden Süddeutschlands, welche die Bewohner holzreich wähnen.

Fortsetzung: Die Großherzogtümer Mecklenburg

.

.

.