Deutsches Leben im XIV. und XV. Jahrhundert - Die Städte.

Über das Leben und Treiben der Bürger im ausgehenden Mittelalter
Autor: Schultz, Alwin Dr. (1838-1909) Kunst- und Kulturhistoriker, Professor der Kunstgeschichte an der Deutschen Karl Ferdinands-Universität in Prag, Publizist, Erscheinungsjahr: 1892
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mittelalter, Deutschland, Sittenbilder, Sittengeschichte, Architektur, Burgen, Städte, Dörfer, Kirchen, Rathäuser, Pranger, Henker, Räuber, Liebschaften, Ritter, Kostümgeschichte, Badereisen, Ärzte, Apotheker, Kaufhäuser, Pfarrkirchen, Kunstgeschmack, Gemeindeleben, Wissenschaft, Erfindungen
Inhaltsverzeichnis
Wer auf einer Reise durch Deutschland im XV. Jahrhundert begriffen die zahllosen Schranken und Zollstätten, die die einzelnen so zersplitterten Territorien schieden, glücklich passiert hatte, an den Grenzsäulen des Landes vorbeigeritten war,*) bemerkte mit Freuden, sobald er sich einer größeren Stadt näherte, die Anzeichen, die ihm deren Vorhandensein verkündeten, mochten diese auch noch so grausiger Natur sein; sie gaben ihm wenigstens die Gewissheit, dass er unter dem mächtigen Schutze des Gesetzes sich befinde. Was nämlich dem Reisenden zuerst ins Auge fiel, war der vor der Stadt nahe der Straße recht sichtbar aufgebaute Rabenstein. Da erhob sich ein kreisförmiges Gemäuer, und auf dem Unterbau standen drei gemauerte Steinpfosten, die durch hölzerne Querbalken verbunden waren; das war der Galgen, das vielberufene Dreibein, an dem gewöhnlich ein paar halbvertrocknete Leichen hingen, dem Gerechten zur Beruhigung, dem Räuber und Dieb zur Warnung. Die aufgepflanzten Häupter der Geköpften grinsten von den Pfählen; auf den an hohen Stangen befestigten Rädern waren die Überbleibsel der Gerichteten zu sehen. Der Anblick und der Geruch, der sich um diese Stätte des Grauens verbreitete, alles das war nach unseren, nicht nach jener Zeit Begriffen im höchsten Grade widerwärtig. Wenn der Besuch hoher Personen bevorstand, dann räumte man wohl auch, um ihnen einen hässlichen Anblick zu ersparen, die Leichen fort,**) beseitigte die zum abschreckenden Beispiel aufgehängten Gliedmaßen der Gevierteilten; aber die Köpfe, die oft auf den Spitzen der Stadttore aufgesteckt waren, die blieben meist, bis die Schädel vermorschten und von selbst herabfielen.

*) Eine solche Grenzsäule steht noch bei Rain in der Nähe von Donauwörth. Die Schrift lautet: hie dass pairland 1439— Lotz, Kunsttopogr. II. 397.
**) Als 1424 die Reichskleinodien nach Nürnberg gebracht wurden, „man tet die tieb dem galgen". Endres Tucher's Memorial.


Fig. 23 Schloss zu Meissen (Nach Gurlitt.)

Die Städte waren wohl ohne Ausnahme befestigt, gegen einen Angriff mehr oder weniger geschützt. Selbst die Dörfer umgab man mit einem festen Zaun, der aus eingerammten Pfählen und dazwischen verflochtenen Zweigen bestand und nur bestimmte Tore zum Ein- und Ausgang hatte. Konnte ein solcher Zaun auch nicht auf die Dauer den Feind abhalten, so gewährte er den Bewohnern doch Zeit sich vorzubereiten, sich zum Widerstand zu rüsten oder zu sammeln, oder ihre beste Habe an eine feste Stelle, etwa in die Kirche zu retten, die bei einer Feuersbrunst ihres steinernen Gemäuers wegen die sicherste Zuflucht bot. In Gegenden, die feindlichen Überfällen am meisten ausgesetzt waren, wie in Siebenbürgen, wandelte man die Kirchen oft geradezu in Festungen um, versah sie mit Zinnen und Schießscharten und konnte in ihnen einem vorübergehenden Angriff wohl trotzbieten. Ja selbst die Kirchhöfe wurden hie und da befestigt, mit Gräben und Steinmauern umgeben und mit vorspringenden Türmen versehen: einen solchen Friedhof habe ich noch in der Nähe Breslaus in dem Dorfe Rothsürben selbst angetroffen. Einer regelrechten Belagerung durch Wurfmaschinen oder später durch Geschütze konnte freilich eine solche Befestigung nicht widerstehen; die war aber auch bei einem unbedeutenden Dorfe kaum zu befürchten.

Auch die Städte waren in der Regel mit einem Zaun als erster Verteidigungslinie umgeben (Fig. 24); hinter demselben kam dann erst der tiefe Festungsgraben, und jenseits desselben erhoben sich die Mauern, bald in einem Ringe die ganze Stadt umschließend, bald doppelt, hinter der ersten Mauer noch eine zweite, ebenfalls und wenn möglich noch festere Ringmauer aufweisend.

Die meisten deutschen Städte waren noch am Ende des XV. Jahrhunderts nach alter Art befestigt, d. h. man hatte der neuen Taktik der Feuerwaffen in den seltensten Fällen Rechnung getragen. Dies geschieht erst mehr im XVI. Jahrhundert, nachdem die Feldzüge Kaiser Maximilians die zerstörende Wirkung des Belagerungsgeschützes auch an größeren Städten erwiesen hatten. So sehen wir also einen Mauerring, der in Bogenschussweite von bald runden, bald viereckigen Türmen verstärkt wurde (Fig. 25 und 26). Diese Mauertürme wurden in Friedenszeiten vermietet oder an arme Bürger als Wohnungen abgegeben. Auf Schönheit hatten die Festungsbaumeister auch hier selten Rücksicht genommen, nur die Torbauten waren zuweilen mit größerer Zierlichkeit durchgeführt, seltener in den Ländern, in denen die Schnittsteinarchitektur vorherrscht (Fig. 27 und 28), häufiger in den Gegenden, die auf den Backsteinbau angewiesen waren. *) Es ist aber nicht so leicht, diese Frage bestimmt zu entscheiden, da im Süden und Westen Deutschlands die Torbauten oft den neuen Fortifikationsbedürfnissen entsprechend umgebaut, später wieder, als die Städte aufhörten, feste Plätze zu sein, abgebrochen wurden, im Osten und Norden dagegen die wenigen Reste mittelalterlicher Baukunst durchschnittlich besser konserviert wurden. Interessant erscheint das Spahlentor zu Basel, das von zwei Türmen flankiert wird; malerisch nicht uninteressant ist auch das Rheintor zu Andernach. Geschmackvoll sind die Backsteintorbauten Norddeutschlands, zum großen Teil aus Formziegeln aufgebaut, welche durch Glasur eine verschiedene Farbe, grün, schwarz, weiß, erhalten haben. Die bekanntesten Denkmäler dieser Art sind die Tortürme von Stendal, das Tangermünder, wie das Uenglinger Tor (Fig. 29), das Stargarder Tor in Neubrandenburg, das Pyritzer Tor in Stargard, der Torturm von Pasewalk. Weniger fein gegliedert, aber durch seine gewaltige Backsteinmasse imposant ist das Holstentor in Lübeck, nach Detmar 1376, nach Hermann Corner 1377 erbaut. Das Tor selbst war nur vermittelst der Zugbrücke zugänglich; wurde dieselbe aufgezogen, so konnte niemand zum Eingang der Stadt gelangen. War nach einem Ausfall aus der belagerten Stadt die Mannschaft zurückgeschlagen und drohte der Feind zugleich mit der fliehenden Besatzung in die Stadt zu dringen, so machte man von dem Fallgatter Gebrauch, das schon von der Römer Zeiten her seine Nützlichkeit erprobt hatte. Dieses eiserne oder aus starken Holzpfosten gezimmerte Gitter hing in einem Falz hinter dem ersten Torbogen, konnte mit Winden emporgehoben werden und fiel, sobald man die Riegel zurückschob, mit großer Gewalt herab, wodurch der Eingang geschlossen wurde. Selten ist es, dass das Tor noch durch ein besonderes Außenwerk gedeckt wird.

*) „Die Tore oder Ausgänge der Städte sind durch hohe Türme geschmückt, auf denen bei Tage Wächter die Ankunft von Reitern durch Trompetenstöße ankündigen, damit die, welche unten die Tore bewachen, aufmerksam werden und sie um so wirksamer beschützen." Joan. Boemus, Omnium gentium mores etc. Lugd. 1535, 204.

Fig. 24. Nürnberg. (Nach H. Schedel’s Chronik – 1493)
Fig. 25. Mauerturm in Andernach (Nach Mitteilungen der k. k. Zentral-Kommission)
Fig. 26. Mauerturm in Quedlinburg (Nach Mitteilungen der k. k. Zentral-Kommission)
Fig. 27. Pulverturm in Prag (nach der Restaurierung.)
Fig. 28. Das alte Nicolai-Tor zu Breslau. (Nach der Natur gezeichnet im Jahr 1810 von J. Rösel.)

Ein interessantes Beispiel einer solchen Torbefestigung ist noch in Krakau in dem Florianitor (1498) erhalten (Fig. 30); es ist das alte System der Barbacana, das schon im XII. Jahrhundert bei der Erbauung des Schlosses zu Carcassonne zur Anwendung gebracht worden war.

Wenn Gefahr drohte, rüstete man die Ringmauer noch mit hölzernen Schutzbauten aus, den Verteidigern zum Schirm, wie zur Erhöhung der Widerstandsfähigkeit.

Die Mehrzahl der deutschen Städte hat längst diesen unbequemen, bedrückenden Panzer abgelegt, und nur Bruchstücke der alten Fortifikationen sind uns erhalten, die uns einen Begriff davon geben, wie stattlich sich eine solche feste Stadt ehedem präsentierte (Fig. 31). Wir müssen hier zu Zeiler's Topographie unsere Zuflucht nehmen; da hat uns der alte Matthäus Merian in seinen Prospekten noch manch köstliches Architekturbild alter Zeit erhalten (Fig. 32, 33).

Nach unseren modernen Begriffen würde nun das Innere der Stadt wenig den Erwartungen entsprochen haben, die der herrliche Anblick in jedem erweckte, der sich der Stadt näherte. Die Reisenden damaliger Zeit waren aber weniger anspruchsvoll, und zufrieden Ruhe und Sicherheit für Leben und Habe in der Stadt zu finden. Die Straßen waren nämlich zum geringsten Teile gepflastert. Diesen Luxus, den die besseren italienischen Städte schon im XII. und XIII. Jahrhundert sich erlaubt hatten, fand man in Deutschland noch im XIV. sehr selten.

In Prag fing man schon 1331 an zu pflastern. 1379 pflasterte man den Marktplatz in Windberg (bei Strassburg). 1399 begann man mit der Pflasterung in Bern, in Regensburg um 1400, aber in der großen Reichsstadt Augsburg machte man erst 1416 damit einen Anfang und ließ sich noch dazu vom Kaiser Sigismund 1413, Oktober 9, einen Pflasterzoll, für einen Wagen 2 Den., für einen Karren 1 Den. bewilligen. Wie uns Burkhard Zink erzählt, sah es in Augsburg vor der Pflasterung schlimm genug aus: wenn man auch hölzerne Übergänge an einigen Stellen der Straßen angelegt und durch einen Damm längs den Häusern (die Fürschlächt) einen etwas trockneren Weg sich geschafft hatte, so floss doch alles Wasser mitten auf der Straße zusammen und macht diese nur um so grundloser. In Nürnberg hatte man schon 1368 die Straßen zu pflastern begonnen, aber früher muss es auch da übel bestellt gewesen sein, wie ein Brief zeigt, den der Bischof von Leitomischl, Johann von Neumarkt, Kanzler Karls IV., an seinen Metropoliten, den Erzbischof von Prag, schreibt: es heißt in diesem Briefe: „Die Stadt Nürnberg wird durch häufigen Regenfall ermüdet, denn durch tägliche überschwemmende Güsse wird sie begossen und mit einer solchen Nässe der himmlischen Wasser durchtränkt, dass man hier an eine ewige Sintflut glaubt und von dem nassen Boden eine solche Schmutzmasse anwächst, dass auf den Straßen die Reiter nicht mehr sicher fortkommen können, da der Reiter immer befürchten muss, dass entweder sein Pferd, aus Unvorsichtigkeit oder über einen Stein stolpernd, in die Schmutztiefe so unbedacht stürzt, dass es seinen Reiter, wer er auch sei und wie hochgestellt, wie ein Schwein mit dem Gestank des schmierigen Straßenkotes beschmutzt, oder wenn er durch die Gunst des Schicksals diesem Unfall entgeht, doch vorn und hinten und an den Seiten hier und da die Menge der ankommenden Pferde die Kleider, zumal eines reisenden Priesters, da sie der Ehrbarkeit wegen lang sind, so sehr durch die Berührung des widrigen Schmutzes befleckt werden, dass man von den entfernten Herbergen der Stadt zum kaiserlichen Schlosse nicht ohne merklichen Schaden gelangen kann, wie meines Herrn Bischofs Gnade selbst erproben wird, wenn diese Gefahren vor seinen leiblichen Augen stehen werden etc." 1406 wurde schon die Sandinsel in Breslau gepflastert. Wiens Pflaster rühmt Aeneas Sylvius. Im XV. Jahrhundert waren wohl die Hauptstraßen Nürnbergs gepflastert, aber es machte doch noch 1495 Aufsehen und wurde in eine Chronik eingetragen, dass man den ganzen Marktplatz neu pflasterte, nicht bloß die schadhaften Stellen reparierte. Aber in kleineren Städten wie in Landshut, da fing man erst 1494 an, bei den Predigern ein Pflaster anzulegen. Die Tuttlinger warnten den Kaiser Friedrich III., in ihre Stadt zu kommen, und als er es doch tat, versank sein Pferd bis an die Schenkel im Schmutze. Derselbe wäre noch 1485 am 28. August beinahe in der freien Reichsstadt Reutlingen samt seinem Pferde in dem grundlosen Schmutze der Straßen versunken. Nach Joan. Boëmus waren Anfang des XVI. Jahrhunderts die Straßen der deutschen Städte meist mit Kieselsteinen gepflastert. Wer sich nicht in den Schmutz hineinwagen wollte, musste sich, da in der Stadt Wagen nicht verkehrten, in der Sänfte tragen lassen (Fig. 34). — Telomonius schildert das Straßenpflaster von Braunschweig: „Die Straßen sind mit harten Kieseln gepflastert, widerstandsfähig gegen die Räder der Fuhrwerke, aber für die Fußgänger hart und lästig." „In stetten", so lesen wir in J. Agricola's Sprüchwörtern (Nr. 591), „seind gemeyniglich alle gassen mit steynen gepflastert, auff daz man dester sauberer gassen hab . . . . Also ist der steinweg heiss, da thewr zerung ist und geht vil auff: man verzert vil. Nürmberg ist ein heisser Steinweg, zu Braunschwig ist er nit also heiß, daz ist: zu Braunschweig ist leichter zeren denn zu Nürmberg."

Fig. 29. Stendal, Uenglinger-Tor.
Fig. 30. Florianitor in Krakau. (Nach Essenwein. - (Nach Mitteilungen der k. k. Zentral-Kommission)
Fig. 31. Aus den Randzeichnungen zu Kaiser Maximilians Gebetbuche. (München, Hof- und Staatsbibliothek.)
Fig. 32. Landshut. (Nach M. Merian in Zeiler’s Topographie)
Fig. 33. Simmern. (Nach M. Merian in Zeiler’s Topographie)
Fig. 34. Sänfte (Holzschnitt nach Hans Burgkmair in Petrarca’s, Trost im Unglück.)

Waren die Straßen bei Regen ein grundloser Morast, so verursachten sie bei trockener Witterung wieder unerträglichen Staub. Mit der Sauberkeit der Straßen war es überhaupt schlimm genug bestellt. Die Bürger hielten noch Schweine, und wenn die Zahl derselben, die ein Becker oder Pfragner halten durfte, in Nürnberg auch auf zehn beschränkt wurde, so mag diese Staffage nicht gerade zur Sauberkeit beigetragen haben. Nürnberg ist eine der bestverwalteten Städte Deutschlands, und so rühmt denn ein Lobgedicht von 1490, V. 398: „Auch ist ein knecht darzu bestelt, Der alle tag mit der butten get, Ob yemand hingeworffen het Todte sew, hund oder katzen, Schelmig (i. e. pestiferus, faulig) hüner oder ratzen; Wa er die vindt, er nymbts enbor, Tregtz in der putten für das thor. Dadurch die gasz gesewbert würt." Man warf also alles auf die Straße, und ein einziger Knecht schaffte den Unrat vor das Tor, wo dieser sich selbst überlassen blieb. In manchen Städten, z. B. in Krakau hatte man allerdings schon früh strenge Gesetze gegen Unsauberkeit erlassen. 1373 (fer. 4 a. Martini — Nov. 9) wird beschlossen: „Ein iderman, an welchem teile und ende einer itczlichen gassen her gesessen sey, von zeinem hauße anczuheben und als vil ys ym noch der breite zeines erbes ader lenge geboret bis yn dy helffte des gerynnes vor zeinem hausze schewffeln und nach der stad gewohnheit reinhalden." Dann: „Wer ymandes begewst aws einem hawse, is sey bey tage ader nacht, der zal czwbusse ein schock geben" und ferner: „Nymandt zal allerleygestank noch bey tage noch bey nachte awsgissen off dy gassen noch aff den ringk und sunderlich dy beysse by einer margk bussen." Dann wird fol. 239 bestimmt: „Von dem kote der hewser dy an dem ringe gelegen sint. Gewilkort Sabbato in die s. Tiburcij 1492 (Aug. 11): Dy herrn Jungk und alt, anzehende der stad gros ungerecht und korcze, dy do geschit von den, dy am ringe wonen, dy ir kot und unlost tragen, schewfeln und stossen ober ire grenitzen, und dy stad mus ys awsfuren czw grossem beschwernisse, dorumb, ain sulches czw vormeiden, haben beschlossen furdan czw halden, das ein iderman. der am ringe wonet, zal alles kot awsfüren von zeinem hausze bisz an das gerynne, ys sey wy ferre zey, an alle awsrede, und zo erkeiner aws den hewsirn ettwas trüge ader schüttet auff der stad gemeinen kot, der zal ein schock busse geben." Der Verunreinigung des Stadtgrabens sollte das Gesetz wehren: „Wer do den kot röret yn der rynnen, zo ein grosser regen kompt. Awff das der stadgraben mit kote, der aws den flut rynnen get, nicht vorschleimt und vorsullet werden, zo ist eintrechtiglich beschlossen: wer do yn der czeit des regens ader dorvor und dornach zein kot röret und treibet den, (das) her wegk flissen zoldt. ys sey bey tage ader nachte, zo vorbusset her eyn firdungk, zo offte her gezehen wird ader erfunden." Das Mühldorfer Stadtrecht bestimmt: ,,Der mist sol nicht lenger auf dem marckht ligen denn 14 tag, dar nach lenger mit urlaub der purger und dez richter, pei 72 den."

Auf Geradheit der Straßenfluchten hat man kaum ein großes Gewicht gelegt. Bei den zahlreichen Städten, die in der zweiten Hälfte des XIII. Jahrhunderts in Schlesien, Böhmen, in Ostpreußen erbaut wurden, hat man allerdings einen gewissen Plan festgehalten; z. B. ist bei der Anlage von Breslau sofort auf drei große Plätze Bedacht genommen worden. Der große Hauptmarktplatz (Ring) wird in der Mitte durch eine Häusergruppe ausgefüllt: das Rathaus, wie verschiedene Kaufhäuser; er ist genau nach dem Kompass orientiert; in allen vier Ecken münden je zwei Straßen auf den Platz, die bis an die Stadtmauer schnurgerade fortgesetzt sind. Ein kleines schmales Gässchen trennt zwei gegenüberliegende Fronten des Ringes in zwei Hälften; in einer Ecke des Ringes stößt der Friedhof der Hauptkirche an, auf dem das Gotteshaus selbst steht. Während man, wie gesagt, im XIII. Jahrhundert planmäßig den Bebauungsplan entwarf, hat man schon im folgenden Jahrhundert darauf verzichtet. Die Erweiterung Breslaus unter Karl IV. ist meist derartig durchgeführt, dass die bis an die alten Tore geraden Straßen der Altstadt nun in der Neustadt schief und krumm sich fortsetzen. Bei der Erbauung der Neustadt in Prag sind gewaltig große Plätze abgesteckt worden, aber doch nur ein kleiner Teil der Straßen ist so geführt, dass er geradeaus läuft und die Quergassen rechtwinkelig schneidet.

In den alten Städten gehören längere, gerade Straßen zu den Seltenheiten. Es trägt dies jedenfalls sehr viel dazu bei, den malerischen Charakter der Straßenbilder zu steigern. Die Straßen sind meist eng und schmal: in einer von Mauern umgebenen Stadt durfte man mit dem Raume nicht zu verschwenderisch umgehen. Benannt waren sie immer. Meist führten sie ihren Namen von den Handwerkern, die in ihnen gerade ihre Werkstätten und Wohnungen hatten. So finden wir Malergassen, Schmiedegassen u. s. w. Eine Nummerierung der Häuser dagegen ist während des Mittelalters gänzlich unbekannt; es genügte damals, die Straße und die Besitzer der beiden Nachbarhäuser oder des gegenüber gelegenen Gebäudes zu nennen, dann fand man das gesuchte Haus sicher ohne Mühe.

Von einer Beleuchtung der Straßen war nicht die Rede. Wer bis zum Dunkelwerden nicht in seinem Hause war, ließ sich von Dienstleuten mit einer Laterne, mit Fackeln oder Windlichtern auf dem Heimwege leuchten (Fig. 35). Doch wenn hohe Gäste eine Stadt besuchten, dann zündete man wohl Laternen vor den Häusern an; aber das geschah immer nur ausnahmsweise. Für gewöhnlich war es des Abends ganz finster, sobald nicht der Mond die Kosten der Beleuchtung trug. Nur wenn Feuer in der Nacht ausbrach, wurden an den Eckhäusern der Straßen Laternen ausgehängt. „So hat ein erberger ratt (von Nürnberg) im nechsten krieg furgenomen und bevalhe zu geben in die hernach geschriben eckhäuser groß latern, die man auß hencken solt und liecht darein stecken, wenn fewer außkem oder sust bei der nacht geleuft wird, auch hat man an vill eckheusern, dovor nit eisen gewest sein, eisen von der stat wegen machen lassen; darzu hat man ettwan vill leuchten machen lassen, die man auch auß geben wolt in ettlich eckhäuser, das aber noch bißher nit gescheen ist, sunder sie sein noch auf der Peunt (dem Bauhofe) vorhanden etc.".

Fig. 35. Lucas von Leyden, Heimgang bei Fackellicht.

Ein Nachtwächter war in den meisten Städten wohl bestellt. In Chemnitz wird 1488 Montag nach Invocavit (Februar 24) beschlossen: „Auf den selbigen tag ist von zweyen siczenden rethen irkant und im besten vorgenomen, dass dy zcircklerer furder hyn alle nacht uff allenn creuczen der gassen sullen schreyen, wy vil der seiger hat geschlagen, auch eyn yczlicher sein fewer sol bewaren, und sullen angehen auff dy wach: im somer umb zechene, anzcuhebin Walpurgen bis uff Michael (1. Mai bis 29. September); im winter sullen sy angehen umb sibene und abegehen umb funffe; im somer abzcugehen umb dreye." Um dem guten Bürger die Nachtruhe zu sichern, war in Nürnberg 1480 Gesetz, „das ieder des nachts sein hunt einsperret, (das er) kein peilen auf der gassen tet". Aber mehr Störung als die Hunde verursachten die Herumtreiber und besonders die Anbeter schöner Mädchen und Frauen, die diesen des Nachts Serenaden brachten.

Fasste man die Unfugstifter ab, so wurden sie allerdings sehr streng bestraft. 1446 am 13. Februar hatten fünf Gesellen zu Augsburg, zwei Panzermacher, ein Maurer, ein Weber und ein Wollkrämpler, in der Nacht Lärm gemacht und einige Leute verwundet; dafür sollten allen die Augen ausgestochen werden. Der Maurer wurde in der Tat geblendet, der Weber mit Ruthen ausgestrichen. In Breslau wurden 1460 die, welche mit Schilden, Armbrüsten und anderen Waffen nachts in der Stadt herumgelaufen waren, zu einer Busse von einem Ofen Ziegel verurteilt. 1478 zahlten „die viel des Nachts auf der Gasse herumgelaufen und die Stadtdiener geschmähet" fünf Mark Strafe; 1485 „Einer, der bei Nachtzeit herumgelaufen und mit einer Koglen sich verstellet hat'', büsst mit einem halben Schock Groschen; 1483 „die, welche Thüren bei Nachtzeit aufgeschlagen und, wie man spricht, einen Töpferwagen angezündet“, zahlen eine Mark Goldes. In Nürnberg werden 1496 am 5. August zwei Paternosterperlenmacher wegen nächtlichen Unfuges, und weil sie den Scharwächter geschlagen, zu je einer halben Stunde Pranger, ewiger Verweisung und Zahlung an den Beschädigten verurteilt. 1496 zahlt „der Nachts zu Breslau in der Olau gefischt und die Leute gescholten'', ein Schock Groschen; .“der bei Nacht herumgelaufen und einen in die Olau gejagt, darin er schier ertrunken", bekam Gefängnis und zahlte zehn Mark Busse; 1409 wird einer „der bei Nacht herumgelaufen, die Wagen umgestossen und sonst Unfug getrieben", mit Gefängnis und einem Schock Groschen gestraft. Fünf junge Bäckermeister haben 1502 am 26. Juli Straßenunfug getrieben, werden dafür ins Loch gesteckt, einer bald losgelassen, drei bekommen acht Tage bei Wasser und Brot und einer 12 Wochen und noch 800 Pfund Buße. Die Geldstrafe wird auf Fürbitten erlassen und ihm noch drei Tage bei Wasser und Brot zudiktiert.

Der Marktplatz bildete gewissermaßen das Zentrum der ganzen Stadt. Wir besitzen noch eine Federzeichnung im Germanischen Museum zu Nürnberg, welche uns das Aussehen eines städtischen Marktplatzes gegen Ende des XV. Jahrhunderts vergegenwärtigt. Die Verkaufsstände der Fleischhacker, Wildpreter und Fischhändler sind in den Bilderhandschriften von Ulrich v. Richentals, Geschichte des Kostnitzer Konzils, dargestellt, sowohl in der Aulendorfer Handschrift, als in der Moskauer (S. Petersburg 1874. — Taf. 55, 56); auf Taf. 57 der letzteren Handschrift wird der Verkauf von Schnecken und Fröschen vorgeführt. Beide Werke bringen Abbildungen von den fahrbaren Oefen, deren sich die Pastetenbäcker in Konstanz bedienten.

Im Mittelpunkte der Stadt, auf oder in der Nähe des Marktplatzes, sind die vorzüglichsten öffentlichen Gebäude gelegen. Zu diesen sind zunächst die Kirchen zu zählen, die unter dem Patronate des Rates stehen, und die im XIV. und XV. Jahrhundert von den städtischen Behörden in jeder Weise geziert und verschönert werden. Die Stadt legte den größten Wert darauf, eine recht schöne Pfarrkirche zu besitzen, und so entstehen in jener Zeit Bauwerke, die in ihrer großartigen Anlage wohl mit den prächtigen Kathedralen früherer Jahrhunderte verglichen werden können.

Fig. 36. Münster zu Ulm in seiner früheren Gestalt. (Nach Pressel.)
Fig. 37. Münster zu Ulm nach seiner jetzigen Vollendung (Nach Pressel.)

Zu den bedeutendsten dieser Denkmäler dürfte das 1377 gegründete Münster von Ulm gehören, ein Bauwerk, im Verhältnis zu der geringen Größe der Stadt etwas zu groß in seinen Massen (Fig. 36). Der 1890 vollendete Turm, der höchste aller Kirchtürme Deutschlands und wohl Europas, hat eine Höhe von 160 Meter (Fig. 37). Es ist dem damaligen Zeitgeschmack entsprechend, dass die Städte ihren Stolz darein setzten, einen möglichst hohen Kirchturm zu besitzen. Der Turm des Münsters von Strassburg war 1439 vollendet worden, der des Stefansdomes zu Wien schon 1433. Beide erregten des Aeneas Sylvius Piccolomini höchste Bewunderung; von dem Strassburger Turm rühmt er, „mirabile caput inter nubila condit"; die Erwähnung des Stefansturmes veranlasst ihn, zu erzählen, dass die in Wien verweilenden Gesandten von Bosnien gemeint haben, der Turm koste mehr, als das ganze Königreich Bosnien wert sei. Auch in Bern wurde 1421 der Bau des großartigen Münsters von der Stadt begonnen; in Landshut in Bayern wurde die Pfarrkirche St. Martin seit 1392 mit dem 133 Meter hohen schlanken Turme erbaut. (S. Fig. 32.) Andere Pfarrkirchen, wie das Münster zu Freiburg i. Br., vergrößerte man im XIV. und XV. Jahrhundert durch einen erweiterten Chorbau. Die Kirchenväter (vitrici), aus den Ratsherren erwählt, sorgten für das Wohl der ihnen anvertrauten Bauten und förderten deren Ausschmückung, schon sich selbst zum Gedächtnisse, in jeder Weise. Mit ihnen wetteiferten die reichen Familien, die eigene Kapellen für sich erwarben und ihren Stolz darein setzten, dieselben so kunstreich als möglich auszustatten, aber auch die Zünfte und Brüderschaften, die für ihre Kapellen wiederum nach Kräften die Arbeiten der Künstler in Anspruch nahmen. Neben diesen städtischen Kirchen sind es besonders die Klöster der Bettelmönche, der Franziskaner, Dominikaner, Augustiner, die in jeder Weise von den Bürgern gefördert werden; ihre Klöster wie die der Karthäuser verdanken deshalb auch meist Bürgern ihre Stiftung, nicht Fürsten und Prälaten, deren Wohltaten in früheren Jahrhunderten hauptsächlich den Benediktinern und den verwandten Orden zugute gekommen waren.

Besonders trugen noch zur Verschönerung der Kirchen die Grabdenkmäler bei, welche die Angehörigen reicher Verstorbenen zu deren Gedächtnis stifteten. Es sei nur an das prächtige Monument für die Familien Schreyer und Landauer am Ostchore der S. Sebalduskirche zu Nürnberg erinnert, welches 1492 durch Adam Krafft mit den berühmten und bekannten Reliefdarstellungen ausgestattet wurde. Auch das Innere der Kirchen war mit wappengeschmückten Denkmälern und prächtigen Glasmalereien ausgestattet. In Braunschweig hatten die vornehmen Bürgersfrauen schon ihre eigenen Kirchenstühle.

Auf den Kirchhöfen, welche die Gotteshäuser umgaben, waren ursprünglich die Toten bestattet worden, man hatte aber diese Plätze auch für profane Zwecke zu verwenden gewusst. Die Statuten von Frankfurt a. M. bestimmen deshalb schon um die Mitte des XIV. Jahrhunderts: „Auch insal nymand keynen veylen kouff han uff keyner gewyheten stat nun uff keyme kirchoffe in der stat, alse wit und alse lang alse der kirchoff ist hindene und vorne etc."

Andere fromme Stiftungen wurden zum Andenken an glücklich vollbrachte Wallfahrten nach Jerusalem gemacht. So war es eine Zeit lang gegen Ende des XV. Jahrhunderts nicht ungewöhnlich, dass die Wallfahrer ein Abbild des heil. Grabes nach den in Jerusalem genommenen Massen erbauen ließen. Jörg Tetzel errichtete in dem neuen Spitalhofe auf der Insel Schütt zu Nürnberg 1439 eine heil. Grabeskapelle, Kurfürst Friedrich der Weise eine andere in Torgau, die jetzt zerstört ist. Die auf Veranlassung des Görlitzer Bürgermeisters Georg Emerich durch den Maurer Blasius Bohrer 1481 bis 1489 erbaute heil. Grabeskapelle ist noch in Görlitz erhalten.

Ein ähnliches Denkmal frommer Sinnesart stiftete der Nürnberger Ritter Martin Ketzel, der im Jahre 1468 im Gefolge des Herzogs Otto von Bayern die heiligen Stätten besucht hatte. In Jerusalem waren ihm besonders die Stationen des Kreuzweges aufgefallen, und er hatte vom Richthaus des Pilatus bis Golgatha die Entfernungen genau abgeschritten, in der Absicht, in Nürnberg ein Abbild des Kreuzweges und seiner Stationen errichten zu lassen. Bei der Rückreise verlor er die Maße, kehrte dann noch einmal 1472 mit Herzog Albrecht von Sachsen nach Jerusalem zurück, wo er die Maße wieder abschritt, um dann nach seiner Rückkunft von seinem Hause am Tiergärtner Tor nach dem Johanneskirchhof zu die berühmten Stationen durch Adam Krafft zu errichten, die auf dem Kirchhofe selbst in dem Calvarienberge ihren Abschluss erhielten.

Andere wohltätige und fromme Stiftungen werde ich noch bei Gelegenheit zu erwähnen haben. Hier sei nur an die vielen Krankenhäuser erinnert. Erhalten ist noch das Spital zu Cues an der Mosel, 1450 vom Kardinal Nicolaus de Cusa gegründet, und das heil. Geist-Spital zu Lübeck. Schon 1341 wurde das neue Spital zu Nürnberg gestiftet. Für die Aussätzigen baute man dann 1446 ein besonderes Sondersiechenhaus daselbst; in Frankfurt a. M. finden wir schon 1345 ein gleiches, in Bern wird „1491 ein nuew ussaetzethus gebuwen, des dan das alt vaeldsiechenhus zuo nach bi der stat was, hat man diss jar das nuew hinußgebuwen". Mit diesen Leproserien war gewöhnlich eine dem heil. Lazarus geweihte Kapelle verbunden. Ein wohlerhaltenes Aussätzigenspital, St. Achaz, findet sich nach Sighart noch in Wasserburg vor. Nach Stricker's oben erwähntem Aufsatz wurde in Frankfurt a. M. 1384 ein Stadtarzt bestellt, 1490 zwei; der erste Judenarzt wird 1388 erwähnt. In Breslau bestehen während des Mittelalters außer den Spitälern der Kreuzherren vom roten Stern und der Johanniter, außer dem Leprosenhause St. Lazarus für Männer vor dem Ohlauer Tore und dem für Frauen zu Elftausend Jungfrauen die städtischen Krankenhäuser zu Allerheiligen und zur heil. Dreifaltigkeit, drei Schülerspitäler, an der Sandbrücke, hinter St. Christophori und zu St. Hieronymus, und das Kinderspital zum heil. Grabe auf der Nicolaistraße.

Fig. 38. Der Arzt. Handzeichnung von A. Dürer. (Randzeichnung zum Gebetbuche Kaiser
Maximilians. — München.)
Fig. 39. Arzt. 1419. (Handschrift des Wilhelm von Orlenz. — Stuttgart, königl. Privatbibliothek.)

Ärzte (Fig. 38 und 39) waren in jeder Stadt anzutreffen, und auch Apotheken wurden bald errichtet. In Breslau besteht eine Apotheke schon in alter Zeit, 1421, auf dem Hühnermarkte, die 1484 auf die Albrechtsstraße verlegt wurde. Die erste Apothekerordnung in Frankfurt a. M. wurde 1491 veröffentlicht. Fürstliche Hofapotheker hatten sich eidlich zu verbinden, ihrer Obliegenheiten mit allem Fleiße zu warten. Der Eid, den 1460 ein Nürnberger Apotheker dem Markgrafen Albrecht Achilles schwor, ist noch erhalten. Die Einrichtung einer Apotheke können uns am besten die Holzschnitte vergegenwärtigen, mit denen das 1500 bei Grüninger in Strassburg erschienene Werk des Hieronymus Brunschwygk, das Buch der Vergiftkunst, ausgestattet ist (Fig. 40, 41, 42.). Andere Abbildungen nach Holzschnitten bringt der schon zitierte Aufsatz von H. Peters. Ein schöner bronzener Apotekermörser von 1506 ist in den Mitteilungen der k. k. Zentral-Kommission etc., N. F., 8 (1882), XL, abgebildet.

Eine andere Art wohltätiger Stiftung ist die Gründung von Versorgungsanstalten für Witwen und ältere Mädchen. Diese Convente gehören der dritten Regel des heil. Franciscus an: ihre Insassen werden Reglerinnen oder Beghinen genannt. Sie bekamen in den Häusern Wohnung und sonstige Unterstützung, mussten sich aber verpflichten, unweigerlich, sobald sie gerufen wurden, den Dienst als Krankenwärterinnen zu versehen. Für die Krankenpflege hatten sie Essen und Trinken zu beanspruchen; wenn sie dagegen Tag und Nacht beschäftigt waren, bekamen sie drei Groschen Lohn pro Tag, für die Woche zehn Groschen. So wurde es wenigstens in Breslau gehalten, wo im XV. Jahrhunderte 61 solcher Convente nachzuweisen sind, während im übrigen Deutschland die Beghinenhäuser großenteils schon beseitigt waren. (Fig. 43).

Auch für die armen Fremdlinge und Reisenden, die in Gasthäusern kein Unterkommen sich erkaufen konnten, trug man Sorge; eine elende (Fremden-)Herberge ist bereits 1360 zu Strassburg vorhanden.

So ist die werktätige Menschenliebe im Mittelalter recht wohl zum Ausdruck gekommen. Ein Denkmal solch praktischen Christentums haben sich die Fugger in Augsburg gesetzt, die 1519 die Fuggerei, eine kleine Stadt mit sechs Straßen, einer Kirche, 53 Häusern und 106 Wohnungen für arme Augsburger Bürger, erbauten, eine Stiftung, die, wie bekannt, noch heute besteht.

Eine ähnliche Versorgung für alte Ritter und ihre Frauen hatte schon Kaiser Ludwig der Bayer in Ettal gegründet.

Fig. 40. Apotheker. (Jeronimus Brunswik, Das Apothekerbuch der Vergift. — Strassburg, Grüninger, 1500)
Fig. 41. Apotheke. (Jeronimus Brunswik, Das Apothekerbuch der Vergift. — Strassburg, Grüninger, 1500)
Fig. 42. Inneres einer Apotheke. (Jeronimus Brunswik, Das Apothekerbuch der Vergift. — Strassburg, Grüninger, 1500)
Fig. 43. Beginenhaus in Brügge. (Nach „Le Tour du Monde“.)
Fig. 44. Rathaus zu Breslau, Rentstube. (Nach Lüdecke und Schultz.)

Ein Findelhaus wird in Frankfurt a. M. 1432 gestiftet. In Nürnberg bestanden deren zwei, denen das Gras, welches in den Gräben wuchs, zustand; nur im Hirschgraben, vom Frauentore bis zu St. Kathrein, hatten sie nicht zu mähen.
023 Schloss zu Meissen

023 Schloss zu Meissen

024 Nürnberg

024 Nürnberg

025 Mauerturm in Andernach

025 Mauerturm in Andernach

026 Mauerturm in Quedlinburg

026 Mauerturm in Quedlinburg

027 Pulverturm in Prag

027 Pulverturm in Prag

028 Das alte Nicolai-Tor zu Breslau

028 Das alte Nicolai-Tor zu Breslau

029 Stendal, Uenglinger-Tor

029 Stendal, Uenglinger-Tor

030 Florianitor in Krakau

030 Florianitor in Krakau

031 Aus den Randzeichnungen zu Kaiser Maximilians Gebetbuch

031 Aus den Randzeichnungen zu Kaiser Maximilians Gebetbuch

032 Landshut

032 Landshut

033 Simmern

033 Simmern

034 Sänfte

034 Sänfte

035 Lucas von Leyden, Heimgang bei Fackellicht

035 Lucas von Leyden, Heimgang bei Fackellicht

036 Münster zu Ulm in seiner früheren Gestalt

036 Münster zu Ulm in seiner früheren Gestalt

037 Münster zu Ulm nach seiner jetzigen Vollendung

037 Münster zu Ulm nach seiner jetzigen Vollendung

038 Der Arzt. Handzeichnung Dürers

038 Der Arzt. Handzeichnung Dürers

039 Arzt (1419)

039 Arzt (1419)

040 Apotheker (Jeronimus Brunswig, Das Apothekerbuch der Vergift. - 1500

040 Apotheker (Jeronimus Brunswig, Das Apothekerbuch der Vergift. - 1500

041 Apotheke (Jeronimus Brunswig, Das Apothekerbuch der Vergift. - 1500

041 Apotheke (Jeronimus Brunswig, Das Apothekerbuch der Vergift. - 1500

042 Inneres einer Apotheke (Jeronimus Brunswig, Das Apothekerbuch der Vergift. - 1500

042 Inneres einer Apotheke (Jeronimus Brunswig, Das Apothekerbuch der Vergift. - 1500

043 Beginenhaus in Brügge

043 Beginenhaus in Brügge

044 Rathaus zu Breslau, Rentstube

044 Rathaus zu Breslau, Rentstube

045 Der Markt in Braunschweig

045 Der Markt in Braunschweig

047 Der Römer in Frankfurt a. M.

047 Der Römer in Frankfurt a. M.

048 Stralsund, Die Nikolaikirche mit dem Rathaus

048 Stralsund, Die Nikolaikirche mit dem Rathaus

049 Rathaus zu Tangermünde

049 Rathaus zu Tangermünde

050 Rathaus zu Breslau

050 Rathaus zu Breslau

051 Gerard David, Das Urteil des Kambyses I

051 Gerard David, Das Urteil des Kambyses I

052 Gerard David, Das Urteil des Kambyses II

052 Gerard David, Das Urteil des Kambyses II

053 Dierik Bouts, Das Gottesgericht

053 Dierik Bouts, Das Gottesgericht

054 Gefängnis

054 Gefängnis

055 Der Stock (Layenspiegel. Augsburg 1512)

055 Der Stock (Layenspiegel. Augsburg 1512)

056 Folter (Layenspiegel. Augsburg 1512)

056 Folter (Layenspiegel. Augsburg 1512)

057 Enthauptung (1468)

057 Enthauptung (1468)

058 Schinden

058 Schinden

059 Galgen

059 Galgen

060 Verschiedene Strafen

060 Verschiedene Strafen

061 Die Wippe

061 Die Wippe

062 Beffroi zu Brügge

062 Beffroi zu Brügge

063 Der Markt zu Halle a. S.

063 Der Markt zu Halle a. S.

064 Roland zu Brandenburg a. d. Havel

064 Roland zu Brandenburg a. d. Havel

065 Pranger zu Schwäbisch-Hall

065 Pranger zu Schwäbisch-Hall

066 Staupsäule zu Breslau

066 Staupsäule zu Breslau

067 Ausstäupen

067 Ausstäupen

068 Der Lange Markt in Danzig mit dem Rathaus und Artushof

068 Der Lange Markt in Danzig mit dem Rathaus und Artushof

069 Grundriss des Kaufhauses zu Mainz

069 Grundriss des Kaufhauses zu Mainz

070 Ehemaliges Kaufhaus zu Mainz

070 Ehemaliges Kaufhaus zu Mainz

071 Ehemaliges Kaufhaus zu Mainz - Inneres

071 Ehemaliges Kaufhaus zu Mainz - Inneres

072 Tuchhalle zu Ypern

072 Tuchhalle zu Ypern

073 Ypern. Inneres der Tuchhalle

073 Ypern. Inneres der Tuchhalle

074 Prag, Altstädter Brückenturm

074 Prag, Altstädter Brückenturm

075 Hans Burgkmair, Trinkstube

075 Hans Burgkmair, Trinkstube

076 Hans Schäuffelein, Wirtshaus

076 Hans Schäuffelein, Wirtshaus