Des Teufels drei Federn.

Aus: Deutsche Märchen und Sagen
Autor: Wolf, Johann Wilhelm (1817-1855) Gesammelt mit Anmerkungen begleitet und herausgegeben, Erscheinungsjahr: 1845
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Märchen, Sagen
Vor viel hundert Jahren lebte einmal ein Mann und der hatte nur einen Sohn, den liebte er mehr denn die ganze Welt und der Sohn liebte ihn hinwieder. Es geschah aber, dass ein Räuber in das Land kam, der nahm den Vater mit seinen Sohn gefangen, schloss den Mann in schwere Ketten und sperrte ihn in einen tiefen unterirdischen Kerker, den Jungen aber ließ er frei herumlaufen. Der klagte nun Tag und Nacht, wollte immer zu seinem Vater und weinte und bat den Räuber, er möge ihm doch seinen Vater wiedergeben. Da sprach der Räuber endlich: „Nun ja, das will ich tun, aber zuvor musst du mir die drei Federn von des Teufels Kopf bringen." Der Teufel wohnte nämlich in einem Schloss weit, weit über der See, jedes Jahr wuchsen ihm drei neue Federn auf dem Kopf und die drei alten Federn fielen ihm aus. Es war aber nicht leicht, zu ihm zu kommen, da musste ein besonderes Glück im Spiel sein, denn man konnte nur an drei bestimmten Tagen in der Woche über die See kommen; die Tage waren jedoch nicht bekannt. Wer nun gerade an einem von den Tagen an das Gestade kam, der wurde übergefahren, wer aber an einem andern Tage dahin kam, der wurde in See geschmissen. Der Junge ging auf gut Glück zu und als er an die See kam, hielt ein Schiff am Ufer, da stieg er hinein und fuhr und fuhr drei Tage lang, da hielt das Schiff an einem Schloss an. Er stieg heraus und ging auf das Schloss zu, da kam ihm eine Frau entgegen, das war des Teufels Haushälterin, die frug ihn, was er wollte: „Ach”, sprach er, „ich hätte gern des Teufels drei Federn; wenn ich die dem Räuber gäbe, dann kriegte ich meinen Vater wieder." Die Haushälterin hatte Mitleid mit dem Zum gen, weil er die weite Reise seinem Vater zu Liebe gemacht hatte, und sie nahm ihn mit sich in das Schloss und wies ihm ein Kämmerchen unter der Erde, sprach, dass er da fünf Tage bleiben solle, bis sie ihn ruft, gab ihm auch gut Essen und Trinken, soviel ihn gelüstete. Unterweilen kam der Teufel nach Haus und legte seinen Kopf auf den Schos der Haushälterin und schlief ein; da zog sie ihm schnell die drei Federn aus und es wuchsen ihm drei neue; die alten steckte sie in die Tasche, und als der Teufel aufgestanden war, gab sie dieselben dem Jungen. Der war, einmal froh! Er lief auch, ohne an Essen und Trinken weiter zu denken, aus dem Kämmerchen und nach der See zu; ja, aber da begegnete ihm unterwegs der Teufel und frug ihn: „Was hast du in meinem Schloss getan?" Der Junge ließ sich nicht bang machen und sprach: ,,Ich habe Butter und Käse gebracht und komme aus der Küche."

„Dann geh nur”, sprach der Teufel und der Junge lief, was er konnte, an das Gestade und sprang schnell in das Schiff, welches auch alsbald mit ihm auf dem Wasser dahinflog; doch nicht für lang, denn der arme Junge hatte just einen von den unglücklichen Tagen getroffen, und als er mitten in der See war, da schlug das Schiff um und er fiel ins Wasser. Da schwamm er den ganzen Tag und die ganze Nacht und konnte nicht ans Land kommen. Endlich sah er des Morgens ganz fern ein schwarzes Pünktchen und als er darauf zu schwamm, war es ein Schiff; aber da hatte er wieder Unglück, denn das Schiff gehörte einem Seeräuber und der verkaufte ihn einem reichen Herrn, bei dem er zwei ganze Jahre als Sklave dienen musste. Weil er aber so brav war und alles so gern tat, was sein Herr ihm befahl, schenkte der ihm endlich die Freiheit und da ging er hin und ging so lang, bis er an das Schloss des Räubers kam. Dem gab er des Teufels drei Federn und der gab ihm seinen Vater wieder. Was das für eine Freude war, kann man sich wohl denken.

Er lebte nun ruhig und vergnügt mit seinem Vater viele Jahre lang. Da kam eines Tages der Teufel zu ihm und sprach: „Du hast meine drei Federn geholt, wo sind die?" Der Junge sprach: „Die habe ich dem Räuber gegeben und der hat mir dafür meinen Vater zurückgegeben." Da lief der Teufel zu dem Räuber und zerhackte den in ganz kleine Stücke, dem Jungen gab er aber so viel Geld, dass er so reich war wie der allerreichste König.

.

.

.