Der vom Blitz erschlagene gottlose Statthalter.

Aus: Mecklenburgs Volkssagen. Band 4
Autor: Gesammelt und herausgegeben von M. Dr. A. Niederhöffer, Erscheinungsjahr: 1862
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Sage, Volkssage, Blitz und Donner, Unwetter, Gewitter
„Hinaus mit Euch aus dem Stalle, verfluchte, faule Bengel! Der Teufel soll dem von Euch gleich das Hirn einschlagen, der nicht sofort ins Feld zum Haken zieht!"

So rief einst auf einem mecklenburgischen Edelhofe — der Name war meinem alten Gewährsmann entfallen — der gottlose Statthalter den Knechten zu, als sie nach Mittagszeit mit ihren aufgeschirrten Pferden noch immer zögernd im Stalle standen, denn es hatte sich ein furchtbares Gewitter über ihren Häuptern zusammengezogen, das jeden Augenblick loszubrechen drohte.

Auf der Knechte Gegenrede, dass man sie jetzt doch unmöglich mit ihren armen Tieren hinausjagen könne, es sei ja fast schon dunkle Nacht und das Wetter werde heute gewiss entsetzlich werden etc., wurde der Statthalter nur noch wütender und schrie sie sollten sogleich gehorchen und sich auf's Feld scheren, er werde sie sonst alle aus dem Dienste jagen; denn, setzte er frevelnd hinzu als es eben gerade über ihnen gewaltig zu donnern begann, solche „Bangenbüxen"*) könne der gnädige Herr nicht gebrauchen, die sich schon fürchteten, wenn der Alte da Oben einmal Einfälle kriege Kegel zu spielen und seine Kugeln rollen zu lassen.

*) Soviel als: übertrieben ängstliche Menschen; wörtlich: Angsthosen.

Kaum waren jedoch diese schändlichen Redensarten über seine Lippen, als sich auch schon der Himmel öffnete, ein zischender Blitz mit entsetzlichem Donnerknalle herniederfuhr und des Gotteslästerer Schädel spaltete, dass er augenblicklich tot zu Boden stürzte.
Arbeitspause für Mensch und Tier

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Mittagspause im Pferdestall

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