Der spukende Trommelschläger in dem unterirdischen Gange zwischen der Festung Dömitz und der hannoverschen Stadt Danneberg.

Aus: Mecklenburgs Volkssagen. Band 3
Autor: Von G. F. C. Neumann zu Röbel, Erscheinungsjahr: 1860
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Festung Dömitz, Danneberg, Herzog Karl Leopold, Trommel, Trommelschläger,
Etwa zwei Meilen von Dömitz, jenseits der Elbe, liegt das hannoversche Städtchen Danneberg, der Hauptort einer alten Grafschaft, die 1303 durch Kauf an Lüneburg kam.*) Zur Zeit nun, als den Grafen von Danneberg auch Dömitz gehörte, waren beide Festungen durch einen unterirdischen Gang, unter der Elbe hindurch, mit einander verbunden, dessen Zweck wohl war, der Besatzung Hilfstruppen und Lebensmittel zuzuführen, wenn einmal die eine oder die andere Festung hartnäckig und lange belagert werden sollte.

Nur Wenige haben sich später durch diesen Gang begeben. Gewöhnlich war die Luft in demselben dumpf und unerträglich, und man sah sich alsbald genötigt, den Rückweg anzutreten.

Der letzte Wanderer dieses Weges war ein Trommelschläger der Dömitzer Besatzung — zur Zeit als Herzog Carl Leopold**) dort residierte — der wegen eines Vergehens gegen seinen Vorgesetzten in einen dumpfen Kerker geworfen wurde. Es gelang ihm, aus demselben zu entkommen; aber kaum war er am jenseitigen Ufer der Elbe angekommen, da packten ihn auch schon seine Verfolger. Er wurde zurückgebracht, in ein noch festeres Gewahrsam geworfen und endlich verurteilt, sich, zur Strafe für sein Entlaufen, trommelnd durch den unterirdischen Gang nach Danneberg zu begeben. Wohl bat er flehentlich, ihm doch diesen Gang zu erlassen, aber vergebens.

*) Der diesseits der Elbe gelegene Teil der ehemaligen Grafschaft Danneberg, wozu auch Stadt und Festung Dömitz gehörten, kam aber später, 65 Jahre nach dem Aussterben der Grafen von Danneberg, mit Ausnahme des jetzigen hannoverschen Amtes Neuhaus, im Jahre 1372 an Mecklenburg.
**) Siehe Anmerkung Seite 193 zweiten Bandes. Der Herausg.


Zur festgesetzten Stunde trat der Trommelschläger im vollen Paradeanzuge, der auch zugleich sein Totengewand werden sollte, den Marsch an. Wacker schritt er vorwärts, so
dass seine Freunde, die ihn zu Kahn auf der Elbe und dann zu Fuß auf der Oberfläche der Erde begleiteten, kaum so schnell dem dumpfen Klange der Trommel folgen konnten.
Bald war die Hälfte des Weges zurückgelegt. Immer weiter ging es, man war nur noch eine halbe Stunde von Danneberg entfernt. Aber ach! als man den Soldaten schon für gerettet hielt und vor Freude jauchzte, da hielt er plötzlich zu trommeln inne und wurde nicht wieder gehört.

In Danneberg, wo es inzwischen bekannt geworden war, dass der Trommelschläger der Stadt schon auf eine halbe Stunde nahe sei, war Alles auf den Beinen, um ihn zu empfangen, aber er kam nicht. Es wurde Abend, es wurde Mitternacht, und noch immer kam er nicht; er ist auch nie angekommen.

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Nach einer andern Sage hat der Trommelschläger Depeschen nach Danneberg bringen sollen. Man hat ihn noch bis eine halbe Stunde vor dem Orte trommeln hören, aber angekommen ist er dort nicht.

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Nach dieser Zeit hat Niemand wieder diesen unterirdischen Gang zu betreten gewagt; der Trommelschläger ist der Letzte gewesen. Sein Geist soll noch heute in dem Gange herumwandeln und will man ihn zuweilen auch noch dort unten trommeln hören.

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