Der spukende Küchenmeister Kophamel zu Dargun

Aus: Mecklenburgs Volkssagen. Band 4
Autor: Von C. Struck zu Dargun, Erscheinungsjahr: 1862
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Sage, Volkssage, Dargun, Küchenmeister, Kloster
Vor etlichen hundert Jahren sah es in Dargun anders aus, als jetzt. An der Stelle des heutigen Schlosses stand das alte Kloster, von dem nur noch wenig Mauerwerk und vielleicht die östliche Seite mit den drei Türmen übrig ist.

Zu der Zeit nun, als das Kloster so recht in Blüte stand, lebte der Küchenmeister Kophamel, der nicht bloß die Küche und Speisekammer der Mönche beaufsichtigte, sondern auch die Küchengüter des Klosters, die bedeutend waren, überwachen musste. Er war aber ein rechter Nimmersatt und Manches, was dem Kloster zu gut kommen sollte, wanderte in seine Tasche. Dazu plagte und zwickte er das Küchenpersonal so viel und so oft er konnte, und weder Koch noch Küchenjunge waren sicher vor seinem Schabernack. Was Wunder daher, wenn ihm Keiner hold und zugetan war. Solch Wesen trieb er bis zu seinem Tode.

Hatte er aber in seinem Leben keine Ruhe wegen seines Geizes gehabt, so sollte er sie auch im Tode nicht finden. Sein Geist durchpolterte die Räume des Klosters zur Nachtzeit. Mit gräulichem Spektakel warf er oft die Kessel vom Bord herunter, zerbrach die Gerätschaften der Vorratskammer, drehte den Hahn der Bierfässer im Keller auf und ängstigte bald diesen, bald jenen Klosterbruder. Da wurde denn sein Sarg wieder aus der Gruft herausgeholt. Als man selbigen aufmachte, lag der Tote mit offenen Augen und aufgesperrtem Munde darin; also zeigte es sich klar, der Tod war für ihn kein sanfter Schlaf geworden.

Drei Tage stand die Leiche des Küchenmeisters zur Schau, eh' man wusste, was nun angefangen werden sollte. Endlich fassten aber die Mönche den Beschluss, den Sarg fortzuschaffen über die Grenzen des Klosters, damit sie ferner nicht mehr vom Geiste Kophamels behelligt würden. Vor der Wegschaffung aber stopfte ein loser Küchenjunge den Mund der Leiche voll, mit den Worten: „He hett in sienen Läben denn Rachen nich full noog kriegen künnt, he sall em nu in'n Dod full hebben"*).

*) "Er hat in seinem Leben den Rachen nicht voll genug bekommen können, er soll ihn nun im Tode voll haben."

Im „Iserborn" ist ein kleiner Hügel, umgeben von einem Graben, der als die Stelle bezeichnet wird, wo Kophamel ruht. Ist nun auch das Kloster von dem Spuk befreit worden, so hat es hier doch ferner sein Wesen getrieben und treibt's noch bis zur Stunde. Das wissen gar wohl die Kinder, denn die Erdbeeren, die auf dem Hügel wachsen, bleiben unberührt; es wissen aber auch die Arbeiter, denn sie meiden den Ort selbst am Tage. Müssen sie ihn aber dennoch einmal am Abend oder gar des Nachts passieren, so schreiten sie unwillkürlich länger aus, weil mit einem Ruhelosen Niemand was zu schaffen haben mag.
Dargun um 1800.

Dargun um 1800.