Der sogenannte Totschlag auf der Mildenitzer Grenze bei Waldegk

Aus: Mecklenburgs Volkssagen. Band 4
Autor: Gesammelt und herausgegeben von M. Dr. A. Niederhöffer, Erscheinungsjahr: 1862
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Sage, Volkssage, Waldegk, Pfarracker, Mildenitz, Raubmörder,
Dort, wo auf der Mildenitzer Feldmark beim Pfarracker, nahe an der alten Landstraße nach Waldegk — unfern der jetzigen Chaussee — ein großer Dornbusch steht, ist der sogenannte Totschlag, wo's immer nicht recht geheuer ist und öfter spuken soll.

Während Einige sagen, dieser Ort habe seinen Namen davon, weil hier einst Jemand seinen leiblichen Bruder aus, unbekannter Ursache erschlagen hätte, und dass eben von dieser schrecklichen Tat das Spuken am Dornbusch herkomme; befreiten dies wieder Andere und behaupten, der Name und das Spuken stamme von einem ganz andern dort vor Alters vollführten Morde her.

Nach dieser zweiten Erzählungweise war nämlich einst ein reisender Handwerksbursche, ein Nagelschmiedgeselle von Profession, in dem Kruge zu Mildenitz eingekehrt. Hier zog derselbe nun mit prahlender Miene einen straffen Beutel aus der Tasche hervor, so dass alle Anwesenden nicht anders glaubten, als der Beutel sei voll schierem Gelde.

Als der Handwerksbursche hierauf seinen Weg nach Woldegk fortsetzte, schlichen einige rüde Kerle, welche auch gerade in der Schenkstube gewesen waren, als er dort seinen Beutel hervorgeholt, ihm nach, überfielen ihn beim Dornbusche an der Mildenitzer Grenze und erschlugen ihn allda.

Als aber die gierigen Raubmörder jetzt den vollen Beutel öffneten, fanden sie ihn, statt des erwarteten Geldes, mit weiter nichts als lauter kleinen Nägeln angefüllt.

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