Der redende Säugling

Aus: Mecklenburgs Volkssagen. Band 4
Autor: Von Fried. Latendorf aus Neu-Strelitz, Erscheinungsjahr: 1862
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Sage, Volkssage, Zwingburg, Stargard
Um Schlösser und Türme fest zu bauen und gegen Sturm, Wetter und Kriegsgefahr zu schützen, herrschte vor Alters der grausame Brauch, Säuglinge in dem Fundament mit einzumauern, die man um schweres Geld ihren Müttern abgekauft.

So sollte auch einst eine solche Zwingburg im Stargardschen erbaut werden; ein Säugling ist schon erhandelt. Da reden die Maurer, die zu dem Bau bestimmt sind, ehe sie Hand an das grausame Werk legen, noch untereinander: „Wat is woll söter as Muttatitt?"*)

Und aus dem Munde des Säuglings erschallt ihnen die Antwort: „Die Gnade Gottes!"

*) „Was ist wohl süßer als Mutterbrust?"

Bestürzt legen die Arbeiter ihr Gerät fort und weigern sich weiter an dem ruchlosen Bau fortzufahren. Die Burg blieb unvollendet.

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