Der erlöste Geist in der Leussower Horst bei Mirow

Aus: Mecklenburgs Volkssagen. Band 4
Autor: Von Friedr. Latendorf aus Neu-Strelitz, Erscheinungsjahr: 1862

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Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Sage, Volkssage, Mirow, Leussower Horst, Wesenberg, Userin,
Ein alter Dienstknecht des Präpositus Giesebrecht in Mirow, dessen Sohn jetzt auch schon im vorgerückten Alter dieselbe Stelle bekleidet, sein Knecht also, Heinrich Daedelow aus Wesenberg, pflegte häufig ein Abenteuer zu erzählen, das ihm mit seinem Herrn begegnet sei und das Zeitlebens eine bleibende Erinnerung bei ihm zurückgelassen. Meine Verwandten in Userin haben öfter von dieser Geschichte ihre Kinder unterhalten.

Der Pastor ließ also seinen Knecht mitten in der Nacht zur Leussower Forst hinausfahren, an einer bestimmten Stelle Halt machen; dort solle er bleiben, was er auch sehen und hören möge, denn Niemand habe Gewalt über ihn. Der Pastor aber ging weiter in das Dickicht, und bald ließ sich ein lautes Wimmern und Gestöhn vernehmen, dass dem Knecht vor Angst die Haare zu Berge standen.

Schweigend kehrte der Geistliche zurück, und erst als sie eine lange Strecke wieder nach Mirow zu gefahren waren, bedeutete er den Knecht, dass sie nun noch zweimal denselben Weg zu machen hätten. Er solle aber nur ruhig bleiben wie zuvor.

Das geschah denn auch. Bei dem dritten Male aber wollte der Knecht vor Angst fast vergehen bei all dem Geschrei und Gestöhn; und der Pastor selbst kam bleich und matt zum Wagen zurück.

Erst kurz vor Mirow eröffnete er seinem treuen Diener, dass er nun mit Gottes Hilfe den Geist, der in der Forst sein Wesen getrieben, erlöst habe.

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