Der durch einen Unterirdischen oder Mönken beschenkte Arbeitsmann von Kritzmow bei Rostock.

Aus: Mecklenburgs Volkssagen. Band 4
Autor: Von J. G. C. Ritter zu Friedrichshöhe, Erscheinungsjahr: 1862
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Sage, Volkssage, Rostock, Kritzmow
Ein im Dorfe Kritzmow wohnender Tagelöhner, welcher fast das ganze Jahr Arbeit in Rostock fand, pflegte den Weg dahin immer sehr früh des Morgens zu machen, um zu rechter Zeit an die Arbeit gehen zu können.

Als er nun eines Tages in der Morgendämmerung sich noch nicht sehr weit von seinem Dorfe entfernt hatte, gesellte sich zu ihm ein kleines Männchen, ein sogenannter Unterirdischer oder Mönk, und erkundigte sich, weshalb er schon so früh ausgegangen sei.

Der Tagelöhner erwiderte, er sei sehr arm und müsse deshalb zeitig in Rostock eintreffen, um seine Arbeit und seinen Tagelohn nicht zu verlieren; er kehre darum auch Abends immer erst spät nach Hause zurück.

Das Männchen lobte seinen Fleiß und Eifer; gab ihm auch beim Abschiede den Rat, er solle heute Abend auf dem Heimwege das Erste, was er finden würde, mit nach Hause nehmen.

Der Tagelöhner, welcher in diesem Männchen einen der wohltätigen Zwerge erkannt hatte und wusste, dass man sich auf ihr Wort verlassen könne, behielt diese Worte in seinem Herzen, und während der Arbeitszeit sehnte er sich wie noch nie nach dem Heimwege am Abend.

Endlich kam die Stunde und aufmerksam sah er vor sich und um sich auf dem Wege, der ihn nach seinem Dorfe führte, um nicht des Verheißenen durch Unachtsamkeit verlustig zu gehen. Aber er hatte schon über die Hälfte des Weges zurückgelegt und noch immer nichts gefunden.

Schon hielt er sich für gefoppt und erinnerte sich einzelner Vorfälle, in welchen diese Zwerge nur ihren Mutwillen mit den Menschen getrieben haben sollten, als er seitwärts in einem Graben ein totes Pferd liegen sah. Nun glaubte er erst sicher, dass er geneckt sei und ging unmutig weiter, denn, sprach er bei sich selber: „Wie kann ich ein totes Pferd mit mir nach Hause schleppen?"

Doch bald besann er sich. "Kann ich auch das ganze Pferd nicht mitnehmen, so kann ich doch einige Stücke davon in meinen Brotbeutel packen und nach Hause tragen!"

Damit kehrte er um, schnitt aus den Keulen ein Paar tüchtige Stücke heraus und schleppte sie im Beutel nach Hause. Als er ankam, fragte ihn seine Frau, was er im Beutel mitbringe; er aber, weil ihm schon so allerlei Gedanken zuletzt unterwegs gekommen waren, was seine Frau zu dieser Fracht, die er sich aufgeladen, sagen würde, und Hohn und Spott voraussah, warf den Beutel in eine Ecke und sagte: „Oh nichts!"

Als auf ihre wiederholte Frage immer dieselbe Antwort erfolgte, öffnete endlich die Frau aus Neugierde den Beutel und siehe da, das Fleisch war in lauter schönes Silbergeld verwandelt!

Nun erzählte der Mann, wie er dazu gelangt sei; die Frau aber riet ihm, schnell zurückzukehren und noch mehr, soviel er tragen könne, von dem toten Pferde zu holen; was er auch tat.

Allein, obgleich er den Graben ganz genau kannte und soviel er in der Dunkelheit auch suchte, das Pferd war verschwunden und er musste sich mit dem begnügen, was er zuerst mitgenommen hatte.
Rostock - Markt, Marienkirche und Blutstraße

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Hansestadt Rostock - Stadtansicht

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Rostock - Giebelhäuser bei der Nicolaikirche

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