Der bekehrte Pächter von Groß-Methling bei Gnoien.

Aus: Mecklenburgs Volkssagen. Band 3
Autor: Von weiland J. Mussäus, Pastor zu Hansdorf, Erscheinungsjahr: 1860
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Sage, Volkssage, Groß-Methling, Gnoien, Pfingstmorgen, Sturmwind
Der Böse ruhet nicht, sondern suchet, wen er verschlinge.

Auf dem Hofe Groß-Methling wohnte ein alter geiziger Pächter, der jährlich das Korn aufschüttete in der teuren Zeit. Viel Gold und Silber lag ihm aufgehäuft in Kisten und Schränken, allein hart war sein Herz gegen Untergebene und Arme, und täglich spielte er Karten.

Einstmals an einem Pfingstmorgen, während Scharen frommer Seelen zum Gotteshause zogen, wanderte er hinaus aufs Feld, um die Saat zu besehen und die Ernte zu berechnen. Da fährt auf der Landstraße daher ein Mann mit schwarzen, hochbäumenden Rossen. Neben ihm hält er an und steigt ab. Ein roter Mantel hing ihm weit über die Füße weg, und dreieckig war sein Hut.

„Habt Ihr Korn zum Verkauf?" fragte er den Pächter, „ich gebe Euch doppelte Preise!"

„Wenn das ist””, sagte der Pächter, „so mag's darum sein. Kommt mit mir und esset bei mir! Die Sonne steht hoch und der Schatten wird kurz."

Sie gingen zusammen. Als sie auf den Hof kamen, da flogen mit Geschrei die Hühner und Enten alle davon, als ob ein Raubvogel daher zöge, und der Hofhund knurrte und heulte abwechselnd.

Sie traten in die Stube. Ein solcher Gast muss herrlich bewirtet werden, dachte der Landmann, und ließ auftragen große Schüsseln mit Fleisch und kräftiges Bier. Der Fremde aber setzt sich zum Mahle und neckt ungebührlich die aufwartende schüchterne Magd und reißt ihr die Schürze ab.

Da fällt aus seiner Hand ein Messer nieder. Das Mädchen bückt sich, um es aufzunehmen, allein was sieht sie? Die Füße des Fremdlings, einen Pferde- und einen Hühnerfuß!

Erschrocken eilt sie hinaus zur Hausfrau; diese erzählt es dem Manne.

In der Eile wird der Geistliche des Dorfes geholt. Er kommt im ganzen Summarium, die Bibel unter dem Arme.

„Menschenkind”, ruft der Fremde ihm keck entgegen, „was willst Du mir? Dich kenne ich. Du stahlst als Knabe ein Messer Deinem Mitschüler."

Der Geistliche tritt beschämt und verwirrt zurück, und der Fremdling lässt sich das Mahl gut schmecken, unter vielen Gotteslästerungen.

Aber schon holt ein Wagen den Geistlichen aus dem nahen Brudersdorf. Er kommt mit der Bibel unter dem Arme im ganzen Summarium in die Stube.

„Au weh, au weh!" ruft der Fremde und schaudert in eine Ecke zurück; „erbarme Dich mein!"

„Du erbarmst Dich nicht der Menschenkinder!" spricht der Geistliche. „Hier diese Bibel soll Dich züchtigen und dieser Arm!"

„Weh mir, weh mir!" erwiderte jener, „erbarme Dich!"

„Du kommst nicht anders aus dieser Stube”, spricht der Geistliche, „als durch diese Tür und bei dieser Bibel vorbei."

„Weh, weh!" jammerte der Fremde.

Da entsteht draußen ein Tosen, wie wenn der Sturm sich erhebt. Ein blauer Nebel sammelt sich über dem Hause. Den Leuten ward bange, und sie baten den Geistlichen.
„Nun”, sprach er, „so öffnet das Fenster! Fahre aus, Du unsauberer Geist!"

Da fährt's hinaus wie ein Sturmwind mit gewaltigem Krachen. Die Fensterlucht war ausgerissen, der Nebel verschwunden, und auf dem Scheunengiebel, dem Hause gegenüber, sitzt der Böse und lacht sie Alle aus. Dann verschwindet er.

Der Pächter ward ein frommer Mann.

.

.

.