Der Stein bei Wiskow.

Aus: Die Volkssagen von Pommern und Rügen
Autor: Gesammelt von Temme, Jodocus Donatus Hubertus (1798-1881) Politiker, Jurist und Schriftsteller, Erscheinungsjahr: 1840
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Sage, Volkssage, Pommern, Wiskow, Greiffenberg, Belbog,
Bei der Kirche zu Wiskow, einem Dorfe unweit Greiffenberg, steht nahe am Wege ein Stein, auf welchem sich ein Kreuz und folgende Inschrift befindet: Jacob Wachholz Gnade Gott! Daneben ist ein Büffelkopf eingehauen. Von diesem Steine erzählt man sich Folgendes: Vor Zeiten lebte in dieser Gegend das Geschlecht derer von Wachholz, die sehr reich waren, und viele Dörfer und Höfe in der Gegend besaßen. Auf diese Güter hatte das Kloster Belbog es schon längst abgesehen, ohne dass es eine Gelegenheit fand, ihrer habhaft zu werden. Da trug es sich endlich zu, dass Jost Wachholz in dem Dorfe Wiskow, nicht weit von der Kirche, sich an einem Dienstmanne des Klosters verging, der dort unbefugterweise ein Stück Wild erlegt hatte. Der Ritter hatte zwar nicht ganz Unrecht, aber die Mönche zu Belbog erhoben über seine Gewalttat ein solches Geschrei, dass er in Angst geriet, und sein weltliches und ewiges Heil von den Mönchen loszukaufen begehrte. Das gelang ihm nur durch einen harten Tausch, den er mit dem Kloster eingehen musste. Denn er musste an dieses abtreten seine Güter Wachholzhagen, Meiersberg, Herrenhof, Kreigenkrug, Hohen-Drasedow, Küssin und Schruptow, welche alle sehr ansehnlich und einträglich waren; wogegen das Kloster ihm nur die geringen Güter Dargesloff, Schwedt, Overschlag, Jarchow und Molstow entgegengab. Zum Andenken dieses ungleichen Tausches nun, sagen die Leute, wurde jener Stein gesetzt, und zwar auf der Stelle, wo das Vergehen des Jost Wachholz gegen den Dienstmann vorgefallen war. Der Stein wurde von dem Kloster, solange dieses bestand, stets sorgsam gehegt; denn es soll Bedingung des Tausches gewesen sein, dass er nur so lange gelten solle, als der Stein stehe. Der Büffelkopf war darum auf denselben eingegraben, weil die Herren von Wachholz einen solchen in ihrem Wappen führten. Andere sagen, an der Stelle dieses Steines sei ein Herr von Wachholz, Namens Jacob, von seinem eigenen Knechte erschlagen, als sie einstens von Treptow zurückgekommen seien.

Baltische Studien, II. Jahrg. I, Heft, S. 20. 21.

.

.

.

Temme, Jodocus Donatus Hubertus (1798-1881) Politiker, Jurist und Schriftsteller

Temme, Jodocus Donatus Hubertus (1798-1881) Politiker, Jurist und Schriftsteller