Der Spuk zwischen Grabowhöfe und Sommersdorf bei Waren.

Aus: Mecklenburgs Volkssagen. Band 4
Autor: Von A. C. F. Krohn zu Penzlin, Erscheinungsjahr: 1862
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Sage, Volkssage, Grabowhöfe, Sommersdorf, Spuk, Waren
Zwischen Grabowhöfe und Sommersdorf soll es an der Scheide eine Zeitlang nicht recht richtig gewesen sein. Es war das aber ein sonderbarer Spuk, bald erschien er so, bald so, meistens warf er sich unsichtbar auf die Vorübergehenden und ließ sich eine ganze Strecke tragen, wobei er den Belasteten nicht wenig in Schrecken, Angst und Schweiß brachte. Dies geschah zu allen Tageszeiten, oft am hellen Mittage. Zuweilen suchte er sich aus einer großen Gesellschaft Einen heraus und folterte diesen, obwohl die Übrigen nichts sahen noch hörten, als die Angst und das Keuchen des Gequälten.

Auf diese Weise wurde besonders einem Knaben zugesetzt, der oft des Weges musste. Man hatte schon vielerlei Sympathie angewandt, auch einen klugen Mann dieserwegen zu Rate gezogen, aber vergeblich. Zuletzt fand man doch ein Mittel, nämlich auch Sympathie; da war des Spukes Macht an dem Knaben vorbei.

Als dieser indes einst wieder des Weges ging, ohne sonst belästigt zu werden, rief ihm der Spuk drohend nach: „Kumm man na de Twintiger, denn spräk wie uns." *)

Später hat der Knabe nie wieder etwas gemerkt, aber er nahm sichtlich ab und starb schon nach ein paar Jahren, wie er eben das zweite Jahrzehnt vollendet.

Einmal kam auch eine Gesellschaft Tagelöhner an den verrufenen Ort. Mit Entsetzen sehen sie alle mitten im Wege einen Totenwagen und darauf einen offenen Sarg stehen. Alle weichen aus; nur einem sind die Augen gebunden, der geht darum auch, ohne dass er es weiß, vorne auf die Deichsel hinauf, über Wagen und Sarg weg, bis er hinten hinunterstolpert. Seiner Meinung nach ist es über einen Stein geschehen, obwohl er selbst auch keinen sieht; doch seine Kameraden klären ihn über das Vorgefallene auf. Schaden hat er indes nicht davon genommen.

Späterhin soll sich übrigens der ganze Spuk von selbst wieder verloren haben.

*) „Komme nur erst nach den Zwanzigern, dann sprechen wir uns."

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