Der Raubritter Vichov.

Aus: Die Volkssagen von Pommern und Rügen
Autor: Gesammelt von Temme, Jodocus Donatus Hubertus (1798-1881) Politiker, Jurist und Schriftsteller, Erscheinungsjahr: 1840
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Sage, Volkssage, Pommern, Uchtenhagen
Nicht weit von Uchtenhagen in Hinterpommern sieht man an einer Wiese einen großen trüben Sumpf. An der Stelle desselben hat früher ein hoher Berg gestanden, und auf diesem eine feste Burg. In dieser Burg hat ein mächtiger und grausamer Raubritter, Namens Vichov, gehaust, der nicht nur der Schrecken aller Kaufleute und Reisenden war, sondern den auch die gesamte Ritterschaft in der Umgegend fürchtete. Denn auf seinem starken, auf dem hohen Berge liegenden Schlosse konnte ihm Niemand etwas anhaben, und er hatte überdies einen übergroßen Haufen wilden, aber tapferen Gesindels um sich.

Dieser Vichov hatte beständig auf der Zinne seiner Burg Einen seiner Leute auf Wache stehen; der musste, wenn sich Jemand nahte, sei es Ritter, oder Kaufmann, oder sonst ein Reisender, mit einem silbernen Glöcklein ein Zeichen geben. Dann stürzte Vichov mit seiner Rotte von der Burg herunter, über die Armen her. Dabei hatte er eine Gewohnheit, die war folgende: Wer sich ihm widersetzte, der wurde ohne Gnade niedergestoßen; wer aber sein Leben erhalten wollte, der musste ihm fortan dienen. — Den Rittern und Landleuten der Gegend war sein Druck am Ende unerträglich geworden, und sie taten sich daher einstmals ihrer mehr denn zehntausend Mann zusammen, und belagerten ihn in seiner Burg. Allein er verspottete und verhöhnte sie, und als sie den Mauern sich nahten, goss er siedendes Wasser, Öl, Blei und Pech auf sie, also dass er sie zur Hälfte tötete, und die andere Hälfte die Flucht nahm. Den Fliehenden setzte er nach, und er nahm Alle, die er einholen konnte, gefangen. Die sperrte er in einen großen Hundestall, den er ansteckte, so dass sie samt und sonders jämmerlich verbrannten.

Nach diesem war er sehr übermütig geworden, und befahl seinen Leuten, dass sie ihn als ihren Herrgott ansehen und verehren sollten, denn er könne auch Alles, was er wolle, wie der liebe Gott. Das war aber sein Verderben, denn als er desselben Tages mit seinen Genossen zu Tische saß, und mit ihnen am Zechen war, und nun, Allen unerwartet das silberne Glöcklein zu läuten anfing, da verzerrte er auf einmal grässlich die Augen, seine roten Haare stiegen ihm zu Berge, und indem er einen gotteslästerlichen, Fluch ausstieß, versanken unter Donner und Krachen der Berg und die Burg tief in dieErde hinein, so dass man an ihrer Stelle nur den trüben Sumpf sah, der noch jetzt da ist.

Dies war am Johannistage. Wenn man an einem Johannistage um die Mittagszeit an dem Sumpfe vorbeigeht, so kann man tief im Grunde desselben noch jetzt das silberne Glöcklein läuten hören. Es wahrt sich aber Jeder davor, denn man sagt, wer das Glöcklein höre, der müsse noch in demselben Jahre sterben, wenn er nicht mit dem Teufel im Bunde stehe.

Akten der Pomm. Gesellschaft für Geschichte. Baltische Studien, II. 1, S. 165. 166.

.

.

.

Temme, Jodocus Donatus Hubertus (1798-1881) Politiker, Jurist und Schriftsteller

Temme, Jodocus Donatus Hubertus (1798-1881) Politiker, Jurist und Schriftsteller

Lombardischer Geldwechsler und Jude

Lombardischer Geldwechsler und Jude

Raubritter überfallen einen Handelszug

Raubritter überfallen einen Handelszug

Zug zum Markt - Zollabgabe

Zug zum Markt - Zollabgabe