Der Plönswerder bei Dassow

Aus: Mecklenburgs Volkssagen. Band 4
Autor: Gesammelt und herausgegeben von M. Dr. A. Niederhöffer, Erscheinungsjahr: 1862
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Sage, Volkssage, Lübeck, Dassow, Plönswerder, Räuberbande, Raubritter,
Im Dassower Binnensee liegt nicht weit vom Lande ab eine Insel, Plönswerder genannt. Auf derselben stand vor alten Zeiten eine feste Burg, in der eine Räuberbande ihr Wesen trieb.

Nahe der von Wismar nach Lübeck führenden Landstraße, bot sich den plönswerderschen Räubern die schönste Gelegenheit zum einträglichen Betriebe ihres schändlichen Gewerbes, und bald machten sie es so arg, dass mancher der vorüberziehenden Kaufleute einen weiten Umweg mit seinen güterbeladenen Fuhrwerken machte, um nicht in die Hände dieser Wegelagerer zu fallen und von ihnen ausgeplündert zu werden.

Auf eine seltsame Weise wurde endlich, nach vergeblichen Versuchen von Seiten Mecklenburgs und Lübecks, dem Treiben der berüchtigten Bande ein Ende gemacht und ihr Raubnest zerstört; und dies trug sich so zu:

Bei einem großen und reichen Lübecker Weinhändler diente einst ein junger Mensch aus dem eine Meile von Lübeck entfernten Lübischen Fischerdorfe Schlutup gebürtig, ein recht geriebener, schlauer Bursche, dem es unendlich verdross, dass sein guter Herr schon so oft durch die plönswerderschen Banditen beraubt worden war. Er sann deshalb eifrig darüber nach, wie es wohl am besten anzufangen sei, dem schändlichen Treiben der berüchtigten Bande für immer ein Ende zu machen. Als er das Rechte hierzu gefunden zu haben glaubte, beredete er sich zuerst heimlich mit seinen Schlutuper Landsleuten, dann trat er vor seinen Herrn und erbat sich von ihm ein Fuhrwerk, mit vier Schimmeln bespannt und beladen mit einer großen Anzahl Flaschen Wein von der besten Sorte, was ihm auch Alles bewilligt wurde.

Nachdem der Diener Schlafpulver zwischen den Wein gemacht, fuhr er damit von Lübeck ab, die Wismarsche Landstraße nach Dassow hinunter, und zwar so, dass er erst in der Dunkelheit beim Plonswerder vorbeikommen musste.

Kaum in die Nähe des Plönswerders gelangt, brachen auch schon von allen Seiten die Räuber hervor und drangen auf des Weinhändlers Diener ein. Dieser sprang sogleich von seinen Pferden herunter, näherte sich mit unerschrockener, freundlicher Miene den Wegelagerern und redete also zu ihnen: „Liebe Leute, nehmt nur mein Fuhrwerk und die schöne Ladung Wein ruhig mit Euch hinüber nach dem Plönswerder, es gehört Alles meinem Herrn, einem reichen Lübecker Kaufmann, der mich immer gar schlecht behandelte, wofür ich ihm nun entlaufen und mich Euch anschließen will."

Die Räuber glaubten dies Alles und gingen blindlings in die ihnen gelegte Falle.

Als nun Alles glücklich hinüber nach der Insel auf die Burg geschafft worden war, machten sich die Räuber sogleich über die vollen Flaschen her und schlürften mit Gier ihren schönen Inhalt. Aber nicht lange dauerte es, so lag auch schon die ganze Schar im tiefsten Schlafe da; nur einer nicht, der das ganze Gebaren des Dieners von vornherein mit misstrauischen Augen beobachtet hatte.

Jetzt gab dieser seinen verbündeten Landsleuten, den Schlutuper Fischern, die währenddes auf ihren Booten nach der Insel gekommen waren und sich hier so lange verborgen gehalten hatten, das verabredete Zeichen, und sogleich drangen sie von allen Seiten in die Raubburg ein.

Alles wurde nun mit Leichtigkeit niedergemetzelt, die Burg in Brand gesteckt und zerstört.

Nur der nüchtern gebliebene eine Räuber floh eiligst von dannen, sprang in ein Boot und eilte aus dem Binnensee in die Stepnitz. Von den Fischern aber bestiegen auch sogleich mehrere ein anderes Boot und setzten dem Fliehenden nach.

Bei dem Dorfe Roxin holten sie ihn endlich ein und knüpften ihn sofort an dem nächsten Baum auf.

Zum Andenken hieran wurde daselbst ein Stein gesetzt und auf demselben die Worte eingehauen: „Oh Fischer kehre zurücke!"
Fuhrmann in der Hansezeit

Fuhrmann in der Hansezeit

Jäger in der Hansezeit

Jäger in der Hansezeit

Kriegsmann mit Beute beladen

Kriegsmann mit Beute beladen

Angriff auf eine Burg

Angriff auf eine Burg