Der Mönkenberg bei Kritzenow unweit Rostock

Aus: Mecklenburgs Volkssagen. Band 2
Autor: Von J. G. C. Ritter zu Friedrichshöhe, Erscheinungsjahr: 1862
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Sage, Volkssage, Kritzenow, Bistow, Rostock, Hexenberg, Mönkenberg, Zwerge
Südöstlich von dem Dorfe Kritzenow, ungefähr 3/4 Meilen von Rostock entfernt liegt ein Berg, der Mönken-, goldene oder Hexenberg genannt wird. In diesem Berge wohnten vor Zeiten Unterirdische — Zwerge —, ein harmloses Völkchen, welche mit den umwohnenden Menschen in Frieden lebten und sich ihnen oft dienstfertig bewiesen; wurden sie aber zum Zorne gereizt, so suchten sie ihre Rache zu befriedigen. Ihr Getränk, ein gutes Bier, brauten sie selber, holten sich aber das dazu erforderliche Geräte in der Nacht aus einem benachbarten Bauerhause, wofür sie sich dankbar erzeigten und die Einwohner dieses Gehöfts nicht allein mit diesem Getränke versorgten, sondern auch zum Wohlstand verhalfen.

An diesem von den Zwergen bewohnten Berge liegt ein bedeutendes Torfmoor, damals dicht mit Holz und Busch bestanden. Hier hütete die Jugend des Dorfes nach damaliger Sitte des Nachts die Pferde; diese Hirten aber waren gewöhnlich selber zu Pferde.

Das Knallen mit Peitschen in der Nacht war nun den Unterirdischen sehr zuwider und sie hatten es sich schon oft merken lassen, dass sie dadurch in ihrer Ruhe gestört würden.

Unter den Knaben des Dorfes zeichnete sich einer durch seinen Mutwillen aus und suchte fortwährend die Unterirdischen zu ärgern. Als er einst in einer hellen Nacht das Knallen betrieb, kam ein kleines Männchen auf ihn zu mit einem silbernen, inwendig vergoldeten Becher in der Hand und bot ihm einen Trunk daraus an. Der Hirtenknabe ergriff den Becher, aber statt zu trinken wandte er, da er sich nichts Gutes vermutete, rasch das Pferd und jagte davon auf dem Wege nach Biestow und Rostock. Der Unterirdische eilte rasch hinter ihm her, musste aber, als er an einen Kreuzweg kam, unverrichteter Sache wieder umkehren.

Der Knabe, der sich noch immer verfolgt wähnte, hielt nicht eher an, als bis er sich in dem Kirchdorfe Biestow befand, mit seinem Becher in der Hand.

Von der im Becher vorhandenen Flüssigkeit war ein großer Teil verschüttet, besonders beim Umsehen, auf den Schwanz des Pferdes. Wie dieser Trunk beschaffen war, zeigte sich nun, denn die Haare des Schwanzes und wohin sonst noch ein Tropfen gefallen war, erschienen ganz verbrannt.

Der Knabe war froh, dieser Gefahr entronnen zu sein dankte Gott und schenkte den Becher der Kirche zu Biestow.

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