Der Knabe auf dem Woldegker See

Aus: Mecklenburgs Volkssagen. Band 3
Autor: Von F. C. W. Jacoby zu Neubrandenburg, Erscheinungsjahr: 1860
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Sage, Volkssage, Woldegker See, Woldegk, Lebensgefahr, Lebensrettung
Eines Tages spielte am Ufer des Woldegker Sees ein Knabe und kam auf den Einfall, sich auf einem Bunde Schilf dem Wasser anzuvertrauen und am Ufer hin und her zu fahren. Gedacht, getan. — Bald trieb das leichte Schifflein mit seinem kühnen Schiffer vom Ufer ab, und es behagte dem Letzteren gar wohl auf dem flüssigen Elemente.
Aber auf einmal erhob sich ein heftiger Sturm und trieb das wankende Bündlein mit dem jungen Menschenleben in die Mitte des auf und nieder wogenden Sees. Der Knabe schrie aus Leibeskräften um Hilfe, aber, obwohl Leute in der Nähe waren und seine Lebensgefahr sahen, so fand sich doch Niemand zu seiner Rettung bereit, denn der Sturm wütete fürchterlich und die Wellen tobten entsetzlich.

Da faltete der Knabe seine Hände und sang in seiner Todesangst das schöne Lied: „Wer nur den lieben Gott lässt walten" etc.

Und siehe da, er wurde wunderbar gerettet, denn das Schilfbündlein trieb ans jenseitige Ufer und der Knabe kam unversehrt ans Land, woselbst sich schon eine große Menge Menschen eingefunden hatte, die mit ihm Gott für dies Wunder dankten.

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