Arzneiliche Eigenschaften des Kaffees

Der Kaffee reizt die Nerven, ermuntert, vertreibt den Schlaf, erhöht die Denkkraft und vermehrt alle körperlichen Ausleerungen in geringem Grade. Hierdurch ist er im Stande, eine Menge kleine Übel wegzuschaffen, die durch erregte Tätigkeit der Nerven geheilt werden können, und gibt ein Gefühl von Kraft, das aber bald verschwindet und größere Schwäche zurücklässt, da es von den Nerven ausgeht, die an sich verzehrend auf die körperliche Kraft einwirken.

Der Kaffee befördert daher bei Personen, die nicht schon durch langen Gebrauch gegen seine Wirkung abgestumpft sind, den Schweiß, den Harn, und den Stuhlgang. Oft bewirkt er auch einen schädlichen Durchfall und befördert, wie Zimmer, man beobachtet hat, den schwer zu heilenden histerischen Durchfall.
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Im Übermaß genossen, oder bei Personen, die ihn nicht gut vertragen können (alle blutreichen und wenig schleimige Säfte habenden *) macht er Wallungen, Zittern, Schwindel, **) Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, oft eine unerträgliche Furchtsamkeit und alle Übel die Folge zu sehr gereizter Nerven sind, besonders Hypochondrie und Hysterie. Auch schwächt er den Magen, macht unnatürlichen Hunger, Verschleimungen, oft auch anhaltenden Husten und einen hässlichen Ausschlag im Gesicht, der sehr schwer wieder zu vertreiben ist.

*) Daher bekommt er den Weintrinkern nicht, wohl aber den Biertrinkern.

**) Eine Krankengeschichte, wo Kaffee hartnäckige Hypochondrie erzeugte, die erst nach gänzlicher Entsagung desselben geheilt wurde, und wiederkehrte, so wie er wieder getrunken wurde, wurde im Hanövr. Magazin 1821. S. 771 mitgeteilt.


Ähnliche Übel, wie die welche er erzeugt, kann er heben, wenn sie aus einer andern Ursache entstehen, z. B. das von einer allzu lebhaften Freude entstandene Missbefinden, die phantastische Lustigkeit, das Herzklopfen, die Schlaflosigkeit.

Oft verursacht der Kaffee anhaltende Kopfschmerzen, die das Eigene haben, dass sie erst gegen Abend ihren Anfang nehmen, und nicht eher aufhören, als bis man ihm entsagt.

In Folge der Schwächung des Magens macht er auch blasse Gesichtsfarbe, und in Folge der Schwächung der Nerven welke Körperbeschaffenheit. Bei sehr häufigem Genuss geht die blasse Gesichtsfarbe in ein fahles Graubraungelb über, das die unterscheidende Farbe der sogenannten Kaffeegesichter ist. In manchen Städten bemerkt man sie besonders an stark beschäftigten Hebammen und Leichenfrauen, denen Tag und Nacht Kaffee, und zwar guter, vorgesetzt wird. Sie ist Folge des Übergangs der halbverkohlten löslichen Teile des Kaffees (der braunen Brühe) in das Blut, welche halbverbrannte Teile gleichsam eine lösliche Kohle darstellen, und als solche reinigend auf das Blut wirken. Durch jene verkohlten Teile ist gebrannter Kaffee (trocken genossen) auch ein wirksames Mittel gegen Aufstoßen aus dem Magen, gegen Blähungen, so wie zur Einsaugung schädlicher Stoffe (Luftarten, Gifte etc.) in dem Magen und den Eingeweiden. Auch ist anzunehmen, dass sowohl jene lösliche Kohle als fein zerteilte Kohlenteile, indem sie mit in den Nahrungssaft und ins Blut übergehen, beitragen, den Lebensprozess in den Lungen (das Verbrennen des Bluts zu Kohlensäure) zu unterhalten, und daher die nährende Kraft rührt, die man dem Kaffee zuschreibt.

Gewöhnlich hält man den Kaffee für magenstärkend, besonders wenn er ohne Milch und Zucker nach der Malzeit getrunken wird. Er reizt indessen den Magen mehr, als er ihn stärkt, veranlasst ihn, die Speisen schnell fortzuschaffen, die dann un- oder halbverdaut in die Gedärme kommen, diese erschlaffen, schlechte Säfte geben und die ersten Wege verschleimen.*) Daher bemerkt man bei starken Kaffeetrinkern unreifen Stuhlgang und Abmagerung.

Personen, die dünnes und warmes Blut, einen kräftigen und reizbaren Körper, einen tätigen empfindsamen Geist haben, leiden am meisten vom Kaffee; den schleimigen, kalten, unempfindlichen Naturen schadet er weniger. Angenehm ist er beiden, wenn sie sich an ihn gewöhnt haben, da er reizt ohne zu erhitzen oder zu betäuben. Auch entwöhnt man sich desselben schwerer, als der geistigen Getränke, da einmal geschwächte Nerven nicht leicht wieder gestärkt werden können.

*) Er befördert daher die Verdauung nicht, sondern leert nur den Magen.

Manche Liebhaber des Kaffees sind durchaus abgespannt an allen Leibes- und Geisteskräften und befinden sich erbärmlich, sobald sie einmal diesen Lieblingstrank entbehren müssen, eben so wie diejenigen, die sich von geistigen Getränken abhängig gemacht haben. (Segnitz.)

Die Türken sind starke Kaffeetrinker. Sie leiden aber von dem Missbrauch desselben eben so wie wir. Auch verachten die Türken ihre Landsleute, die den Kaffee nach ihrer Art missbrauchen, so wie wir unsere Saufbrüder und Brandweinschlucker verachten. Die Perser glauben, er schwäche die Fruchtbarkeit, und dies findet natürlich in allen Fällen statt, wo er die Nerven schwächt.

Zimmermann sagt: „Ich sehe, dass der mäßige Gebrauch des Kaffees nicht so schädlich ist, als der mäßige Gebrauch des Tees, und dass im Gegenteil der Missbrauch des Kaffees noch weit schädlicher ist, als der Missbrauch des Tees.“

Wegen seiner nervenreizenden und erhitzenden Eigenschaften ist der Kaffe ein sehr gutes Mittel gegen alle betäubenden Getränke und Pflanzengifte, so wie gegen die Erstarrung durch Kälte und einige Arten- Wechselfieber. Die Betäubung und Beneblung des Kopfes durch Bier hebt starker, schwarzer Kaffeeaufguss am besten, eben so die durch Opium, Belladonna, Bilsenkraut, Nachtschatten, Mutterkorn etc., so wie die durch Erstickungen, durch Blitz etc. bewirkte.

Ein Gegengift gegen Kaffee ist Tee von gemeinen Kamillen, Opium und Hopfen, daher starker Kaffeegenuss sich gut mit starkem Biergenuss verträgt und die schädlichen Wirkungen des Kaffees namentlich nur Frauenzimmer empfinden, die viel Kaffee, aber wenig (gehopftes) Bier genießen.

Wird der Kaffee sehr heiß getrunken, so erschlafft er, wie jedes heiße Getränk, den Magen, und schadet den Zähnen.
Dieses Kapitel ist Teil des Buches Der Kaffee, seine Eigenschaften und sein Gebrauch