Der Hexenbaum von Ulrichchusen bei Malchin.

Aus: Mecklenburgs Volkssagen. Band 4
Autor: Gesammelt und herausgegeben von M. Dr. A. Niederhöffer, Erscheinungsjahr: 1862
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Sage, Volkssage, Maltzan, Ritterschloss, Ritterburg, Ulrichshusen, Malchin, Mittelalter, 1532, Marxhagen, Hexenverfolgung, Hexenprozesse, Hexenverbrennung, Hexerei, Aberglauben
Das 1532 erbaute Ritterschloss Ulrichshusen ist das einzige seiner Art in Mecklenburg, welches, aus dieser Zeit stammend, noch ganz in seiner ursprünglichen Form erhalten ist, und daher wohl der Beachtung des Altertumsforschers und Kunstfreundes verdient. Die eigentümliche Bauart des Schlosses, der erhöhte Burgplatz vor demselben, der umschließende Wallgraben etc., kurz Alles trägt noch so ganz den Charakter des Mittelalters und erinnert den Beschauer lebhaft an die Ritterburgen der damaligen Zeit. Das alte Torhaus trägt, außer dem Bilde seines Erbauers, eines Ulrich von Maltzan, auch noch seine alte, also lautende Inschrift:

          „Ulrichshausen ist mein Nahm.
          Wer Herberg in mir will han,
          Der nem vor gut Stube und Gemack
          Und was Küch und Keller vermag
          Und nem den Willen vor die That
          So wird dem Gaste guter Rat.”

Wie von allen alten Ritterburgen die Sage gar viel und mancherlei Schauriges und Schauerliches zu erzählen weiß, so ist dies auch bei Ulrichshusen der Fall, und lasse ich nun nachstehend ein Pröbchen hiervon folgen.

Zu jener traurig-trüben Zeit der Hexenverfolgungen und Hexenverbrennungen war auch ein Untergebener des Ulrichshusener Burgherrn, ein alter Arbeitsmann mit blöden Augen und grauem Haar, böswilliger Weise von einem ihm feindlich gesinnten, gottlosen Schäfer der Hexerei angeklagt worden. Sogleich wurde dem Alten der Prozess gemacht und er, trotz seines Flehens und heiligsten Beteuerns, dass er unschuldig und nur verleumdet worden, zum schrecklichen Feuertode verurteilt.

Am nächsten Tage schon führte man den Unglücklichen auf einen nach Marxhagen hin liegenden Hügel, band ihn erbarmungslos an den Pfahl und türmte ein hohes Feuer um ihn auf.

Ehe jedoch der alte Mann unter den grässlichsten Martern seinen Geist aushauchte, flehte er laut zu Gott: Er möge, zum Zeichen seiner Unschuld, ein Wunder geschehen lassen.

Und der Allmächtige erhörte sein Flehen. Als der Scheiterhaufen herunter gebrannt und des Gerichteten Leib in Asche verwandelt war, da schoss plötzlich auf der Brandstätte, aus dem noch heißen Erdboden, ein gar wunderbarer, hoher Baum hervor, wie ihn noch nie zuvor ein Menschenauge gesehen. Der Baum hatte weder Blätter, noch trug er Früchte; seine dürren Äste aber streckten sich mahnend zum blauen Himmel empor, als forderten sie Sühne von Oben herab für das schuldlose Opfer.

Und alles Volk, das da herbeigeströmt war, das schreckliche Schauspiel mit anzusehen, entsetzte sich ob dieses Gotteswunders, und erkannte jetzt mit Schrecken die Unschuld des alten Arbeitsmannes.

Den gottlosen Schäfer, seinen böswilligen Verleumder und Mörder, aber fand man am nächsten Morgen mit grässlich verzerrten Zügen und mit ausgerissener Zunge tot auf dem Acker liegen; der Teufel hatte ihn in der Nacht zu Tode gehetzt und ihn also, wie er's verdient, gerichtet.

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Lange, lange Jahre hiernach, bis in die neueste Zeit, stand noch der wunderbare Baum mit seinen kahlen, geisterhaft in die Höhe gerichteten Ästen und Zweigen, dessen Holz anfänglich so hart gewesen sein soll, dass auch die schärfste Axt nicht hineinzudringen vermochte, und das Volk nannte ihn allgemein nur den Hexenbaum.
Schloss Ulrichshusen um 1880

Schloss Ulrichshusen um 1880

Schloss Ulrichshusen um 1830

Schloss Ulrichshusen um 1830

Edelfrau in der Hansezeit

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Fuhrmann in der Hansezeit

Fuhrmann in der Hansezeit

Jäger in der Hansezeit

Jäger in der Hansezeit

Kriegsmann mit Beute beladen

Kriegsmann mit Beute beladen

Schäfermeister

Schäfermeister