Der Gott Triglaf und das Dorf Triglaf.

Aus: Die Volkssagen von Pommern und Rügen
Autor: Gesammelt von Temme, Jodocus Donatus Hubertus (1798-1881) Politiker, Jurist und Schriftsteller, Erscheinungsjahr: 1840

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Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Sage, Volkssage, Pommern, Stettin
Die heidnischen Pommern, absonderlich die zu Julin und Stettin, hatten zum vornehmsten Götzen Triglaf. Derselbe hatte drei Köpfe, zur Anzeige, dass er das Regiment habe im Himmel, auf Erden und in der Hölle, und hatte vor dem Angesicht eine goldene Decke, zum Zeichen, dass er die Übeltaten der Menschen nicht sehe. Dieser Götze war von lauterem Golde. In Stettin stand er auf dem mittleren Berge in der Stadt.

In der Nahe des Gotts Triglaf ward ein Pferd gehalten, welches heilig war und zukünftige Dinge voraus sagte. Es wurde wohl gefüttert, und es durfte Keiner darauf reiten, also dass es das ganze Jahr müßig stand. Ein Priester war bestellt, der nichts weiter zu tun hatte, als seiner zu warten und es zu pflegen. Das Wahrsagen dieses Pferdes geschah aber in folgender Weise: Wenn man bedacht war, auf irgend einen Zug auszugehen, so wurden lange Stangen in der Quere auf die Erde gelegt. Durch dieselben führte der Priester das Pferd am Zügel, dreimal. Blieben nun die Stangen liegen, ohne vom Pferde angestoßen zu werden, so bedeutete das Glück, berührte es sie mit dem rechten Fuße, so war der Ausgang zweifelhaft, berührte es sie aber mit den linken, so war es Unglück.
Dieses Pferd in Stettin war groß, schwarz und feist. St. Otto gebot den bekehrten Stettinern, dass sie es gebrauchen sollten, und sagte, es wäre besser vor dem Wagen als zum Wahrsagen. Aber die Stettin’schen wollten es nicht nehmen, denn sie besorgten sich, der Gott Triglaf möchte ihnen darum Schaden zufügen. Deshalb schickte St. Otto es nach Deutschland, und ließ es allda verkaufen. Den Stettin’schen Götzen Triglaf schickte St. Otto nach Rom an den Papst, zur Anzeige der Bekehrung der Pommern.

Den Julinschen Götzen Triglaf dagegen konnte er nicht bekommen. Denn als er die Tempel in Julin niederbrach, da brachten die heidnischen Pfaffen den Götzen weg in ein Dorf bei Greifenberg. Dort verbargen sie ihn bei einer Bäuerin. Die hat ihn in ein Tuch gewunden und in einen starken Block verschlossen, auch nur ein kleines Loch darin gelassen, damit man ihm räuchern könne. St. Otto hat ihn lange vergeblich suchen lassen. Endlich ist zwar Einem aus der Gesellschaft des Bischofs, Namens Hermann, einem verschmitzten Manne, gelungen, ihn zu finden, indem sich derselbe der Landesart nach gekleidet und vorgegeben hat, er habe Schiffbruch gelitten und wolle dem Triglaf opfern. Allein er hat dennoch seiner niemals habhaft werden können. Das Dorf, in welchem die Bäuerin ihn verborgen hielt, hat von der Zeit an den Namen Triglaf erhalten, den es noch jetzt führt.

Für gewiss weiß man nicht, wo der Götze von da zuletzt geblieben ist. Verwunderlich ist es aber, dass die Kirche zu Triglaf von undenklichen Zeiten her ein bedeutendes Vermögen hat, und reicher ist, als irgend eine andere Kirche auf dem Lande. Die Leute sagen daher auch, dass das Götzenbild endlich noch aufgefunden und eingeschmolzen sei, und dass davon der Reichtum der Kirche herrühre.

Kantzow, Pomerania, I. S, 107—11l.
Micrälius, Altes Pommerl. I. S. 150.
Cramer, Gr. Pomm, Kirch. Chron, I. S. 39—42.
Kanngießer, Pomm. Gesch. S. 665. 666.
Pommersche Provinzialblätter, I. S. 448.
Temme, Jodocus Donatus Hubertus (1798-1881) Politiker, Jurist und Schriftsteller

Temme, Jodocus Donatus Hubertus (1798-1881) Politiker, Jurist und Schriftsteller