Der Gedenkstein bei Roxin, unweit Grevismühlen

Aus: Mecklenburgs Volkssagen. Band 4
Autor: Gesammelt und herausgegeben von M. Dr. A. Niederhöffer, Erscheinungsjahr: 1862

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Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Sage, Volkssage, Fischer, Raubburg, Wegelagerer, Schlutup, Roxin, Fischer, List, Dassower See, Gedenkstein, Lübeck
Beregter Gedenkstein steht noch heute auf seiner alten Stelle bei Roxin, die Inschrift ist aber im Laufe der vielen Jahre schon ganz verwittert und unleserlich geworden.

Zum Lohne ihrer kühnen Tat haben die Schlutuper Fischer die Gerechtsame erhalten, in dem Dassower Binnensee und in der Stepnitz bis zu der Stelle beim Dorfe Roxin zu fischen, wo der entflohene Räuber von ihnen eingeholt und aufgeknüpft worden ist. Der Plönswerder aber ist seit der Zeit Eigentum des Lübeckschen Senats geworden und wird noch alle Jahre das darauf wachsende Gras laut alter Gerechtsame von den Schlutupern abgemäht, wofür ihnen der Freistaat Lübeck ein Fest in Dassow geben muss.

Dies Fest findet alljährlich am Sonntag nach Pfingsten statt, wozu sich so zu sagen immer das ganze Dorf Schlutup versammelt. Die Männer kommen alsdann zu Wasser auf ihren mit Blumen und Fahnen geschmückten Booten, die Frauen aber auf ebenso geschmückten Wagen nach Dassow.

Mit Musik empfangen ziehen sie in feierlichstem Aufzuge in Dassow ein*). Vor dem Hause, wo das Fest begangen, wo geschmaust und getanzt werden soll, findet zuerst ein Scheinkampf statt, zur Erinnerung an jene kühne Tat ihrer Väter. Es wird nämlich ein Kreis gebildet und zwei der kräftigsten Schlutuper Burschen treten in denselben mit Fahnen bewaffnet, die sie so lange schwenken, bis einer ermüdet ist, womit denn der Kampf sein friedliches Ende erreicht hat. Dann geht Alles in den Fest- und Tanzsaal und gibt sich bis zum frühen Morgen der ausgelassensten Freude hin.

*) Die Dassower pflegen diesen feierlichen Einzug der Schlutuper mit der spöttischen Redensart: ,,Dei Bullen kamen!" — „die Bollen kommen!" zu bezeichnen,— Bolle ist nämlich der Spitzname für die Einwohner von Schlutup.

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Auf der Rückfahrt mähen die Schlutuper nun das Gras auf der Plönswerderinsel ab, was aber jedesmal, gleich wie sie die Burg in einer Nacht genommen, in einer Nacht geschehen und noch vor Tagesanbruch fortgeschafft werden muss, da sie sonst ein Fass Bier büßen müssen, und bringen es dem Senate in Lübeck, wogegen ihnen dann die verlegten Kosten für das im Flecken Dassow gefeierte Erinnerungsfest zurückerstattet werden.

Geschichtlicher Aufzeichnung zufolge gehörte früher der Plönswerder nebst der darauf liegenden Burg Dassow dem Grafen von Holstein, der sie zuletzt durch seinen Hauptmann Schele von Nunnendorf verwalten ließ. Da dieser aber das Gewerbe des Wegelagerers zu arg betrieb, so vereinigten sich im Jahre 1261 Mecklenburg und Lübeck und eroberten, hauptsächlich nur durch die Hilfe und List der Schlutuper Fischer, die stark befestigte Raubburg. Worauf sie zerstört, Schele von Nunnenvorf aber aufgehängt wurde. Für ihre hierbei geleistete Hilfe etc. wurden den Schlutupern die bereits mitgeteilten Gerechtsame verliehen.

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