Der Dobberworth, das größte Hünengrab der Insel Rügen

Aus: Neue Reisenovellen. Erster Band
Autor: Laube, Heinrich (1806-1884) deutscher Schriftsteller, Dramatiker und Theaterleiter sowie Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung, Erscheinungsjahr: 1837
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Norddeutschland, Märchen, Sagen, Gebräuche, Sitten, Sprichwörter, Sprüche, Überlieferungen, Volksmund, Mecklenburg, Barth, Darß, Hiddensee, Rügen
Die Merkwürdigkeit bei Sagard ist der Dobberworth, das größte Hünengrab der Insel: ein abgestumpfter Kegel mit Dorngebüsch bewachsen, der dicht bei Sagard liegt, und neben seiner Antiquität auch eine Aussicht gewährt.

Die Landleute glauben, unter diesen Gräbern lägen Riesen, und wenn beim Unwetter die Erde bebt, da schnarchten sie, oder wendeten sich um. Das ist ganz gut, was machen aber wir, die wir keine Hünengräber haben? Auch mit einer Sage wartet der Dobberworth auf:

In Jasmund hat eine große Riesin gehaust, denn es gibt auch große und kleine Riesen, die hat über den Bodden hinüber zum Fürsten von Rügen geschickt mit dem Bemerken, sie wünsche ihn zu heiraten. Dies hat selbigem aber nicht wünschenswert geschienen, da er zufällig gar kein Riese und ohne Verlangen nach so großen Gliedmaßen gewesen ist. Er gibt ihr also einen Korb, und sie nimmt das natürlich sehr übel, und rüstet einen Krieg.

Um schneller über den Bodden zu kommen, will sie ihn eiligst mit Sand ausfüllen. Sie trägt eigenhändig Sand in ihrer Schürze zu, und bei dieser Gelegenheit sehen wir, dass die Schürze ein sehr altes, ästimiertes und nicht bloß Grisetten, sondern auch großen Damen zukommendes Kleidungsstück ist – die Schürze aber platzt in der Nähe von Sagard, und der Haufe Sand, welcher herausfällt, liegt noch heute da, und heißt jetzt, wo's an Riesen fehlt, der Dobberworth.
Hünengrab Dobberworth bei Sargard auf Rügen

Hünengrab Dobberworth bei Sargard auf Rügen

Hünengrab Dobberworth bei Sargard auf Rügen (2)

Hünengrab Dobberworth bei Sargard auf Rügen (2)