Der Darß und der Zingst

Ein Beitrag zur Kenntnis von Neuvorpommern
Autor: Wehrs, Johann Georg August von (1788-1830) deutscher Offizier in schwedischen Diensten, Erscheinungsjahr: 1819
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Neuvorpommern, Darß, Zingst, Halbinsel, Barth, Landesgeschichte, Sitten- Kultur- und Sozialgeschichte, Entstehungsgeschichte, Natur, Einwohner, Land und Leute, Natur und Umwelt, Jagd und Fischfang, Wald
Johann Georg August von Wehrs war der Sohn des mecklenburg-strelitzschen Geheimen Legationsrates Georg Friedrich Wehrs, der seit 1799 Ritter des Königlich-schwedischen Wasaordens war und 1803 in den Reichsadelsstand erhoben wurde.
August von Wehrs wurde 1805 Offizier bei der schwedischen Götagarde und besuchte ab 1808 die Universität Göttingen, wo er Rechtswissenschaften studierte. Am 18. Januar 1809 gehörte er zu den Mitstiftern des Corps Hannovera. Im Zuge der Gendarmen-Affäre unterzeichnete er die Verrufsliste und floh Michaelis 1809 vor den Franzosen nach Schweden. Er kam 1810 mit dem Regiment von Engelbrechten nach Stralsund und von dort auf den Darß. Am 5. August 1812 geriet er dort in französische Gefangenschaft. 1814 kehrte er von Poitiers über Paris und Brüssel in seine Vaterstadt Hannover zurück. Schied 1816, nach dem Tod seiner Mutter (25. Januar) als Hauptmann aus dem Militärdienst aus, um seinem Vater zur Seite zu stehen.
Am 26. Oktober 1818 heiratete August von Wehrs die Tochter Marie († 1866) des Borner Oberförsters Zacharias Erdmann Niemann. Aus der Ehe gingen vier Söhne und zwei Töchter hervor.
Von Wehrs hatte bei seinem Tode den Titel eines mecklenburgischen Hofrats. [Quelle: Wikipedia]
Inhaltsverzeichnis
  1. Lage, Größe und Namen des Darßes und Zingstes. — Über die vermeintliche Abnahme der Meeresgewässer, vorzüglich des baltischen Meeres. — Einige Beispiele von den Umformungen und der dadurch entstandenen jetzigen Gestalt unserer deutschen Küstenländer. — Hypothesen von der Entstehung des Darßes und Zingstes, und von der Bildung ihrer heutigen Gestalt — Beschaffenheit der Oberfläche der beiden Ländchen
  2. Kurze Bemerkungen, die Darßer und Zingster Vorzeit betreffend. — Das einzige aus derselben vorhandene Denkmal
  3. Beschreibung sämtlicher Darßer und Zingster Ortschaften
  4. Die Einwohner
  5. Die Darßer und Zingster Waldungen
  6. Hohes und niederes Wild. — Wildes Geflügel
  7. Wichtigkeit des Herings für Neuvorpommern. Einige allgemeine naturhistorische Bemerkungen über denselben. — Etwas von dem Darßer Herings- und Robbenfang. — Sonstige
    Fischerei
Der Darß und der Zingst machen so äußerst kleine Teile unsers deutschen Vaterlandes aus, dass sie wohl kaum den Namen nach den meisten Deutschen bekannt sein mögen. Auch als Bestandteile der preußischen Monarchie betrachtet, müssen sie auf dem ersten Blick höchst unbedeutend erscheinen; nichts desto weniger aber leuchtet bei einer weitern Kenntnis die große Wichtigkeit derselben für das jetzige Neuvorpommern bald ein.

Als Schweden zur Zeit des napoleonischen Kontinental- und Bedrückungs-Systems zum bösen Spiele gute Miene machen, und die ehemaligen schwedisch-pommerschen (jetzt neu-vorpommerschen) Küsten gegen Englands merkantilischen Einfluss scharf bewachen musste, da wurde auch dem Darß, zumal im Anfange, eine ziemlich beträchtliche Besatzung zu Teil. Auch mich, damals (im Jahre 1811) in königl. schwedischen Diensten stehend, führte das Schicksal zum ersten Male dorthin. Zehn Monate verlebte ich daselbst, gleichsam von der übrigen Welt wie abgeschieden; nichts desto weniger durfte ich beim vergleichenden Hinblick auf die höchst traurigen Zeitumstände, in welchen Deutschland damals befangen lag, jene Monate zu den angenehmsten meines Lebens rechnen: denn, wenn gleich meine Dienstgeschäfte stets das traurige Gemälde jener Schreckenszeit meinen Sinnen schmerzlich vorführten, so trugen doch der Genuss des schönen Landlebens und der freien Natur, deren nähere Bekanntschaft auf einem Küstenlande, wie der Darß ist, ungemein erleichtert wird, und noch mehr der Umgang mit biederen unverdorbenen Deutschen vereint dazu bei, den Kummer oft vergessen zu machen.
Leider reihte sich unmittelbar daran die unglücklichste Katastrophe meines jugendlichen Lebens, die zu meinen „Rückerinnerungen, Skizzen und Bemerkungen während und nach meiner französischen Kriegsgefangenschaft“ - Hannover im Verlage der Helwingschen Hofbuchhandlung - den Stoff lieferte, und wodurch mein Studium des interessanten Ländchens auf einmal unterbrochen wurde.

Erst nach meiner Rückkehr aus der französischen Gefangenschaft war es mir vergönnt, den Darß öfters wiederum zu besuchen, und die Sammlung meiner Notizen über denselben zu vermehren.

Das jetzige Neuvorpommern nahm mich, während ich zur Zeit der westfälischen Herrschaft über Hannover mich ohne Vaterland fühlen musste, gastfreundschaftlich auf, und gewährte mir einen angenehmen Aufenthalt unter, seinen biedern Bewohnern, wovon mir die angenehmen Rückerinnerungen stets lebendig bleiben werden. Möchte daher in dieser Arbeit der nachsichtige Leser Pommerns einige, wenn gleich nur schwache Beweise meiner Dankbarkeit gegen sein Vaterland erkennen, so würde ich den besten meiner Wünsche erfüllt sehen. Auch der übrige Teil meiner Leser wird dann hierin die Erläuterung finden, wie ein Hannoveraner dazu komme, über Pommern zu schreiben.

Den, nach Abzug der Kosten, übrig bleibenden reinen Geldertrag habe ich den Armen der Darßer Kirche zu Prerow bestimmt, und sage den Herren Pränumeranten, die so gütig waren, diesen wohltätigen Zweck zu befördern, meinen verbindlichsten Dank.

Übrigens musste ich mir bei meinem kleinen Unternehmen die Benutzung zweckdienlicher Werke da erlauben, wo meine Kenntnisse und Erfahrungen allein nicht zugereicht haben würden. Damit jedoch dem Faden des Textes durch häufige Unterbrechung von Noten nicht zu sehr geschadet wird, halte ich es für besser, gleich hier die hauptsächlichsten Schriften und Gewährsmänner, die ich benutzt habe, anzuführen:

1) Micraelii Antiquitates Pomeraniae, oder sechs Bücher vom alten Pommernlande; nebst dazu gehörigen Landkarten. Stettin und Leipzig, in Verlegung Johann Kunckels. 1723.
2) Abriss einer Naturgeschichte des Meeres. Ein Beitrag zur physischen Erdbeschreibung, von Friedr. Wilh. Otto. Königl. preuß. geheimen Geheimsekretär 2 Bändchen. Berlin
in der Frankeschen Buchhandl. 1792.
3) Geognostische Untersuchungen über die Südbaltischen Länder, besonders über
das untere Odergebiet; usw. von E. F. Wrede, Professor der Mathematik und Naturwissenschaft am Königl. Friedr. Wilh. Gymnasium etc. Berlin in der Schüppelschen Buchhandlung 1804.
4) Catteau Calleville Gemälde der Ostsee, in physischer, geographischer, historischer und merkantilischer Rücksicht. Aus dem Französischen übersetzt von Weiland, Großherz. Sachsen- Weimarschen Kriegsrat. Weimar, im Verlage des Landes-Industrie - Comptoirs. 1815.
5) Naturgeschichte des Succius, oder des sogenannten Bernsteins u. s. w. vom Professor Dr. J. F. John. 2 Teile. Köln 1816, bei Theodor Franz Thirlart.
6) Das allgemein bekannte Handbuch der Naturgeschichte, vom Obermedizinalrat und Ritter J. F. Blumenbach in Göttingen.
7) Allgemeines Polyglotten-Lexikon der Naturgeschichte, mit erklärenden Anmerkungen von Philipp Andreas Nemnich. 6 Lieferungen?

Was die Landkarten anbetrifft, so habe ich mich überzeugt, dass der Darß und Zingst auf den meisten derselben sehr unrichtig gezeichnet sind. So sind, um ein Beispiel anzuführen, Atlas Geographicus major, curantibus Homannii heredibus. Norimbergae A. 1759, einige Karten von Obersachsen, Pommern und Mecklenburg, auf denen die Gestalt der beiden Ländchen fast gar keine Ähnlichkeit mit der wirklichen hat. Wenn es nun auch ausgemacht ist, dass die kleinen Küstenländer große Umgestaltungen erlitten haben, und noch erleiden, so wich doch keineswegs die Gestalt des Darßes und Zingstes in der Mitte des verflossenen Jahrhunderts in einem so hohen Grade von der jetzigen ab, wie man es hier zu sehen bekommt. Die meisten unserer neueren Karten haben diesen Fehler nicht verbessert. Auch die Insel Rügen ist überwiegend sehr nachlässig und unrichtig darauf gezeichnet. Vor drei Jahren etwa kam, wenn ich nicht irre, eine neue Karte von Neuvorpommern auf 4 Blättern in Berlin heraus, welcher indes keine neue Vermessungen zum Grunde gelegt sind.

Mir hat der Besitz einer großen, im Jahre 1776 gezeichneten Karte vom Darß und Zingst beim Entwurf dieses Buchs großen Ruhen gewährt, da aber, so viel ich weiß, nur zwei Handzeichnungen davon existieren, so muss ich bitten, beim Lesen des folgenden die bekannte von Andreas Mayer entworfene, und von Tobias Conrad Dotter gestochene Karte vom ehemaligen Schwedisch - Pommern, auf welcher übrigens keine Jahreszahl angegeben ist, zur Hand zu nehmen, weil man auf derselben eine ziemlich genaue Übersicht vom Darß und Zingst erhält, wie sie denn überhaupt bis jetzt wohl noch die richtigste unter den Karten von Neuvorpommern ist. —

Schließlich ist es meine heilige Pflicht, zu bekennen, dass ich die Vollendung des Ganzen einzig und allein der Freundschaft meines Schwiegervaters, des Herrn Oberförsters Niemann zu Born auf dem Darß verdanke. Nur durch dessen gütigen Beistand ward es mir möglich, meine Notizen zu sammeln und zu ordnen; derselbe ist ein geborener Darßer, folgte seinem Vater im Dienste, und lebt nun fast 67 Jahre auf dem Darß.

Ich darf daher dreist und ohne Schmeichelei behaupten, dass nicht leicht jemand sich eines glaubwürdigeren, zuverlässigeren Gewährsmannes rühmen kann, wie ich ihn glücklicher Weise bei Abfassung dieser kleinen Schrift hatte.
Hannover, im Julius 1819.
August von Wehrs.

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Ostseebad Ahrenshoop

Ostseebad Ahrenshoop

Ostseebad Prerow, Ansicht

Ostseebad Prerow, Ansicht

Ostseebad Prerow, Dorfpartie

Ostseebad Prerow, Dorfpartie

Ostseebad Prerow, Hafen

Ostseebad Prerow, Hafen

Ostseebad Prerow, Kinderheim des Dr. Beus

Ostseebad Prerow, Kinderheim des Dr. Beus

Ostseebad Prerow, Kirche am Wasser

Ostseebad Prerow, Kirche am Wasser

Ostseebad Prerow, Leuchtturm Darßerort bei Prerow

Ostseebad Prerow, Leuchtturm Darßerort bei Prerow

Ostseebad Prerow, Nordförsterei

Ostseebad Prerow, Nordförsterei

Ostseebad Prerow, Strand mit Herrenbad

Ostseebad Prerow, Strand mit Herrenbad

Ostseebad Prerow, Strand

Ostseebad Prerow, Strand

Ostseebad Prerow, Vogels Warte

Ostseebad Prerow, Vogels Warte

Ostseebad Zingst, altes Wohnhaus auf dem Werder

Ostseebad Zingst, altes Wohnhaus auf dem Werder

Ostseebad Zingst, alte Bauernhäuser

Ostseebad Zingst, alte Bauernhäuser

Ostseebad Zingst, altes Fischerhaus

Ostseebad Zingst, altes Fischerhaus

Ostseebad Zingst, alte Dorfstraße

Ostseebad Zingst, alte Dorfstraße

Ostseebad Zingst auf dem Darß

Ostseebad Zingst auf dem Darß

Ostseebad Zingst, Blick von der Villa Gela

Ostseebad Zingst, Blick von der Villa Gela

Ostseebad Zingst, Dorfkirche

Ostseebad Zingst, Dorfkirche

Ostseebad Zingst, Kinderheim

Ostseebad Zingst, Kinderheim "Min Hüsing"

Ostseebad Zingst, Strand

Ostseebad Zingst, Strand

Ostseebad Zingst, Weg zum Strand

Ostseebad Zingst, Weg zum Strand