Das im Dreißigjährigen Krieg zerstörte Dorf Glienken und der Glockenbrunnen unweit des Hofes Kretzow bei Plau

Aus: Mecklenburgs Volkssagen. Band 4
Autor: Von A. P. D. Camin, Erscheinungsjahr: 1862
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Sage, Volkssage, Wallenstein, Religionskrieg, 30jähriger Krieg
Die Religion, welche überall der Menschen teuerstes Gut ist und sein soll, hat leider oft blutige Kriege herbeigeführt. Auch der 30jährige Krieg — von 1618 bis 1648 — verdankt seinen Ursprung, wie allgemein bekannt, Religionsstreitigkeiten. Wild lodert die Kriegsfackel empor und wird zum entfesselten Elemente, wenn sie stark angefacht wird.

Ähnlich ging es her im 30jährigen Kriege; ganze Gegenden wurden zerstört und unbewohnbar gemacht; manches Dörfchen, wurde Wind und Wetter preisgegeben, und diente wildem Getier zur Wohnung; denn die Einwohner waren entweder getötet oder geflohen.

Auch unser liebes Mecklenburg wurde in dem genannten Kriege hart mitgenommen; hatte es doch sogar einige Zeit den Tieger in Menschengestalt, den Wallenstein zum Herzoge und Beherrscher. Kein Wunder also, dass die damals geschlagenen Wunden erst kaum verharrscht, und dass Mecklenburg noch Spuren von Zerstörungen damaliger Zeit an sich trägt, die der fleißige Landmann hinter dem Pfluge findet und der unermüdete Altertumsforscher aufsucht. So hat zum Beispiel auf dem jetzigen Retzower Hoffelde früher ein Dorf, Namens Glienken, gelegen.

Wie die Überreste zeigen und im Munde des Volks erzählt wird soll Glienken ein Kirchdorf gewesen sein. Zwischen einem von Ganzlin kommenden Bache und dem Hofe findet man noch jetzt eine Stelle, die etwas höher als der übrige Acker liegt, einen Raum von 200 bis 350 Quadratruthen einnimmt und einem Kirchhofe nicht unähnlich sieht. Selbst die Stelle, wo hier die Kirche gestanden haben soll, ist noch an umherliegenden altertümlichen Bausteinen zu erkennen.

Obgleich der Pflug des Landmannes diesen Ort seit lange urbar gemacht, so hat er doch diese Stelle nicht verwischen können.

Das Dorf Glienken selbst soll sudöstlich vom Kirchhofe gelegen haben, wie dies die Stelle der untergegangenen Dorfschmiede bezeugt, deren Lage man an den umherliegenden Essestücken deutlich erkennen kann.

Wo die Glocken der Kirche geblieben sind, weiß man nicht genau. Viele bringen den in der Nähe sich befindenden sogenannten „Glockenborn" damit in Verbindung. Der Glockenbrunnen ist eine Viertelstunde nordöstlich von der Dorfstelle Glienken, in einem Scheidegraben zwischen dem Ganzliner und Retzower Felde gelegen. Es ist ein rundliches Loch von einem Fuße im Durchmesser und bedeutender Tiefe. In demselben sollen sich 2 Glocken befinden, die vom Teufel bewacht werden, und an jedem Johannismittage an die Oberfläche kommen.

Es sind dies, wie viele meinen, die Glocken der in Glienken zerstörten Kirche, die von rohen Hände in die Tiefe geworfen und der Obhut des Teufels anempfohlen worden sind.
Albrecht von Wallenstein

Albrecht von Wallenstein