Das Teufelsgitter in der St. Marienkirche zu Wismar.

Aus: Mecklenburgs Volkssagen. Band 2
Autor: Gesammelt und herausgegeben von M. Dr. A. Niederhöffer, Erscheinungsjahr: 1862
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Sage, Volkssage, St. Marien-Kirche, Wismar, Denkmal
In der altehrwürdigen St. Marienkirche zu Wismar befindet sich um den Taufstein ein äußerst kunstreich gearbeitetes eisernes Gitter. Dasselbe hat fast das Ansehen, als wäre es aus lauter durcheinander geflochtenen Stricken, ohne Anfang und Ende, zusammen gesetzt; kurz es ist mit so großer Meisterschaft ausgeführt, dass sich jetzt wohl nicht so leicht ein Eisenarbeiter finden dürfte, der ein zweites ähnliches Gitter anzufertigen im Stande wäre.

Der leibhaftige Teufel selbst soll aber auch der geschickte Meister dieses Gitters gewesen sein.

Der Schmied nämlich, bei dem man in alten Zeiten ein recht künstliches Gitter um den Taufstein in der St. Marienkirche bestellt, hatte sich vorgenommen, eine so vorzügliche Arbeit zu liefern, dass die Nachwelt noch seinen Namen mit Bewunderung nennen solle. Da er dies aber nicht konnte, so rief er sich den Teufel zur Hilfe. Dieser erschien auch sogleich und erklärte sich bereit, für den Schmied ein so kunstvolles Gitter zu arbeiten, wie es noch keines Menschen Auge geschattet; jedoch nur unter der Bedingung, dass er ihm dafür seine Seele verschreibe.

Der von Ehr- und Ruhmsucht aufgeblähte Schmied willigte in seiner Verblendung ein, und bald stand auch schon das vom Teufel angefertigte Gitter da. Alle Welt bewunderte dasselbe und rühmte und pries des Meisters große Geschicklichkeit.

Zu spät aber bereute der Schmied sein eitles Beginnen; nach kurzer Zeit schon ereilte ihn der Tod, und der Teufel ging mit seiner Seele zur Hölle. Die Welt aber erfuhr es nur zu bald, wer der eigentliche Verfertiger des Gitters gewesen sei, und um welchen Preis sich der Teufel dazu verstanden habe.

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Wismar - Die Marienkirche um 1800

Wismar - Die Marienkirche um 1800