Das Solbad zu Sülz.

Archiv für Landeskunde in den Großherzogtümern Mecklenburg und Revue der Landwirtschaft. Band 4 (Des Mecklenburgischen Gemeinnützigen Archivs Neue Folge)
Autor: Koch, F. E. Dr. (?-?) Oberlandbaumeister in Güstrow, Bau-Konduktor zu Dömitz, Erscheinungsjahr: 1853

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Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Heilbad, Kurbad, Solbad, Sülze, Kur, Badewanne, Badearzt, Prof. Dr. Samuel Vogel, Baderegeln
Inhaltsverzeichnis
Es war im Jahr 1821, als zuerst die Idee auftauchte, die hiesigen Solquellen auch zu Bädern zu benutzen. Teils waren andere Salinen mit ihrem Beispiel vorausgegangen, und insbesondere war es Bad Elmen bei Schönebeck, welches sich damals eines bedeutenden Rufes erfreute, — teils gab sich ein wirkliches Bedürfnis kund, indem hier nicht allem mehrfache Nachfragen nach Solebädern eingingen, sondern selbst einzelne Kranke sich in Privathäusern der Stadt einmieteten und in gewöhnlichen Badewannen, mit von der Saline erbetener Sole, ihre Kur machten. Bevor man aber zur Ausführung eines solchen Plans schreiten konnte, waren mancherlei Bedenken zu erörtern. Zuvörderst stand es zur Frage, ob ein solches Unternehmen die allerhöchste Billigung erhalten würde, zumal es an Besorgnissen nicht fehlte, dass dasselbe Doberan Eintrag tun möchte. Dann musste ein dazu passendes Terrain von der Stadt akquiriert werden, da das Amtsgebiet den dazu erforderlichen Raum nicht hatte. Ferner entstand die Frage, woher die erforderlichen Summen genommen werden sollten, um die Terrainankäufe und die Bauten zu beschaffen, und endlich war über die Art und Weise zu bestimmen, wie die Anstalt administriert werden sollte.

Um zuerst die allerhöchste Willensmeinung zu erforschen, richtete der damalige Distriktsrat, Kammerrat Steinfeld eine direkte Anfrage an den allerdurchlauchtigsten Großherzog, worauf als Resolution unterm 28. August 1821 ein Befehl an den Geheimen Medizinalrat Vogel erlassen ward, ein Erachten in dieser Angelegenheit abzugeben. Nachdem dies der Sache günstig erstattet war, erging der folgende allerhöchste unmittelbare Befehl unterm 10. September 1821 an den Geh. Kammerrat Steinfeld:

„Nachdem Wir über den Antrag des Kammerrats Steinfeld wegen Anlegung von Solbädern zu Sülz das vorläufige Gutachten des Geheimen Medizinalrats Vogel noch erst eingezogen haben, so wird ihm solches in dem kopellichen Anschlusse mit dem Anfügen kommuniziert: dass Wir die Anlegung von Solbädern zu Sülz im allgemeinen genehmigen und wollen dieserhalb, dass er angemessene Vorschläge zur Einleitung der Sache mache, die desfalls erforderliche Rücksprache mit dem Geh. Medizinalrat Vogel weiter nehmen und auf die näheren Vorschläge alsdann mit bestimmter Resolution versehen werden soll“.

Nun wurden von Seiten des Distriktrats auch die hiesigen Beamten herangezogen; es wurden Zeichnungen von dem Bade Elmen und andern Badeorten erbeten und gewährt und dadurch über die wesentlichen Erfordernisse instruiert, wurden Pläne zu den hier erforderlichen Bauten entworfen und zur Approbation vorgelegt.

Es galt nun, das erforderliche Terrain für die ganze Anlage auszumitteln. Da, wo noch jetzt das letzte Haus der Stadt in der Straße nach der Saline zu liegt, schlängelte sich damals ein kleiner Weg zwischen Gärten hindurch, nach einem freien sumpfigen Wiesenplatz, welcher „der Kuhmarkt" hieß und die Zugänge zu vielen Gärten enthielt, welche rund um ihn her lagen und städtischen Bürgern gehörten. Diese Gärten stießen dann an das Saline-Territorium, und es schien hier der passendste Ort für diese Anlage gefunden, die, da isoliert belegen, teils von Stadtgrund und Boden, teils von Saline-Territorium umgeben war. Diese Gärten also mussten sukzessive akquiriert werden, und dies einzuleiten, war die Hauptaufgabe der Beamten. Inzwischen wurden vom Distriktrate die weiteren allerhöchsten Befehle darüber erbeten: wie die zu begründende Anstalt administriert werden sollte und woher zunächst die Mittel zu den Ankäufen, Bauten und Anlagen genommen werden sollten. Hierauf ward allerhöchst verfügt:

1) Es solle die Anstalt als Nebenzweig der Saline behandelt, die Bestimmungen wegen der Einrichtung aber unmittelbar erteilt werden.
2) Die Anstalt solle, separat fundiert und berechnet, aus sich selbst hervorgehen, und es dürften Anleihen unter spezieller Verpfändung der Badeanstalt, und mit genereller Verhaftung der Saline, kontrahiert werden.
3) Überschüsse, wenn solche früher oder später zu erlangen wären, sollten immer nur dazu dienen, die gemachten Auslagen zu ersetzen und weiter einen Fonds zu fortgehender Verbesserung der Anstalt zu bilden.
4) Zum Badehause sollten die Materialien gegen Arbeitslohn mit freier Anfuhr bewilligt werden, und wären desfallsige Anschläge einzureichen.

Hierauf ward nun mit der Errichtung rasch vorgeschritten. Die Gärten wurden teils durch Kauf, teils durch Tausch erworben; die Stadt aber trat ihrerseits den vorerwähnten Ackerweg nebst dem Kuhmarktsplatz unentgeltlich ab. Über diesen Ackerweg geht jetzt die Kastanienallee, welche nach dem Badehaus führt; der freie Platz aber vor dem Badehaus, worauf jetzt ein Springbrunnen sich befindet und wo an den Sonntagen der Bademonate eine bunte Herren- und Damengesellschaft sich bewegt, ist der ehemalige Kuhmarkt.

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Vogel, Gottlieb Samuel Dr. med. (1750-1837) Professor der Medizin in Rostock, Badearzt in Doberan-Heiligendamm, gilt als Vater des deutschen Seebades

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Hufeland, Christoph Wilhelm (1762-1836) deutscher Arzt und Sozialhygieniker

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Sülz.

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Doberan Herzogl. Palais

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004 Schädel. Hans Holbein

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139 Ignatius von Loyala Besessene und Kranke heilend. Von Peter Paul Rubens

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