Das Kloster zum Heiligen Kreuz zu Rostock.

Autor: Nizze, Adolf, Erscheinungsjahr: 1937

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Themenbereiche
Inhaltsverzeichnis
  1. Die Gründung.
  2. Lage und Gebäude.
  3. Die Kirche.
  4. Innere Entwicklung.
    1. Die katholische Zeit.
    2. Die Reformation.
    3. Die Neuzeit:
  5. Äußere Entwicklung.
    1. Die katholische Zeit.
    2. Die Reformation und Säkularisation.
    3. Die Neuzeit.
  6. Anhang I.
    1. Die Priorinnen, Unterpriorinnen und Dominae.
    Anhang II.
      Die Grabsteine.
Beschreibung des Inhaltes von Steffen Stuth

Die Beschreibung des Klosters zum Heiligen Kreuz von Adolf Nizze

Inmitten der Rostocker Innenstadt gelegen, ist die Anlage des Klosters zum Heiligen Kreuz heute beliebter Ruhepunkt inmitten der geschäftigen Einkaufsstraßen. Einem der historischen mittelalterlichen Marktplätze Rostocks direkt benachbart, aber dennoch abgeschieden, war die Klosteranlage bis in jüngste Vergangenheit eine Welt für sich, anderen Gesetzen unterlegen als die Umgebung.

Erst mit der Umgestaltung zum Museum ab 1975 ist sie für jedermann frei zugänglich. Aber noch heute als Sitz des Kulturhistorischen Museums Rostock beeindruckt die Aura des Klosters mit der mittelalterlichen Kirche, den historischen Kreuzgängen, Dormitorien und dem Refektorium aus der Zeit zwischen dem Beginn des 14. Jahrhunderts und der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, wenn auch verändert, durch Authentizität und Atmosphäre.

Adolf Nizze beschreibt in seinem als Geschichte und Rundgang konzipierten Band die Entwicklung und das innere Leben eines historischen Ortes mit Jahrhunderte langer Tradition, die, obwohl das evangelische Damenstift 1920 geschlossen worden war, zum Zeitpunkt der Entstehung des Manuskriptes und der Drucklegung des Buches immer noch fortbestand. Er bemühte sich dabei sowohl um Kürze, als auch um historische Richtigkeit.
Nizze beschrieb die Lage und die Gebäude des Klosterareals sowie die Kirche mit ihrer bedeutenden mittelalterlichen und nachreformatorischen Ausstattung. So war das Buch zugleich ein Reiseführer, der sich um Beschreibung des Zustandes bemühte.

Nizze schuf so ein bis heute lesenswertes und informatives Buch über das Kloster zum Heiligen Kreuz. Der kleine Band war auch für die Stiftsdamen ein wichtiger Führer und Begleiter, denen sie Gästen bei ihrem Rundgang durch das Kloster mit auf den Weg gaben. Noch 1976 erinnerte sich die letzte hochbetagte Konventualin Margarethe Friederichs in einem Brief an das Buch.

Das Kloster zog bereits zu diesem Zeitpunkt Besucher an, die das historische Ambiente der Räume um einen mittelalterlichen Innenhof suchten und sich deshalb, begleitet von den Bewohnerinnen, Räume und Gänge zeigen ließen.

Nach dem Umbau der Klausur zum Museum seit den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts ist das Buch heute zugleich eines der letzten authentischen Zeugnisse der ursprünglichen Raumsituation im Damenstift, wie sie sich seit der Reformation herausgebildet hatte. Ein Teil der beschriebenen Räumlichkeiten ist verändert. Verdienstvoll und bis heute immer wieder heranzuziehen ist der Anhang mit der Liste der Priorinnen und der Unterpriorinnen. Besonders hinzuweisen ist auf die Beschreibung der historischen Grabsteine, die sich diejenige von Friedrich Schlie im Verzeichnis der Kunst- und Geschichtsdenkmäler des Großherzogtums Mecklenburg-Schwerin ergänzt.

Der Kreuzgang des nach zisterziensischen Prinzipien errichteten Klosters zum Heiligen Kreuz ist auf drei Seiten zweigeschossig. Nizze betrat ihn wie noch heute von Osten vom Klosterhof durch die 1732 errichtete Pförtnerei, heute Eingangsbereich des Museums. Im östlichen Kreuzgang immer noch erhalten, wenn heute auch etwas versetzt, ist das monumentale Gemälde mit der Gründungslegende des Klosters. Der Südflügel, den Nizze für den ältesten Teil der Klausur hielt, umfasste im Erdgeschoss zu seiner Zeit drei Stiftsdamenwohnungen. Heute ist der um 1480 entstandene Saal des Refektoriums wiederhergestellt, Ort für die Präsentation mittelalterlicher Kunstwerke aus Rostocker Klöstern. Ursprünglich enthielt das Erdgeschoss den Arbeitsraum, ein Refektorium für die Nonnen und den Kapitelsaal. Die von Nizze erwähnten unterirdischen Gänge sind sicher in die Welt der Legende zu verweisen.

Nicht mehr erhalten ist die historische Wendeltreppe, die vom westlichen Ende des südlichen Kreuzganges in das Obergeschoss führte. Der erwähnte Räucherboden im Dach, eines der ehemaligen Dormitorien, umfasst heute einen Ausstellungsraum für Gemälde.
Der 1322 fertig gestellte Westflügel besaß vor der Reformation im Obergeschoss einen weiteren Schlafsaal. Wahrscheinlich war er zunächst für die Novizen gedacht. Die von Nizze erwähnten bemalten Decken sind im seit dem Jahr 2002 restaurierten Ausstellungsraum für das Kunsthandwerk des Museums erhalten. Die beiden genannten Wohnungen im Erdgeschoss sind heute wieder der ursprünglichen Gliederung in drei größere Räume, ehemals Winterrefektorium, Sommerrefektorium und Arbeitsraum, gewichen.

Der mittlere der drei Ausstellungsräume ist der beschriebene Klostersaal. Die Gemälde mit den Porträts der Dominas und der Pröpste sind erhalten und werden heute im Kreuzgang ausgestellt. Der ehemals hier aufbewahrte Klosterschatz befand sich zur Zeit Adolf Nizzes bereits im Mecklenburgischen Landesmuseum, heute Staatliches Museum Schwerin.

Der nach Norden ausgreifende und von der Klausur abgeschiedene Flügel enthielt im Mittelalter im Obergeschoss einen Schlafsaal für die Laienschwestern und die Konversen. Am nördlichen Ende, vermutlich von Außen zugänglich, lag das Hospital, in dem Pilger und Kranke gepflegt wurden. Nach der Verlegung des Refektoriums in den Südflügel entstand im nordwestlichen Erdgeschoss Ende des 15. Jahrhunderts ein neuer Kapitelsaal. Er wurde bis 1980 rekonstruiert. Hier befindet sich auch die letzte erhaltene Stiftsdamenwohnung innerhalb der Klausur, zur Zeit nicht zugänglich. Die von Nizze erwähnte und mit einem Foto abgebildete mittelalterliche Nonnenzelle mit ihrer Ausmalung aus dem 16. Jahrhundert ist erhalten und wird nach der Restaurierung des Nordwestflügels voraussichtlich ab Herbst 2005 wieder zugänglich sein.
Südöstlich der Klausur lag der Wirtschaftshof, der sogenannte Nonnenhof, der ursprünglich bis zur Schwaanschen Straße reichte. Er ist seit dem 18. Jahrhundert durch die Bebauung mit den Gebäuden und den Gärten des herzoglichen Palais verkleinert. Am Klosterhof erinnern noch heute die Klosterhäuser, eine Zeile von sechs barocken Wohnhäuser für den Propst und einige Konventualinnen, an das Damenstift.

Westlich der Klausur schlossen sich mehrere Anbauten, u.a. das Waschhaus und die Küche, an. Hier lagen neben einem Fischteich wahrscheinlich auch die Gärten und die Aborte.

Einen eigenen Abschnitt widmet Nizze der Klosterkirche zum Heiligen Kreuz, seit 1899 nach einer Restaurierung durch Gotthilf Ludwig Möckel als Universitätskirche genutzt. Von Möckel stammt die neogotische Ausmalung des Kirchenraumes und das ebenfalls in neugotischen Formen gehaltene Gestühl.
Die Ausstattung der Kirche gehört zu den am besten erhaltenen aus dem Mittelalter. Von den von Nizze beschriebenen Kunstwerken sind alle bis auf den Laienaltar, der während seiner Auslagerung im Zweiten Weltkrieg verloren ging, noch vorhanden. Zur Zeit Nizze schon nicht mehr erhalten, weil bei der neogotischen Restaurierung der Kirche 1898 abgebrochen, aber von ihm dennoch mit einem Foto dargestellt, war der Lettner, der bis 1898 den Chorraum vom Langhaus trennte. Die ehemals als Lettnerkanzel entstandene Kanzel aus dem Jahr 1616 wurde damals an die Seitenwand versetzt. Der Kreuzaltar von der bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts abgebrochenen Nonnenempore im Langhaus steht seit 1899 links vom Chor im nördlichen Seitenschiff. Die Triumphkreuzgruppe umfasst bis heute das Reliquiar mit den Splittern vom Kreuze Christi.
In den Abschnitten zur inneren und äußeren Geschichte des Klosters bemüht sich der Autor, den Forschungsstand seiner Zeit einzubeziehen, der noch bis in die letzten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts die Basis des Wissens über das Kloster war. Erst in den letzten Jahrzehnten haben Untersuchungen Erkenntnisse erbracht, die uns neue Sichtweisen auf die Frühzeit des Klosters ermöglichen.
So gibt Nizze in bezug auf die Klostergründung 1270 nicht die Fakten, sondern die Legende wider, die sich um die vermeintliche Gründerin und ihre Gründung ranken. Das Kloster zum Heiligen Kreuz wurde demnach durch die dänische Königin Margarete als Sühne gestiftet. Es ist nach seiner Hauptreliquie, Splitter vom Kreuz Jesu Christi, benannt, die sie von einer Pilgerfahrt aus Rom nach Rostock gebracht haben soll. Die verwitwete Königin lebte wahrscheinlich die letzten Jahre ihres Lebens im 1276 von Papst Innozenz V. bestätigten Kloster. 1282 wurde sie im Kloster Doberan beigesetzt. Die zum Beleg herangezogene auf den 22. September 1270 datierte Gründungsurkunde ist jedoch heute als Fälschung aus der Zeit um 1300 erkannt.
Das Zisterzienserinnenkloster war eines von vier mittelalterlichen Klöstern in Rostock. Neben dem seit 1243 nachweisbaren Franziskanerkloster St. Katharinen in der Altstadt, dem 1256 gestifteten Dominikanerkloster St. Johannis in der Mittelstadt siedelten sich die Nonnen Mitte des 13. Jahrhunderts in der Neustadt an. Obwohl die Ordensregel bestimmte: „Keines unserer Klöster ist in Städten, Kastellen oder Dörfern zu errichten, sondern an entlegenen Orten, fern vom Verkehr der Menschen“, wurden die bis heute erhaltene Gebäude der Klausur des Klosters mit Ausnahme des nordwestlichen Flügels zwischen 1300 und 1350/60 innerhalb der Stadtmauer errichtet. 1396 entstand außerhalb der Mauern das Kartäuserkloster Marienehe. 1456 ließen sich in der heutigen Altbettelmönchstraße die Brüder zum gemeinsamen Leben nieder. Auf einem Gartengrundstück der Nonnen entstand das Fraterhaus (Michaeliskloster).
Das Kloster nahm vorwiegend Töchter aus bürgerlichen Familien Rostocks auf. An seiner Spitze stand die Priorin als Äbtissin. Sie besaß die Aufsicht und hatte die Disziplinargewalt über die Nonnen. Seit 1453 stand ihr eine Unterpriorin als Vertreterin zur Seite. Der Propst, im Mittelalter zumeist ein Dominikanermönch aus St. Johannis, war für die weltliche Verwaltung des Besitzes verantwortlich. Um 1300 lebten wahrscheinlich 20 Nonnen im Kloster. 1354 wurde ihre Zahl auf 60 reduziert. Der Besitz des großen und wirtschaftlich starken Klosters mit zahlreichem Grundbesitz und Einkünften wurde im Mittelalter durch Stiftungen und Zukäufe vermehrt. 1492 ordnete der Bischof von Schwerin neu. Seitdem lebten innerhalb der Klausur 40 Nonnen und 10 Laienschwestern.

In der Reformation verweigerten die Zisterzienserinnen bis 1562 die Annahme des neuen Glaubens. Energisch wehrten sie die Versuche des Rates ab, einen lutherischen Prediger an der Klosterkirche einzusetzen und das Kloster zu schließen. 1558 wandten sich einige Nonnen dem neuen Glauben zu. In einem Erbvertrag zwischen den mecklenburgischen Herzögen und der Stadt Rostock wurde das Kloster zum Heiligen Kreuz 1584 in ein evangelisches Frauenstift umgewandelt.

Die Klosterordnung von 1586 bestätigte den Bestand des Klosters und regelte die Verwendung der Einnahmen aus seinem Besitz für Unterhaltung des Stiftes. Am Kloster wurde ein evangelischer Prediger angestellt.
1605 wurde die Zahl der Stiftsdamen im Kloster zum Heiligen Kreuz auf zwanzig begrenzt. Während die Stiftsdamen zunächst die Schlafzellen der Nonnen nutzten, entstanden in der Klausur mit der Zeit Wohnungen aus mehreren Räumen bestanden, welche die Bewohnerinnen nach ihrem Geschmack einrichten konnten.

Mit dem allgemeinen Niedergang in Mecklenburg im 17. Jahrhundert verschlechterte sich die wirtschaftliche Situation auch. Seit dem 18. Jahrhundert schrumpfte der Grundbesitz. Nach mehreren Versuchen im 19. Jahrhundert wurde das Kloster zum Heiligen Kreuz in der Weimarer Republik 1920 geschlossen und der Besitz durch den Freistaat Mecklenburg-Schwerin eingezogen. Zu diesem Zeitpunkt waren vom ausgedehnten Grundbesitz des Klosters nur noch die Güter Schmarl und Lütten Klein geblieben. Die 1920 verbliebenen Stiftsdamen behielten lebenslanges Wohnrecht. 1930 wurde eine letzte Domina gewählt. Die letzte Konventualin, Margarete Friedrichs, wurde 1948 aufgenommen. 1978 musste sie das Kloster verlassen. Sie starb 1981.
Seit dem zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts wurden die frei werdenden Klosterwohnungen vermietet. Teile der Klausur nutzte die Universität. Pläne zur Umgestaltung von Kirche und Klausur zur Universitätsbibliothek wurden verworfen.

Seit 1976 ist das Kloster zum Heiligen Kreuz Museum, Sitz des Kulturhistorischen Museums Rostock mit seinen umfangreichen und bedeutenden Beständen zu Rostocker und norddeutschen Kunst- und Kulturgeschichte mit seinen Ausstellungsräumen. Der Westflügel wurde noch bis in die neunziger Jahre als Kindergarten genutzt, was hier zu weiteren Verlusten an historischer Substanz führte. 2002 wurde der restaurierte Flügel als neuer Ausstellungsbereich des Museum eröffnet.

Auch wenn die Abgeschiedenheit heute einer neuen Funktion als Ort für Geschichte und Kunst gewichen ist, hat das Klosters zum Heiligen Kreuz seine besondere Identität stiftende Funktion behalten. Das Buch Adolf Nizzes kann trotz aller Veränderungen bis heute als Begleiter durch die historischen Räume der Anlage dienen. So ist es wert, weiter in die Hand genommen und gelesen zu werden als ein wichtiges Zeugnis Rostocker Vergangenheit und Geschichte.

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