Das Kloster Doberan und der Heilige Damm

Aus: Mecklenburgs Volkssagen. Band 1
Autor: Gesammelt und herausgegeben von M. Dr. A. Niederhöffer, Erscheinungsjahr: 1858
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Sage, Volkssage, Ostseebad Bad Doberan,
Im Mecklenburger Lande, umringt von düsterm Wald,
Nicht fern vom Meeresstrande, wo wild die Brandung hallt,
Da stand in grauen Zeiten, wo Finsternis und Wahn
Das Land noch wollt bestreiten, das Kloster Doberan.

Des Heilands Wort zu künden im Lande weit und breit,
Von Heidentum und Sünden zur milden Christenheit,
Das rohe Volk zu leiten durch Lieb und Wahrheitsstärk,
Das war zu allen Zeiten der frommen Mönche Werk.

Der Götzenpriester Stimme im Hass für Christi Wort
Riss oft zu wildem Grimme die blinden Heiden fort.
Und mancher Heilge büßte für Lieb mit Qualentod,
Doch Gottesfurcht versüßte den' Frommen jede Not.

Nie ward aus ihrem Munde ein Klageton gehört,
Es wurde aus dem Grunde das Kloster selbst zerstört;
Die Mönche stark im Glauben, sie stellten 's wieder her,
Nicht Mord, noch Brand, noch Rauben erstickte ihre Lehr.
„Dereinst wird dennoch dringen die lautre Wahrheit durch
Das Werk es muss gelingen, denn Gott ist unsre Burg."
Bei solchem Hochvertrauen schreckt keine Müh sie ab
Und sahn sie ohne Grauen in Qualen, Not und Grab.

Es häuften sich die Leiden der Mönche immer mehr,
Denn ärger als die Heiden bedrängte sie das Meer:
Die Ostsee überschwemmte so wütend rings das Land,
Dass nicht die Wogen hemmte ein Werk von Menschenhand.
Es stürmten oft die Wellen zum Kloster selbst herein,
Verderbte Trank und Speisen; dass auf dem Klosterdach
So mancher dieser Waisen dem Hungertod erlag.
Wer fliehend wollt vermeiden die grause Hungersnot,
Fand meist; wenn nicht durch Heiden; in Fluten seinen Tod.
In allen diesen Nöten; so schaurig; ließen sie
Vom Singen und vom Beten für Andrer Seelen nie.
Oh Liebe sonder Gleichen! Der Himmelskrone wert,
Wie weit muss Irrtum weichen; wo du die Wahrheit lehrst!
Doch eh' die heil'ge Lehre sie sollten siegen sehen,
War noch für Gottes Ehre manch Leiden zu bestehen.

Die Priesterschaft der Götzen wollt mit vereinter Kraft
Den letzten Stoß versetzen der frommen Brüderschaft.
Sie drohte mit der Götter gewaltgem Zorn dem Land,
Mit Blitz und Hagelwetter und hohem Wasserstand,
Wofern der Mönche Worten das Volk sein Ohr noch lieh,
Und reizte aller Orten zur Feindschaft wieder sie.
Kein Bruder durft sich wagen hinunter in das Land,
Er wurde stracks erschlagen von grimm'ger Heidenhand.
Und gleich, wie hier vom Lande, bedrohte auch Gefahr
Zur selben Zeit vom Strande die fromme Brüderschar.
Das Meer hatt' sich erhoben und nahte sich mit Braus,
Man hörte schon das Toben, nicht fern vom Gotteshaus.

Die gier'gen Wölfe heulen, die Brandung tobt und kracht
Es kreischen Scharen Eulen ihr „Schuhu!" durch die Nacht.
Die wilden Opferlieder der Heiden schallen drein,
Kein einz'ger Stern blickt nieder, der Mond versteckt den Schein;
Doch drinn' im Gotteshause, da treten still hervor
Die Mönch aus enger Klause und sammeln sich im Chor.
Sie setzen still sich nieder beim schwachen Lampenlicht
Und schauen hin und wieder mit Wehmut im Gesicht.
Und stehe, da erhebet mit Würde sich ein Greis,
Hat hundert Jahr gelebet, sein Bart ist silberweiß.
Und fromm die Hände faltend, blickt er zum Himmel an,
Und spricht, am Stab sich haltend, mit sanfter Stimme dann:
„Wenn Menschenkraft sich endet, von wo kommt Hülf uns her,
Wenn Er sie uns nicht sendet, dem Himmel, Erd und Meer,
Und was da lebt und webet, zum Dienst ist untertan?
Zu Ihm, oh Brüder, hebet die Herzen himmelan!
Denn dem, der stark im Glauben sich nahet mit Gebet
Kann nichts die Hülfe rauben, sie kommt, ob früh, ob spät! —
Warum denn feig verzagen? Oh, hebet Herz und Hand,
Lasst Ihm das Leid uns klagen und dem, den Er gesandt.
Und Er wird gnädig wehren der grausen Wassernot,
Damit zu seinen Zeiten wir pred'gen sein Gebot." —

Es schweigt der fromme Pater, und Jeder beugt das Knie
Und sieht zum Himmelsvater, so brünstig, wie noch nie;
In glühn'der Andacht dringen die Wort' aus Brust hervor
Dann heil'ge Lieder schwingen zum Himmel sich empor.
Und Engel schweben nieder vom hohen Sonnenzelt
Zu sehn die frommen Brüder, die frömmsten dieser Welt.

Derweil die Andern sangen, blieb Einer Wache stehn,
Der war hervorgegangen aufs Meer hinauszusehn.
Und hell schon strahlt die Sonne, da kommt er schnell zurück,
Sein Antlitz kündet Wonne, in Tränen schwimmt sein Blick:
„Singt Lob dem Herrn, ihr Brüder, ein Wunder ist geschehn!
Das Meer ich sah es wieder, zurück zum Strande gehn.
Ein Lüftchen ganz gelinde, triebs so geschwind von dann'n,
Wie vor dem stärksten Winde ein Schiff nicht fliehen kann.
Ich folgt, wie nachgezogen, dem Meer im vollen Lauf —
Es hielt die fliehn'den Wogen, mein schwacher Lauf nicht auf —
Ich sah es endlich wieder, wer schildert! was entzückt —
Ihr guten, frommen Brüder — mein Auge da erblickt:
'nen Damm von höhern Händen, der hin am Meere streicht,
Dass beide seiner Enden das Auge nicht erreicht.
Von runden, glatten Steinen, oh geht, seht selbst ihn an,
Weil ich nur dankend weinen und nicht erzählen kann."

Der Gotteskinder Danken, wie weinend sie zugleich
Am Altar niedersanken in Rührung fromm und weich!
Wie wortlos ihre Seelen sich schwangen auf zum Licht —
Ein Andrer mag's erzählen, denn ich vermag es nicht.

Wie nun die Heiden sahen den wunderbaren Damm,
Erlosch im Fern und Nahen gar manche Opferflamm:
„Fürwahr die Mönche finden sich unter höherm Schutz!
Der Gott, den sie verkünden, der biet't dem unsern Trutz,
Der sie mit ihrer Lehre, so wunderbar erhält
Ist wert, dass Alles ehre in ihm den Herrn der Welt!"
Von brünstigem Verlangen beseelt, kam Haus auf Haus
In's Kloster, zu empfangen die heil'ge Christentauf.
Da hatt' den Sieg errungen des Heilands reine Lehr,
In Kurzem ward gesungen zu keinem Opfer mehr.

      Das Kloster konnt vergehen,
      Der Mönche Werk besteht,
      Besteht und wird bestehen,
      Wenn auch die Welt vergeht.
      Und, wie der Christenglaube
      Von überird'schem Stamm
      Wird nimmer auch zum Raube
      Der Zeit— der heil'ge Damm.
Der Kamp mit dem Herzoglichen Palais.

Der Kamp mit dem Herzoglichen Palais.

Der Kamp in Doberan.

Der Kamp in Doberan.

Das Stahlbad zu Doberan.

Das Stahlbad zu Doberan.

Die Kapelle in Althof.

Die Kapelle in Althof.

Der Heilige Damm und die Ostsee.

Der Heilige Damm und die Ostsee.

Das Salon- und das Badehaus in Heiligendamm.

Das Salon- und das Badehaus in Heiligendamm.

Der Neue Markt in Doberan.

Der Neue Markt in Doberan.

Die Großherzoglichen Logierhäuser in Heiligendamm.

Die Großherzoglichen Logierhäuser in Heiligendamm.

Das Sommerhaus der Alexandriene.

Das Sommerhaus der Alexandriene.

Die Kirche - Das Doberaner Münster.

Die Kirche - Das Doberaner Münster.

Der Kamp nach Osten.

Der Kamp nach Osten.

Das Großherzogliche Palais in Doberan.

Das Großherzogliche Palais in Doberan.

Das Innere der Kirche zu Doberan.

Das Innere der Kirche zu Doberan.

Blick auf den Buchenberg zu Doberan.

Blick auf den Buchenberg zu Doberan.