Das Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin - Industrie, Landwirtschaft, Handwerk, Fischerei. 1828

Aus: Geographische Beschreibung der Großherzogtümer Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz
Autor: Hempel, Gustav (?), Erscheinungsjahr: 1829
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Mecklenburg-Schwerin, Mecklenburg-Strelitz, Landesbeschreibung, Ortsbeschreibung, Städte
Mecklenburg steht in Hinsicht der produzierenden Industrie, vorzüglich in Beziehung auf Ackerbau und Viehzucht, auf keiner niedrigen Stufe, und erzeugt einen großen Reichtum an Produkten der Landwirtschaft, welche in neueren Zeiten bedeutend verbessert, sich jetzt in einem hohen Kulturzustand befindet.

Demnach wird der Ackerbau, welcher die Hauptquelle des Unterhalts und des Nationalreichtums ist mit vielem Fleiße betrieben, und überall ist man auf Verbesserung desselben eifrig bedacht. Seit der Einführung der sogenannten Schlägewirtschaft — nach welcher alles zu einem Gute gehörige Ackerland in gewisse Abteilungen oder Schläge, deren gewöhnlich 6, 7, 10, 11, oder 14 sind, geteilt wird, welche nach einer bestimmten Ordnung abwechselnd entweder brach liegen, oder zum Getreidebau oder zur Weide bestimmt sind — und besonders in den neuesten Zeiten hat sich der Ackerbau um vieles vervollkommnet, so dass Mecklenburg eine so große Menge Getreide ausführt, als im Verhältnisse des Flächen-Inhaltes, und des nur zum Teil fetten Bodens, indem es auch vielen Mittel- und Sandboden gibt — nicht zu gedenken des bedeutenden Raums, den die Gewässer, Brüche, Wiesen und Waldungen einnehmen — nicht leicht ein anderes deutsches Land. Öffentliche Blätter vom Jahr 1824 gaben als die reine Einnahme Mecklenburgs von seinen Gütern die Summe von 5.633.325 Rthlrn. an, nach folgender Berechnung:

an Winterfrüchten 34.880 Last (96 Schfl.) à 60 Rthlr. = 2.092.800 Rthlr.
an Sommerfrüchten 34.880 Last à 40 Rthlr. = 1.395.200 Rthlr.
an Pacht für 149.500 Kühe à 8 Rthlr. 1.196.000 Rthlr.
an Ertrag von 747.500 Schafen = 747.500 Rthlr.
vom Tabaksbau = 149.500 Rthlr.
für verkauftes Vieh und dessen Abfall 52.325 Rthlr.

Die Richtigkeit dieser Angaben sei dahin gestellt; auch fehlt dabei der Ertrag des Raps, des Flachses usw. Übrigens belaufen sich die Einnahmen für verkauftes (gemästetes) Vieh gewiss auf weit größere Summen, dahingegen scheint der Tabakanbau etwas hoch angeschlagen zu sein.

Man baut von Getreidearten: Weizen, Roggen, Gerste, Hafer und Buchweizen an. Von Hülsenfrüchten werden besonders Erbsen gezogen. Der Kartoffelbau ist überaus bedeutend, und erweitert sich immer mehr. Von Ölgewächsen wird am meisten Raps angebaut, dessen Anbau seit einigen Jahren sehr zugenommen hat. Der Flachsbau ist weit stärker, als der des Hanfes, aber doch kaum zur inländischen Konsumtion hinreichend. Tabak wird in ziemlich bedeutender Quantität erzeugt, doch jetzt nicht mehr so häufig als früher. Der Obstbau ist von ziemlicher Bedeutung, und obgleich das schon nördlichere Klima denselben nicht sehr begünstigt, so wird doch in guten Obstjahren bedeutend seewärts ausgeführt. Doch hat der Obstbau in neueren Zeiten vielleicht eher ab, als zugenommen. Man zieht besonders Äpfel (davon eine eigene sehr beliebte und unter dem Namen der Rostocker Äpfel bekannte Sorte, die häufig nach dem Norden geht.) Birnen, Pflaumen und Kirschen. Rostock verbindet mit seinem ansehnlichen Obstbau auch Treibhauskultur, und verschickt Obstbäume, Blumen und Sämereien.

Die Viehzucht steht mit dem Ackerbau im gleichem Flor, und macht mit allen ihren Zweigen einen wichtigen Gegenstand der produzierenden Industrie aus. Die Pferdezucht blühet sowohl auf den herrschaftlichen als ritterschaftlichen Gütern, doch vorzugsweise auf letzteren, und Mecklenburg gehört unter diejenigen deutschen Länder, die sich in diesem Zweige der Viehzucht auszeichnen. Die inländische Rasse, stark und munter, obgleich nicht so groß als die Holsteinische, wird sehr geschätzt; auch hat man sie durch Engländer und Araber noch mehr veredelt, wozu das Großherzogliche Landgestüt zu Redefin und mehrere Stutereien der ritterschaftlichen Gutsbesitzer z. B. zu Ivenack, Weitendorf, usw. beitragen.

Die Rindviehzucht ist gleichfalls bedeutend, und man sucht sie zum Teil durch Jütländische Rassen zu verbessern. Die Mecklenburgische Butter wird sehr geschätzt, obwohl sie nicht so fett als die Holsteinische ist. Die Zahl der Kühe soll gegen 150.000 betragen. Im Ganzen scheint in neuern Zeiten die Rindviehzucht durch die zunehmende Schafzucht etwas abgenommen zu haben.

Die Schafzucht ist sehr ansehnlich, und in neuern Zeiten nicht nur sehr vergrößert, sondern auch durch Merinos sehr veredelt worden. Man legt sich immer mehr auf die Gewinnung von feiner Wolle, besonders in den ritterschaftlichen Gütern. Im Jahr 1825 wurde die Anzahl der Landschafe in Mecklenburg Schwerin auf 640.876 berechnet, und der Wollertrag derselben auf 59.282 Stein, an Werth 516.241 Rthlr. in neuen Dritteln. —

Auch die Schweinezucht ist sehr ausgebreitet, und die Federviehzucht wird allenthalben betrieben, besonders stark die Gänsezucht. — Die Bienenzucht ist in manchen Orten ziemlich ansehnlich, könnte aber im Ganzen bedeutender sein.

Die Fischerei sowohl in der Ostsee, als besonders in den zahlreichen Flüssen, Teichen und Seen ist sehr ergiebig und beschäftigen viele Menschen, sowohl auf dem Lande, als in den Städten. Die Seefischerei könnte wohl bedeutender sein, doch werden auf Fischland, bei Warnemünde und an andern Orten viele Heringe gefangen, und geräuchert ins Ausland geschickt; auch Butten, Schollen, Dorsche, Krabben usw. fängt man. Bei Boitzenburg werden viele und vortreffliche Lachse gefangen, welche öfters über 30 Pfund wiegen.

So sehr auch Mecklenburg in Hinsicht der produzierenden Industrie fortgeschritten ist, so wenig kann man dies von der veredelnden Industrie sagen, die vielmehr in Begleichung gegen andere Deutsche Länder noch sehr unbedeutend ist. Es gibt zwar in den Städten die notwendigen Handwerker und Künstler, und zum Teil in beträchtlicher Menge, aber eigentliche Fabriken und Manufakturen existieren nur in geringer Zahl, und selbst diese sind von keiner großen Bedeutung, oder haben doch keinen Einfluss auf das Ganze. Folgende Gegenstände des Kunstfleißes sind bemerkenswert:

1. Die Tuch-, Fries- und Boyweberei. Sie ist im Zunehmen begriffen, und beschäftigt in den Städten 296 Meister; davon befinden sich in Malchow 130, welche im vorigen Jahre 4.218 Stück Tücher und Coatings verfertigten — meistens grobe Waren; doch wurden manche Tücher à Elle*) mit 2 Rthlrn. bezahlt. Außerdem befindet sich eine Tuchmanufaktur zu Schwerin, welche im Jahr 1817 schon 125 Personen beschäftigte.

*) Nach landesherrlicher Verordnung galt für die Mecklenburgische Elle die Hamburger Elle = 0,573 Meter. Doch existierten außerdem noch die Rostocker Elle = 0,575 Meter, die Wismarsche Elle = 0,582 Meter und die Strelitzer Elle = 0,691 Meter.

2. Die Lederfabrikation, wohin die ziemlich zahlreichen Lohgerbereien gehören, davon Rostock die meisten und bedeutendsten hat. Es sind daselbst 41, und in den übrigen Städten 78 Loh- und Weißgerber. Zu Schwaan ist eine Lederfabrik.

3. Die Fabrikation des Tabaks ist nicht unbedeutend und wird in den Städten von 12 Fabriken und 49 einzelnen Fabrikanten und Spinnern betrieben.

4. Papier wird auf 7 Papiermühlen verfertigt, größtenteils aber nur Löschpapier und schlechtes Schreibpapier.

5. Die Glasfabrikation auf 7 Glashütten produziert alle Arten ordinärer grüner Glaswaren, Bouteillen, Gläser, Fensterglas usw., wovon in Menge ausgeführt wird.

6. Die Branntweinbrennereien, deren es eine überaus große Menge sowohl in den Städten, als in den Rittergütern und Domainen gibt, doch weniger in letzteren.

Noch können angeführt werden: mehrere Essigbrauereien, von welchen die Rostocker vorzüglich guten Essig bereiten; die 54 Grützmühlen, welche eine große Menge von Grütze verfertigen, und die 28 Teer-Öfen.
Getreideernte, ein Fuder Getreidegarben

Getreideernte, ein Fuder Getreidegarben

Getreideernte

Getreideernte

Bauern beim Dreschen

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Kühe auf der Wiese

Kühe auf der Wiese

Kühe im Stall

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Mittagstisch auf dem Bauernhof

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Ochsengespann

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Pferdestall auf dem Gut

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Schäfer mit seiner Herde auf dem Heimweg

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Hahn und Hennen

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Ochsen vor dem Pflug

Ochsen vor dem Pflug

Pferd zum Beschlag in der Dorfschmiede

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Johann Heinrich von Thünen (1783-1850) mecklenburgischer Agrar- und Wirtschaftswissenschaftler, Sozialreformer und Musterlandwirt.

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Hart ist das Leben für die Fischer an der Ostsee.

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In der Saison wird jede Hand gebraucht

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Hochdruck-Dampfmaschine mit Freischwingendem Zylinder von Dr. Ernst Alban

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Alban, Ernst (1791-1856) Maschinen-Fabrik in Plau

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Alban, Ausstellungsbereich im Burgmuseum Plau

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