Das Gespenst zu Hohen-Bünsow.

Aus: Die Volkssagen von Pommern und Rügen
Autor: Gesammelt von Temme, Jodocus Donatus Hubertus (1798-1881) Politiker, Jurist und Schriftsteller, Erscheinungsjahr: 1840
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Sage, Volkssage, Pommern, Hohen-Bünsow, Rubkow
Zu Weihnachten des Jahres 1687 hat sich in dem Pfarrhause des Dorfes Hohen-Bünsow ein gar sonderbarliches Gespenst eingefunden. Es erschien am ersten Weihnachtstage, als der Pastor nicht zu Hause, sondern zur Verrichtung von Predigten nach Rubkow gereist war. An dem Abend dieses Tages, wie es etwas finster geworden, und seine Frau und Tochter sich in der Stube mit Singen und Beten beschäftigten, erschien das Gespenst auf einmal an der Stubentür, und hat bald wie ein Hund gebellt, bald geschrieen wie ein Ziegenbock, bald an der Stubentür gekratzt und gewaltsam gerissen, um sie zu öffnen. Das hat also lange gedauert, obgleich die Frau und Tochter des Predigers fleißig am Beten verblieben, bis zuletzt die Tochter Mut gefasst, und an die Tür getreten und mit lauter Stimme ausgerufen:

Du Teufel, du höllische Schlange, des Weibes Samen soll dir den Kopf zertreten!

Worauf der Geist von der Stubentüre gewichen, und zu der Küchentüre gegangen. In der Küche war die Magd des Pfarrers. Diese hatte Mut, und nahm zwei Stücke Holz, die warf sie nach ihm, so dass sie ins Kreuz zu liegen kamen. Da fuhr er plötzlich durch die verschlossene Haustüre ab, einen graulichen Gestank hinter sich zurücklassend. Dabei hat man denn vermerket, dass es der Teufel selbst sein müsse, denn er hat einen langen Schwanz und einen großen Pferdefuß gehabt. — Man hat das Gespenst nicht wiedergesehen.

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Temme, Jodocus Donatus Hubertus (1798-1881) Politiker, Jurist und Schriftsteller

Temme, Jodocus Donatus Hubertus (1798-1881) Politiker, Jurist und Schriftsteller