Das Entstehen des Kritzower Sees und des schwarzen Berges bei Kritzow, unweit Lübz.

Aus: Mecklenburgs Volkssagen. Band 3
Autor: Von B. zu B., Erscheinungsjahr: 1860
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Sage, Lübz, Brok, Wessentin, Barkow, Kritzow, Barkower Holz, Kritzower See, Hünen Gräber
Im Dominialamte Lübz, zwischen den Feldmarken Brok, Wessentin, Barkow und Kritzow liegt der Kritzower See, über dessen Entstehung mir von einer alten, aus Wessentin gebürtigen Frau Nachstehendes erzählt wurde:

In alten Zeiten wurde unser Land von Hünen bewohnt, und habe ich selbst noch, wenn wir als Kinder zum Erdbeerenpflücken in das Barkower Holz gingen, verschiedene runde Erhöhungen in demselben gesehen, von welchen uns gesagt wurde, dass sie die Gräber der jetzt ausgestorbenen Hünen seien. Jetzt ist aber genanntes Holz zum größten Teile ausgerodet, und zu Acker gemacht, bei welcher Gelegenheit auch die Hünengräber vernichtet worden sind.

Jedoch ein Werk haben die Hünen hier hinterlassen, welches noch lange ihr Andenken in hiesiger Gegend erhalten wird. Am Ufer des wohl eine halbe Stunde langen, aber nicht sehr breiten Kritzower Sees erhebt sich in einer sonst flachen Gegend ein ziemlich steiler und umfangreicher Hügel, der schwarze Berg genannt, welcher nebst dem See selber einer Hünentochter seine Entstehung verdankt.

Wo nämlich jetzt der See und der schwarze Berg sich befinden, ist früher ebenes Land gewesen, in dessen Nähe ein alter Hüne mit seiner Tochter gewohnt hat. Diese geht eines Tages dort spazieren. Von Langerweile geplagt, wirft sie sich nieder, füllt ihre Schürze mit Sand, trägt selbigen weg und streut ihn in der Umgegend aus. Dann kommt sie noch einmal und holt eine zweite Schürze voll Erde, womit sie es eben so macht. Als sie aber zum dritten Male ihre Schürze voll gemacht, reißt das Schürzenband, und die ganze Schürze voll Sand bleibt auf einer Stelle liegen; dies ist der schwarze Berg.

Der Ort, wo sie die drei Schürzen voll Erde weggenommen, ist voll Wasser gelaufen, und das ist jetzt der Kritzower See.

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