Chronik der Insel Usedom - Von der Sage von Vineta

Ein Beitrag zur Geschichte Vorpommerns
Autor: Gadebusch, Wilhelm Ferdinand (?) Königlicher Rentmeister und Amts-Rat, Erscheinungsjahr: 1862
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Wolgast, Usedom, Peene, Pommern,
Im Anhang dieser Blätter (Cap. 10) geschieht ausführlich Erwähnung von der Lage und Örtlichkeit der Steintrümmer, welche etwa eine halbe Meile vom Kirchdorfe Koserow und von dem Streckelsberge entfernt, gegenüber dem Ackerwerk Damerow sich von der dortigen schmalen Landenge gen Norden weit hinaus in die Ostsee erstrecken. In geognostischer Beziehung wird ebendaselbst gezeigt, dass diese Stein-Trümmer ehedem dem Strande angehörig gewesen und vom Meere samt einer Landzunge oder Landspitze verschlungen worden, deren Spuren von Zeit zu Zeit zu Tage kommen. Unleugbar erscheint es aber sowohl geognostisch als historisch begründet, dass die hiesige Küsten-Gegend große Einbrüche des Meeres, mit Erdfällen und Überschwemmungen begleitet, erlitten hat. Noch heut zu Tage wiederholen sich seine Angriffe mehr oder weniger fast alljährlich, deren verheerende Wirkung den Untergang der Landzunge nach sich gezogen hat.

Diese versunkenen rätselhaften Stein-Trümmer bilden nach der Sage die Stätte der untergegangenen Stadt Vineta, einstmals die berühmteste See- und Handelsstadt im alten Wendenlande; lange vor Wisby auf Gothland das Emporium des Handels im Norden, wozu sie durch die natürlichen Vorteile ihrer Lage auf der Landspitze am Meere und an der Mündung eines östlichen Armes der Peene ganz besonders und mehr als irgend ein Punkt auf der Pommerschen Küste befähigt war. Ihren Hafen konnte der Peene-Strohm sicher bilden und die Verbindung mit dem Binnenlande bequem vermitteln, bevor die Landspitze von den Wellen verschlungen und die Mündung des Strohms (das jetzige Ryck) im Sande der Dünen verschüttet war.

Aus der Betrachtung dieser für Handel und Seeraub so günstigen Lage lässt sich bei unbefangener und richtiger Würdigung der uralten im Volksbewusstsein wurzelnden Sage und bei Vergleichung der ihr zur Seite stehenden historischen Nachrichten nicht anders als zu dem Schlusse kommen, dass die Sage vollkommen glaubwürdig ist und dass das einstige Dasein von Vineta auf einer Tatsache beruhe, wofür sie von allen altern Pommerschen Geschichtsschreibern anerkannt worden ist*). Keine Zweifel sind früher dagegen erhoben, bis solches zuerst gegen Ende des vorigen Jahrhunderts von dem Probst Zöllner aus Berlin geschah. Als dieser auf seiner in Pommern unternommenen Reise am Strande bei Damerow angelangt, keine verfallenen, aus dem Meere hervorragenden Mauern und Türme wahrnehmen konnte und sich in seiner Erwartung getäuscht sah, folgerte er daraus, dass es niemals ein Vineta gegeben und dass auf die alte Sage kein Gewicht zu legen sei. Zöllners oberflächlichem Urteil sind neuere Schriftsteller nicht allein gefolgt, sondern haben noch weiter behauptet, dass bei dem alten Geschichtsschreiber Helmold ein Lese- oder Schreibfehler vorgekommen sei, weshalb alle Historien von Vineta der Stadt Julin auf Wollin beizulegen seien. Darnach bestehen also die absprechenden Urteile dieser Gelehrten, womit das alte Vineta in das Reich der Fabel verwiesen wird, in

dem Mangel an Ruinen,
der Wertlosigkeit der Sage,
dem Lese- oder Schreibfehler bei Helmold.

Versuchen wir es diese Einwendungen zu beleuchten und zu widerlegen. Zunächst wird das Nichtvorhandensein von Ruinen erklärlich, wenn man erwägt, dass seit länger als 1.000 Jahren die Wogen einer unruhigen See über die Stätte der versunkenen Stadt hinweggerollt sind, ferner, dass bei derselben überhaupt nicht an Baukunst oder Bau-Pracht zu denken. Die Schilderungen der alten Chronikanten von ihrem Glanze sind übertrieben und auf die Menge aufgehäufter Waren, auf den Handelsverkehr mit dem Zusammenfluss fremder Handelsleute zurück, zu führen; Baupracht war dort gewiss nicht anzutreffen. In einem barbarischen Zeitalter war einem rohen Volk alles Mauerwerk mit Kalkmörtel völlig unbekannt, der Lehm vertrat dessen Stelle. Balkenhäuser, Gebäude mit Wänden aus Holz und Lehm, oder aus unbehauenen Feldsteinen bestehend, waren sicher die einzigen**).

*) Verfasser hat seine Überzeugung in dieser Hinsicht bereits in seiner vor 10 Jahren erschienenen „Beschreibung der Insel Usedom“ dargelegt und ist darin durch fortgesetzte Forschung bestärkt worden, hat auch im September 1860 an einem sonnigen, windstillen Nachmittage mit Pastor Wandel aus Koserow die Trümmer von Vineta in Begleitung kundiger Fischer beschifft. Nach seiner Wahrnehmung erstreckt sich das Steinlager von Vineta parallel mit der Feldmark von Damerow von Osten nach Westen in der Entfernung einer Viertelmeile vom Strande und zieht sich von da bis auf eine halbe Meile und weiter gegen Norden in die See hinaus. Eine Untersuchung und Verfolgung der Steinlager nach der Meinhold’schen Zeichnung war in der Kürze der Zeit und bei der ziemlich unklaren See nicht vorzunehmen, deren Tiefe von 6 bis 15 Fuß wechselte. Sowohl dieser Wechsel als die verschiedene Beschaffenheit des Meeres-Grundes deuten auf versunkenes Land hin.

**) Die ältesten christlichen Kirchen auf der Insel aus dem 12. Jahrhundert haben nur Wände aus groben unbearbeiteten Feldsteinen mit Lehm, woraus sich abnehmen lässt, dass ein halbes Jahrtausend früher keine andere Bauart zu Vineta angewendet ist.


Begreiflich konnte von solchen Baulichkeiten nach dem Untergange von Vineta nichts übrig bleiben, als die rohen Feldsteine, welche bei ruhiger klarer See auf dem Meeresgrunde sichtbar werden. Eine Menge von diesen Steinen sind bei dem Swinemünder Hafenbau in den Jahren 1818 bis 1823 hervorgeholt und zu den Molen verwandt, wobei nur bei wenigen schwache Spuren der Bearbeitung von Menschenhand entdeckt wurden, was nach dem vor angeführten nicht befremden darf: dagegen lassen sich in der Tiefe diese Steintrümmer von Vineta erkennen, und zwar in einer Ordnung und Regelmäßigkeit, wie sie von der Natur niemals abgelagert werden. Gelehrte Forscher, welche zu verschiedenen Zeiten die Trümmer beschifft und untersucht haben, bestätigen dies. Soviel bekannt, wurden sie zuerst von dem Pommerschen Geschichtsschreiber Th. Kanzow *) um 1538 besucht, ihm folgte 1564 Lubbechius, Bürgermeister aus Treptow und Andere. Von beiden Genannten sind Zeichnungen von dem Steinlager vorhanden. In unsern Tagen hat W. Meinhold, weiland Pastor zu Koserow, eine solche Zeichnung geliefert, als er vor etwa 30 Jahren von seinem damaligen nahen Wohnorte aus die Trümmer besucht, auch in seinen Schriften für Vinetas ehemalige Existenz gestritten hat.

*) Thomas Kanzow, ein geborener Pommer, geboren zu Anfang des 18. Jahrhunderts, gestorben um 1550 als Geheimschreiber in der fürstlich pommerschen Lehns-Kanzlei zu Wolgast, ist Verfasser einer schätzbaren Pommerschen Chronik, die in der treuherzigen plattdeutschen Mundart seiner Landsleute geschrieben, für die Kenntnis älterer Zustände lehrreich und wichtig ist.

Von solcher Beschaffenheit sind Vinetas Stein-Trümmer, denen auch unser kunstsinnige und in der Altertumskunde erfahrene König Friedrich Wilhelm IV. besonderes Interesse zugewendet hatte. Als der Monarch im Jahre 1837 (damals Kronprinz! sie zu beschiffen gedachte, wurde dies Vorhaben durch plötzliches Unwetter vereitelt, so dass die Rückfahrt nach Swinemünde in einem Ruderboote gemacht werden musste. Dabei befand sich der Pastor Meinhold. Nach dessen Erzählung äußerte Sr. Majestät bei dieser Gelegenheit über die Entstehung und den Wert der Sage gegen einen Offizier kurz vor der Ankunft in Swinemünde folgendes:

„Sehen Sie dort das zahlreich versammelte Volk? Wenn nun ich als Kronprinz ihm einreden wollte: es habe, den neuesten Untersuchungen der Gelehrten zufolge, an diesem Orte vor vielen Jahrhunderten eine große Stadt, Namens So und So gestanden, so ist keine Frage, dass die Meisten bloß auf meine Autorität sie mir glauben und die überraschende Nachricht zu Hause den Ihrigen erzählen würden. Fragen Sie aber einmal nach 10 Jahren, wie wenige werden da noch wissen, was ich gesagt habe und gar nach 100 Jahren wird das Gedächtnis meiner Rede überall und gänzlich unter dem Volke verschwunden sein.“

In diesem geistreichen Gleichnis liegt der schlagende Beweis dafür, dass die Sage nicht aus einem bloßen Gerede hervorgegangen und fortgepflanzt sein kann, wie behauptet worden. Ebensowenig hat sie ihren Ursprung in der Neuzeit, sie war schon alt vor 300 Jahren, als Thomas Kanzow die Ruinen beschiffte. Von Geschlecht zu Geschlecht übertragen, knüpft sich an die Sage unleugbar ein Dasein, welches für sich bestanden hat. Und trotz ihres nebelhaften Gewandes erkennt der schlichte Menschenverstand, dass der Sage Wahrheit zum Grunde liegt, unbeirrt in seinem Glauben durch die Einrede mancher Gelehrten.

Endlich kommen wir zu dem dritten Einwand gegen die Existenz von Vineta auf historischem Boden. In dieser Hinsicht sind allein die Nachrichten entscheidend, welche in der Hamburger Kirchen-Geschichte des Domherrn Adam von Bremen*) über die Lage von Vineta enthalten sind.

*) Adam von Bremen (Adamus bremensis) geboren 1040 im Meißnischen, war Domherr zu Bremen und kam im Jahr 1068 von dort als Scholasticus an den Hof des Erzbischofs Adalbert zu Hamburg. Daselbst verfasste er eine Hamburgische Kirchen-Geschichte im Kirchen-Latein.

Derselbe ist der einzige ältere Geschichtsschreiber, welcher darüber Aufschluss gibt. Seiner Erzählung über die große wendische Handelsstadt ist der Pfarrherr Helmold in seiner slawischen Chronik gefolgt.

Die neueren Schriftsteller, welche in die Fußtapfen des Probst Zöllner getreten, behaupten nun, dass, da dem Codex des Adam von Bremen (codex adami bremensis) die besagte Stadt nicht Vineta, sondern Julin benannt sei und dass Helmold aus einem Schreib- oder Lesefehler den ersten Nahmen irrtümlich gesetzt habe. Diese Behauptung ist unrichtig. In dem großen gründlichen Geschichtswerke: „monumenta germaniae“, welches den ältesten Codex des Adam von Bremen enthält, wird die Wendenstadt nicht Julin, sondern Jumne (lateinisiert: Jumneta) genannt. Jumne oder Jom war, wie schon oben gedacht, im Altertum der Name einer Landschaft, darunter die Inseln Usedom und Wollin begriffen waren, also unter urbs Jumneta nur eine Stadt in der Landschaft Jumne zu verstehen.

Nach höchster Wahrscheinlichkeit war dieser Name der Insel Usedom mehr eigen und von ihr mehr gebräuchlich als der Insel Wollin. Für diese Annahme spricht unter Anderem der Umstand, dass auf Usedom zwei uralte noch bestehende Ortschaften, als:

Gummelin auch Gommelin, ein Bauerndorf,
Gumzin auch Gomzin, eine Schäferei,

vorhanden sind, welche Nahmen auf Jumne und Jom hindeuten.

Der Geschichtsschreiber Helmold, welcher 100 Jahre später als Adam von Bremen und unweit Lübeck in größerer Nähe von unserer Insel lebte, bediente sich in seiner slawischen Chronik statt Jumne des richtigen Namens Vineta. Gerade aus dem Gebrauch dieses Namens lässt sich einsehen, wie ihm bewusst gewesen, dass in der Erzählung des Adam von Bremen nur die von den Vineliern auf Usedom benannte Stadt an der Peene gemeint sei und keine andere. Die betreffende, in der Hamburg’schen Kirchengeschichte Kap. 19 enthaltene Erzählung von Vineta lautet wie folgt:

„Über die Lutizier hinaus, die mit einem andern Nahmen Wilzen genannt werden, tritt uns der Oddera (Oder-) Fluss entgegen, der reichste Strom des Landes Slavien; an den Ufern desselben, da wo er die scythischen Gewässer (scythicas paludes) berührt, bietet die sehr angesehene Stadt Jumne (Vineta) den Barbaren und Griechen, die dort wohnen, einen vielbesuchten Standort dar. Weil nun zum Preise der Stadt große und fast unglaubliche Dinge vorgebracht werden, so halte ich es für anziehend, hier Einiges, das Erwähnung verdient, einzuschalten. Es ist wirklich die größte von allen Städten, die Europa einschließt. In ihr wohnen Slawen und andere Nationen, Griechen und Barbaren. Denn auch den dort ankommenden Sachsen ist unter gleichem Rechte mit den Übrigen zusammenzuwohnen verstattet, freilich nur, wenn sie, so lange sie sich daselbst aufhalten, ihr Christentum nicht öffentlich kund geben; „denn Alle sind noch im Irrwahn heidnischer Abgötterei befangen. Übrigens wird, was Sitte und Gastlichkeit anlangt, kein Volk zu finden sein, das sich ehrenwerter und dienstfertiger bewiese. Jene Stadt, welche reich ist durch die Waren aller Nationen des Nordens, besitzt alle möglichen Annehmlichkeiten und Seltenheiten. Dort befindet sich der Vulkanstopf *), den die Eingeborenen das griechische Feuer nennen, dessen auch Solinus gedenkt. Dort zeigt sich Neptun in dreifacher Art, denn von drei Meeren wird jene Insel bespühlt, deren eines von ganz grünem Aussehen sein soll, das zweite aber von weißlichem; das dritte ist durch ununterbrochene Stürme beständig in wut-voll brausender Bewegung.

*) Der Vulkans-Topf scheint eine Ware zu bedeuten.

Von Jumne aus rudert man in kurzer Fahrt (brevi remigio) nach der Stadt Dymien (Demmin), die am Laufe des Flusses Peanis (Peene) gelegen, wo auch die Rauen (Rügier) wohnen.

Die Reise ist der Art, dass man von Hammebure (Hamburg) oder vom Elbflusse in 7 Tagen nach der Stadt Jumne (Vineta) gelangt und zwar zu Lande, denn will man zu Wasser reisen, so muss man zu Sliesweg (Schleswig) oder Aldinbure (Oldenburg) zu Schiffe gehen, um nach Jumne (Vineta) zu kommen. Von Jumne aus fortsegelnd, landet man in 14 Tagen in Ostragrod in Rutizien (Russland).

Die Oder also, von der schon vorhin die Rede war, entspringt in dem sehr tiefen Meraher (Mähren) Wald, wo auch unsere Elbe entspringt; jedoch fließen beide nicht lange neben einander, sondern sie schlagen bald verschiedene Richtungen ein. Die eine nämlich, die Oder, wendet sich gegen Norden und fließt mitten durch die Stämme der Vinelier (Vineter) hindurch, bis sie nach Jumne (Vineta) gelangt, wo sie die Pomorjanen (Pommern) von den Wilzen scheidet, die andere aber, die Elbe, welche nach Westen zu strömt.“

Fassen wir den Inhalt der obigen Erzählung zusammen, so werden alle Zweifel über das einstige Dasein von Vineta auf der von der Sage bezeichneten Stätte durch folgende Beweise gelöst:

1) Unter der Oder-Mündung (ostium oderae) des Adam von Bremen ist nicht die Swine, noch weniger die Divenow gemeint, sondern die versandete Mündung der Peene (Peanis fluvii) bei Vineta;

2) Lässt die Beschreibung vollkommen die Lage und Örtlichkeit der versunkenen Stadt am Meere bei dem damaligen Ausfluss der Peene erkennen, wohin man

3) nach kurzer Ruderfahrt von Demmin auf der Peene, nachdem man die scythischen Sümpfe, nämlich das Achter-Wasser, seine Rohr- und Binsen-Kämpe, berührt hatte;

4) wurden vor dem Untergange der Landspitze von Vineta durch diese zwei tiefe Meeresbuchten im Westen und Osten gebildet, das dritte Gewässer war das Achterwasser im Süden. Damit stimmt die Schilderung des Adam überein, ingleichen das Achterwasser mit seiner grünen Farbe und nach der jedesmaligen Richtung des Windes in einer Bucht das Wasser unruhig und bewegt, während die andere im Schutz des Landes einen glatten Wasserspiegel zeigen konnte.

5) Lag Vineta in geringer Entfernung von Rügen und

6) im Lande der Vinelier oder Vineter auf Usedom, während Julin auf Wollin damals von den Pomorjanen bewohnt war.

So steht die Geschichte unserer ehrwürdigen Sage mit unwiderleglichen Beweisen zur Seite.

Dagegen streitet es nicht allein gegen Geschichte und Örtlichkeit, sondern erscheint ungereimt und lächerlich, wenn von der neueren Kritik die Existenz von Vineta in der Art geleugnet wird, um es nach Julin auf Wollin zu versetzen, wo vier Meilen von der Meeresküste entfernt, am Ufer eines träge dahin schleichenden Flusses, nicht entfernt die Rede sein kann von dem dreifachen Neptun (triplex neptunus Ad. Brem.), von einer Fluss-Mündung und sonstiger örtlicher Beziehung. Julin ist nicht ein und dieselbe Stadt mit Vineta gewesen, wie ältere Geschichtsschreiber anerkannt haben, unter ihnen David Chyträus aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhundert.

In seiner lateinisch geschriebenen Chronicon Saxoniae I. paz. 11. führt er von Vineta Folgendes an:

„In der Nähe von Wollin auf der Insel Usedom, welche die Swine und Peene umschließen, 7 Meilen von Julin gegen Westen, 2 Meilen von Wolgast, dem Sitze der Pommerschen Fürsten, jenseits des Peeneflusses beim Dorfe Damerow, war ehedem Vineta belegen, das durch alte Volkslieder und fortgepflanzten Ruf überliefert ist. In Klöstern aufgefundene Schriften zeugen davon, dass es viele Jahre vor Julin durch lebhaften Handelsverkehr, Glanz, Schätze und Macht geblüht hat, durch Überschwemmungen und Seestürme versunken ist. Manche meinen, dass um 830 Haldung, König von Schweden es zerstört und die ehernen Tore der Stadt und andere Denkmäler nebst dem Handel nach der Insel Gothland versetzt hat. Man sagt, dass bei heiterem Himmel und ruhigem Meere noch die Fundamente mancher Gebäude, Straßenpflaster, Plätze, an Länge dem Strande gleichkommend, gesehen werden können.“

Nicht zu übergehen sind andere Spuren und Merkmale von der untergegangenen Stadt in ihrer Umgebung. Von den Fischern werden Stellen im Meere auf der Ostseite der Steintrümmer als Reede und Bollwerk von Vineta bezeichnet. Eine alte Straße in der Richtung nach Koserow und Loddin bestand vor vielleicht hundert Jahren noch unter dem Nahmen: Straße von Vineta. Auffallend ist es, dass die Umgegend, im größten Teile steriler Sandboden, frühzeitig bevölkert gewesen in fünf Ortschaften, als Koserow, Damerow, Zempin, Loddin und Ückeritz. In diesen Namen ist der alt-wendische Ursprung nicht zu verkennen, aus den Ansiedelungen gerade in solchem Landstrich lässt sich auf die ehemalige Nähe einer Stadt schließen. Dasselbe ist abzunehmen aus den bei Damerow zu Anfang dieses Jahrhunderts vorgekommenen Funden von alten Gold- und Silbermünzen, welche leider für die Altertumsforschung verloren gegangen sind.

Hiermit sei der Sage von Vineta, an welche wir festalten, ihr Recht geschehen und Genüge getan. Gehen wir davon zum Schlusse über zu den vorhandenen, freilich dürftigen Nachrichten von dem Untergange von Vineta, welche alte Geschichtsschreiber aufbewahrt haben.

Im Mittelpunkte des Handels am baltischen Meer, wozu sich auch der Schraub gesellte, war zu Vineta der Verkehr mit Waren und Fischen bald lebhaft und blühend geworden und zog fremde Handelsleute — Sachsen, Griechen, Russen u. A. — dahin, aber auch die Augen der alten Eroberungssüchtigen See-Könige auf sich. Ein Teil Pommerns und damit mutmaßlich Vineta samt der Insel, kam durch Harald Hiltelands Vermählung mit Hildur, Hildbrands Tochter, 680 in den Besitz der dänischen Könige, auf deren Seite die Bewohner von Vineta in der Brawalla-Schlacht 735 kämpften. Als die Stadt dänisches Kriegsvolk zur Besatzung erhielt, so brachen in der Folge Zwietracht und Bürgerkrieg darin aus, die Einwohner riefen den dänischen König Hemming und Harald König von Schweden zu Hilfe, welche nach Eroberung und Plünderung der Stadt sie 796 schleiften. Dies war ihre erste Zerstörung, der 830 eine Überschwemmung folgte, die jedoch nur eine Teilweise gewesen zu sein scheint, weil demnächst wieder ein Aufbau durch die Bewohner stattfand auf der Stelle wie vorher. Dort soll sie bis zum Jahre 1097 bestanden haben, als König Ehrich Eyegod von Dänemark sie von Grund aus zerstört hat und durch eine Überschwemmung die Stelle von den Meeresfluten verschlungen ist, wo sie vorher gestanden.

Mit dem Untergang des Landstriches, worauf Vineta gelegen war, wird auch der Untergang der berühmten Jomsburg verknüpft gewesen sein, von welcher sich nicht bloß vermuten, sondern mit Grund annehmen lässt, dass sie ebendaselbst sich befunden habe*). Im folgenden Kapitel wird von dieser Veste die Rede sein.

*) Über die einstige Lage der Jomsburg bestehen zwar verschiedene Meinungen. Einige vermuten solche in der Swine-Mündung, andere bei Vintzig oder gar im Inneren der Insel Wollin, indessen besteht weder eine Tradition, noch Trümmer oder sonstiger historischer Beweis dafür; das spurlose Verschwinden der alten Seeräuber-Veste lässt daher auf die Richtigkeit unserer Annahme schließen.
Ostseebad Koserow, Damenbad

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Ostseebda Koserow, Abstieg zum Strand

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Osteebad Koserow auf Usedom

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Ostseebad Koserow, Fischerhütten

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00 Ostseebad Koserow, Packhütten

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Ostseebad Koserow, Blick auf den Streckelberg

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Anklam in Vorpommern, Steintor

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Ostseebad Bansin auf Usedom, Langeberg

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Ostseebad Bansin, Strand und Villen

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Ostseebad Bansin, Strandleben

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Ostseebad Ahlbeck, Fischverkauf am Strand

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Ostseebad Ahlbeck, Herrenbad

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Ostseebad Ahlbeck, Landesbrücke

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Ostseebad Bansin, Strandpromenade

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Ostseebad Ahlbeck, Försterei am Wolgastsee

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Ostseebad Ahlbeck, Bismarckwarte

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Ostseebad Bansin, Strandvillen

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Ostseebad Bansin, Strandpartie

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Ostseebad Heringsdorf, Kurhaus

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Ostseebad Heringsdorf, Familienbad

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Ostseebad Heringsdorf, Strandpromenade und Kurhaus

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Ostseebad Heringsdorf, Seebrücke

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Ostseebad Heringsdorf, Strandleben

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Stettin, Am Hafen

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Stettin, Dampfschiffbollwerk

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Stettin, Dampfschiffbollwerk und Hakenterrasse

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Wolgast, Hafen mit Zugbrücke

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Wolgast, Marktplatz und Rathaus

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Ostseebad Zinnowitz, Schiffsanleger

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Ostseebad Zinnowitz, Seebrücke

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Ostseebad Zinnowitz, Strand und Kurhaus

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Ostseebad Zinnowitz, Strand und Promenade

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Ostseebad Zinnowitz, Strandleben

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Ostseebad Zinnowitz, Strandblick und Seebrücke

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Ostseebad Zinnowitz, Strandpartie

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Ostseebad Swinemünde, Badehütte und Strandkörbe vor der Dünenstraße

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Ostseebad Swinemünde, Strandpromenade, Blick in Richtung Westen

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Ostseebad Swinemünde, Osternorhafen

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