Chronik der Insel Usedom - Aus der Wendenzeit bis Swantibor, ersten Erbfürsten von Pommern.

Ein Beitrag zur Geschichte Vorpommerns
Autor: Gadebusch, Wilhelm Ferdinand (?) Königlicher Rentmeister und Amts-Rat, Erscheinungsjahr: 1862
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Wolgast, Usedom, Peene, Pommern,
Sowohl in alten Geschichtsbüchern als in den nordischen Sagen wird eines wendischen Fürsten Burislaw vielfach gedacht, der in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts lebte. Obgleich er ein Bundes-Genosse Kaiser Otto I. in dessen Kriegen gegen die Ungarn gewesen und gewöhnlich König von Wendland oder Winland genannt wird, so scheint doch seine Machtstellung und Ansehen nur schwächlich und zur Abwehr der Dänen, so wie der nordischen Freibeuter unzureichend gewesen zu sein. Durch den dänischen König Harald II. Blatand (Blauzahn) war der Zeit ein großer Teil der Landschaft Jumne oder Jom, wie damals die Inseln Usedom und Wollin hießen, erobert und in Besitz genommen worden. Burislaw konnte die Errichtung einer dänischen Beste, Jomsburg geheißen, nicht hindern, welche König Harald dort gründete und die, wie ihr Name andeutet, zur Sicherung seiner Strand-Eroberung auf Jom oder Jumne bestimmt war.

Nach dem Zeugnis eines der ältesten dänischen Geschichtsschreiber, des Swen Aggesen*), dem wir unbedingt folgen, war die Veste Jomsburg auf der damals Rügen gegenüber gelegenen Landspitze, der Insel Usedom erbaut, befand sich also mit dem altberühmten Vineta auf ein und demselben Landstrich, diente zum Schutz der Stadt und teilte später deren Schicksal.

*) Das Zeugnis des Swen Aggesen, der 1174 schrieb, findet sich auch bei späteren Schriftstellern bestätigt.

Gestützt hierauf gehören die Begebenheiten der Jomsburg mit ihrem wechselvollen Verlauf und Abenteuern zu den Denkwürdigkeiten unserer Insel, deren eingehende Erzählung wir nun weiter folgen lassen.

Als erster Statthalter der Jomsburg wird genannt: Palna Toke, ein mächtiger dänischer Seeräuber aus Fühnen; ihre Besatzung wurden Jomswikinger*) geheißen. Nach alter Sitte zogen die Kriegs- und Beutelustigen Normannen gerne auf Seeraub und Abenteuer aus, auf der Jomsburg fanden solche Abenteurer sich zahlreich ein und bald wurde von dort aus der Seeraub mit großem Erfolge betrieben.

*) Wikinger wurden von den Dänen die Seeräuber genannt, weil sie gewöhnlich in Wieken (Buchten) lagen und den vorübergehenden Schiffer auflauerten.

Palna Toke sorgte nicht allein für die Befestigung der Jomsburg, sondern gab dem von ihm gebildeten Seeräuber-Staat eine Verfassung mit strengen Gesetzen, welche auf blinden Gehorsam, Verbrüderung und Tapferkeit gegründet waren. Keiner konnte darin ohne allgemeine Zustimmung aufgenommen werden. Die Aufnahme erfolgte ohne Ansehen der Person in dem Alter von 18 bis 50 Jahren, nachdem die neuen Mitglieder harte Proben ihrer Unerschrockenheit und Todesverachtung abgelegt, auch sich zur Blutrache, Ablieferung aller Beute und Gemeinschaft der Güter verpflichtet hatten. Das weibliche Geschlecht war aus der Burg völlig verbannt. Niemand durfte ohne Erlaubnis des Palna Toke sich länger als drei Nächte aus der Burg entfernen, er allein behielt sich die Schlichtung von Streitigkeiten und das Strafrecht vor, auch stand ihm nur zu, Neuigkeiten einzuholen und zu erzählen. Streng verpönt waren Verleumdungen und Schmähungen, nicht minder die Äußerung von jedweder Furcht, die Gefahr mochte noch so groß sein. — Ungeachtet der Strenge dieser Gesetze, sagten selbige doch dem Sinne der Nordländer in ihrer damaligen Heroen-Zeit zu.

König Harald hatte seinen Oheim des Palna Toka unschuldigerweise umbringen lassen. Aus Rache flößte dieser seinem Pflegesohn, dem Prinzen Swen, einem natürlichen Sohn Haralds, einen wütenden Hass gegen seinen Vater von Jugend auf ein, reizte ihn zum Aufruhr und unterstützte ihn mit seinen Jomswikingern nachdrücklich. Dies hatte zur Folge, dass König Harald die Jomsburg dem Fürsten Burislaw unterordnete, Palna Toke verweigerte aber die Unterwerfung und entfloh. Dem Fürsten gelang es erst mit Hilfe seines Schwiegersohnes, des norwegischen Prinzen Olaf Trygweson, der selber ein tapferer Freibeuter, damals an seinem Hofe verweilte, sich der Jomsburg und der ihm entrissenen Distrikte zu bemächtigen.

Um diese Zeit war Fürst Burislaw mit dem deutschen Kaiser Otto II. verbündet und leistete ihm durch seinen besagten Eidam gegen König Harald Beistand. Allein als Olaf Trygweson, stets neue Kämpfe und Gefahren aufsuchend, nach Norwegen, seiner Heimat zurückgekehrt war, erschien Stornbiörn, ein vertriebener schwedischer Königssohn, überfiel und eroberte die Jomsburg. Er versammelte hier alle Seeräuber der Ostsee und segelte mit ihnen nach Schweden, um sein väterliches Reich wieder zu erobern. Aber der Zug lief unglücklich ab, der Prinz büßte dabei sein Leben ein.

Inzwischen dauerte in Dänemark die Empörung des Prinzen Swen gegen seinen Vater König Harald fort. Dieser erlitt mehrere Niederlagen und musste aus einem Seetreffen verwundet nach der Jomsburg flüchten, wo er 985 verstarb. Palna Toke, der wiederum nach der Jomsburg zurückgekehrt war, erhielt nun die Veste von dem Fürsten Burislaw zum Lehn, machte sich jedoch unabhängig und schlug die Angriffe seines ehemaligen Pfleglings, nunmehrigen Königs Swen tapfer ab. Nachdem er auch dem Burislaw verschiedene Landstriche entrissen, trat Palna Toke seinen Freistaat an den Jarl Siegwald, Struth Haralds des Grafen von Seeland Sohn, ab und beschloss sein Leben in Ruhe auf Fühnen.

Jarl Siegwald milderte die Strenge der von seinem Vorgänger gegebenen Gesetze, gestattete dem Frauenzimmer den Eintritt in die Jomsburg, verheiratete sich auch selber mit Astrit, Burislaws Tochter. Zuvor musste er sich jedoch verpflichten, den von den Dänen entrissenen Teil von Wendland zu erobern und den König Swen gefangen nach Jomsburg zu führen. In der Tat gelang ihm durch eine List die Gefangennehmung des Königs, der in der Jomsburg zwar ehrerbietig behandelt wurde, sich aber dem Willen des Siegwald unterwerfen musste; ebenso der Fürst Burislaw. Swen musste ein ansehnliches Lösegeld zahlen, auf Jumne verzichten, Burislaws Tochter Gunhild heiraten und seine eigene Schwester Thyra, Sternbiörns Witwe, dem Burislaw zur Gemahlin geben, wobei eine Vertauschung der Güter, der beiden Bräute, je nachdem sie auf dänischem oder wendischen Gebiete belegen waren, stattfand. Siegwald behielt mit seiner Astrid die Jomsburg und vertauschte die dänische Vasallenschaft mit der wendischen. Die erzwungenen Vermählungen hatten aber keine guten Folgen. Schon acht Tage nach der Hochzeit verließ Thym ihren Gemahl, den alternden Fürsten Burislaw, verlor aber dafür ihr Besitztum auf Rügen. Als sie sich hierauf mit dem Norwegischen König Olaf Trygweson, dessen Gemahlin Geira, Burislaws Tochter, verstorben war, verheiratete, bewog sie den König mit einer Flotte nach Wendland zu segeln und ihr Besitztum zurückzufordern. Fürst Burislaw ließ sich zu dessen Rückgabe bereit finden, Olaf Trygweson ereilte aber ein trauriges Schicksal. Auf der Rückfahrt nach Norwegen wurde er bei der Swolder Oye*) von seinem Feinde, dem Könige von Schweden, überfallen und verlor in einem wütenden, im Angesicht unserer Insel gelieferten Seetreffen nach tapferer Gegenwehr sein Leben.

*) Die Greifswalder Oye, plattdeutsch Grypswolder, dänisch Swolder Oye genannt.

Auch mit der Königin Gunhild nahm es ein klägliches Ende. Als Heidin war sie zwar in Dänemark beliebt, ihr Gemahl, der vom Christentum abgefallene König Swen, verstieß sie aber, obgleich sie ihm zwei Söhne geboren hatte.

Nachdem der König Swen die Herrschaft auf den Pommerschen Inseln eingebüßt hatte, war sein Sinn auf die Eroberung von Norwegen und England gerichtet. Dem Landes-Gebrauch gemäß, hatte er die Edlen seines Reichs zu einem Hoffeste versammelt, wozu auch geladen und erschienen waren sein Schwager der Jarl Siegwald samt den vornehmen Dänen, welche unter den Jomswikingern dienten. Ein solches Fest mit seinen übermäßigen Zech-Gelagen dauerte gewöhnlich acht Tage. Ehe der König den Thron bestieg, erhob er den Braya-Becher und trank zu Ehren seines verstorbenen Vaters oder nach damaliger alter Redeweise: „auf König Haralds Minne“, wobei er gelobte binnen drei Jahren einen Kriegszug nach England unternehmen und den König Ethelred töten oder vertreiben zu wollen. Denselben Becher mussten alle Gäste auf desselben Minne leeren. Es lag jedoch in der Absicht des Königs, zunächst den Siegwald mit seinen Begleitern für einen Kriegszug nach Norwegen zu gewinnen, er redete sie deshalb mit verfänglichen Worten an.

Als hierauf für sie die größten Trinkhörner mit dem stärksten Trunk gefüllt und sie davon aufgeregt und berauscht wurden, schworen sie dem Verlangen des Königs nachzukommen. Ein solches Gelöbnis wurde als heilig und unverbrüchlich angesehen. Bald nach der Rückkehr in die Jomsburg rüstete daher Jarl Siegwald und segelte im Jahr 994 nach Norwegen mit 60 Schiffen, welche 3.000 Mann gefasst haben sollen. Dort landete er zwar und plünderte, erlitt jedoch in einer Seeschlacht während eines heftigen Donner und Hagelwetters eine entscheidende Niederlage, welche der Heldenmut und die glänzende Tapferkeit der Jomswikinger nicht abzuwenden vermochte; sie kamen dabei größtenteils um Leben und Freiheit. In seinem Innersten durch die Niederlage erschüttert, traf sie den Räuber-Staat fast wie ein Todesstoß, von dem er sich nicht wieder erholte.

Siegwald, der nur durch treulose Flucht mit 24 Schiffen aus der Schlacht entkommen war, legte die Statthalterschaft von Jomsburg nieder. Als sein Nachfolger wird später ein dänischer Prinz Swen genannt. Dieser war ein Sohn König Kanuts, der seinem Vater Swen nach dessen Tode auf dem dänischen Thron folgte. Kanut hatte seinen Sohn nur auf wenige Jahre eingesetzt, nachdem er vorher die Seeräuber auf der wendischen Küste bekriegt, und sich der Jomsburg 1033 bemächtigt hatte, wobei er hier die vornehmsten Seeräuber hinrichten ließ. Wie erzählt wird, gaben die Jomswikinger bei der Hinrichtung das letzte Zeugnis von dem Mute, der sie im Leben erfüllte. In langer Reihe sitzend, wurde Einem nach dem Anderen von Thorkel der Kopf abgeschlagen. Als Thorkel zum Vierten kommt, fragte er ihn, wie ihm der Tod dünke. Der antwortete:
„Gut, es geschieht mir wie meinem Vater, ich muss sterben.“
Der Fünfte spricht:
„Ich vergäße die Gesetze der Jomswikinger, wenn ich den Tod fürchtete und ein zaghaft Wort spräche, einmal muss Jeder sterben.“
So redeten sie Alle.

Nach diesem war aber der Seeräubern kein Ende gemacht. Um die dadurch in Dänemark angerichteten Verheerungen zu ahnden, wurde elf Jahre später von König Magnus die Jomsburg erobert und verbrannt, auch die Umgegend schrecklich verwüstet. Nach Zerstörung der Veste konnten sich die Dänen noch weniger als ehedem auf der Küste von Jumue behaupten, die Seeräuber aus Wendland schwärmten von neuem auf der Ostsee herum, landeten und plünderten auf den dänischen Inseln. Unter solchen Raubzügen verstrich ein langer Zeitraum, bis im Jahr 1096 ein großer Kriegszug von dem Dänen-König Ehrich Eyegod nach der wendischen Küste unternommen wurde, wobei Vineta verbrannt und zerstört ward.

Demnächst ging in Folge wiederholter Überschwemmungen des Meeres der Landstrich unter, auf welchem die Stadt Vineta, daneben die Jomsburg, gestanden, seitdem findet sich der Name der berühmten Veste nicht mehr in alten Schriften.

Von jenen Orten aus längst verklungener Zeit, die den Elementen und der feindlichen Zerstörung verfallen, nur noch in der Geschichte und in der Volkssage fortleben, gehen wir nunmehr, über zu solchen Orten, die zwar ebenfalls in das Altertum der Wendenzeit hinaufreichen, aber noch fortbestehen, nämlich die Stadt Usedom nebst zahlreichen ländlichen Ortschaften auf der Insel. Während die Goten sich meistenteils mit einzelnen und zerstreuten Wohnsitzen begnügten, zogen die Wenden es vor in größeren zusammen zu leben, vielleicht weil ihnen mehr Hang zur Geselligkeit beiwohnte, oder weil sie darin mehr Schutz gegen feindliche Anfälle suchten und fanden. Dadurch wurden sie die Erbauer von Städten und Dörfern im Pommernlande und auf unserer Insel; die wendischen Nahmen der meisten Dörfer, welche auf unsere Tage übergegangen sind, erinnern an ihren Ursprung, wie weiter unten gezeigt werden wird.

Zu den ältesten Pommerschen Städten zählt unser Usedom in der Wendenzeit unter verschiedenen Nahmen, als Uznam, Ussenym, Huznoym auch Osna bekannt und nicht unberühmt. Am gebräuchlichsten war der Name Uznam*); er kommt in den meisten Urkunden vor und bestand noch Jahrhunderte nach Einführung des Christentums, ging auch von der Stadt auf die ganze Insel über, als deren älteste gotische Benennung: Jom und Jumne, erloschen war.

*) Uszt bedeutet im Wendischen Mündung. Da Usedom unweit der Mündung des Usedomschen Sees in das Haff gelegen ist, so ist davon Uznam herzuleiten.

Ursprünglich ein Markt, aus wenigen Hütten bestehend, mit rohen Baumstämmen eingefriedigt oder bewährt, wurde mit der Einfriedigung von Uznam der erste Keim städtischen Wesens gelegt, der sich im Laufe der Jahre durch Aufbau mehrerer Hütten allgemach entwickelte. In ziemlich fruchtbarer Gegend gelegen, von Feld und Wald, Wiesen und Mooren umgeben, fanden sich betriebsame Wenden frühzeitig an einem Orte ein, wo sie Ackerbau und Viehzucht betreiben konnten und sich in den nahen Landseen, dem nur eine Viertel Meile entfernten Haff und der Peene die Gelegenheit zum Fischfange reichlich bot. Größere Bedeutung erlangte der Flecken Uznam mit der Verbreitung gesellschaftlicher Zustände auf der Insel und als sich ein befestigtes fürstliches Schloss unmittelbar bei Uznam auf einem Berg erhob; ein Schlossgraben, über den eine Brücke führte, trennte das Schloss von dem Flecken. In damaliger Zeit hatten die Wendischen Fürsten keine bestimmten festen Wohnsitze, sondern hielten sich abwechselnd auf den Schlössern bei den Städten auf. Zeitweise befand sich das fürstliche Hoflager auf dem Schloss Uznam, dessen Burgfriede gewahrt wurde, wobei jeder Flüchtling eine Freistatt fand, wenn er nicht gegen die alten Gesetze oder gegen die Landes-Religion gefrevelt hatte. Einen beständigen Sitz auf dem Schloss hatte aber der Kastellan (castellanus Utznamensis) der nicht allein Befehlshaber des Schlosses war, sondern auch nach alt-slawischer Verfassung mit großer Machtvollkommenheit das Regiment auf der Insel führte, später wurden ihm Zupans oder Richter beigeordnet, mit denen er das Recht sprach. Aus dem Adel erwählt, gehörte der Kastellan zu den vornehmsten Beamten des Landes. Ungewiss ist es jedoch, ob der Bezirk des Kastellans von Uznam sich auf die ganze Insel erstreckte und ob nicht die unmittelbar bei Wolgast gelegenen Ortschaften zu der dortigen Kastellanei gehörten.

In die unbekannte Zeit der Gründung von Uznam fällt mutmaßlich auch die der meisten ländlichen Ortschaften, deren Namen ungeachtet der Germanisierung den wendischen Ursprung erkennen lassen, vornehmlich in den slawischen Endigungen auf in, ow und itz, oder bei Weglassung der zugesetzten deutschen Endsilben. Solche wendische Orts-Namen finden sich auf der Insel folgende:

            I. Adlige Orte.

1) Balm, ein Bauerdorf am Nepperminer See, hieß in wendischer Zeit Bialdab (spr. Bialdomb), was weiße Eiche bedeutet.
2) Clüne, gewöhnlich Ostklüne genannt, ein Rittergut und Ziegelei, am Usedomschen See und dem Haff belegen. Clüne bestand schon zur wendischen Zeit; die Etymologie seines Namens ist nicht zu enträtseln*).
3) Crienke, ein Rittergut an der Peene und am Crienker See; dem wendischen Namen Crien ist die deutsche Endsilbe ke zugesetzt.
4) Crummin, ein Rittergut und Kirchdorf, liegt auf der Südseite an dem Gewässer, die Crumminsche Wiek, genannt.
5) Dewichow, ein Rittergut am Crienker See und am Achterwasser. In wendischer Sprache war es mutmaßlich Dzewikow geheißen.
6) Görmitz, Vorwerk und Holländern auf der kleinen vom Achterwasser umflossenen Insel gleichen Namens.
7) Lütow, ein Bauerndorf mit 4 Bauernhöfen auf dem Gnitz.
8) Mellentin, ein Rittergut. Der Name wird von Melczin im Wendischen abzuleiten sein.
9) Netzelkow, Rittergut und Kirchdorf auf dem Gnitz.
10) Regezow, Vorwerk und Ziegelei an der Peene.
11) Stolpe, Rittergut und Kirchdorf. Der Name wird aus dem Wendischen Ztulp hergeleitet, was einen hohen Ort bedeutet, wohin man durch Stufen gelangt.
12) Suckow, ein Bauerndorf unweit der Peene und an der Crienker Heide.

*) In den ältesten Fischerei-Ordnungen aus fürstlicher Zeit geschieht des Curt Bonow zur Clün Erwähnung bezüglich der Fischerei eines Orts im Usedomschen Wasser ingleichen von viertehalb Zügen des Bonow im Usedomschen See.
Vielleicht war dem Archidiakon Curt Bonow, zur Zeit der Herzogin Agnes, als diese das Schloss zu Usedom als Leibgedinge besaß, das Gut Clüne unweit Usedom verliehen worden.


            II. Orte des Amts Pudagla.

13) Bannemin, Bauerdorf mit 6 Höfen auf der Landstraße von Swinemünde nach Wolgast.
14) Banchin, Bauerdorf am Gotensee unweit der Ostsee.
15) Bossin, Bauerdorf am Haff.
16) Camminke, Bauerdorf am Haff belegen. Der Name kommt von dem wendischen Camien, was einen Stein bedeutet, von den dort am Haff befindlichen großen Feldsteinen.
17) Caseburg, ein Bauer- und Kirchdorf an einem Arm des Swine-Stroms, das Ryck genannt, gelegen. Von der Wald-Umgebung des Orts führte derselbe in wendischer Zeit den Namen Corzibor, was Rinde oder Rand des Waldes bedeutet.
18) Catschow, ein Vorwerk, liegt am Cachliner See und Thurbruch.
19) Cachlin, ein Königlich Gut nebst dem eingegangenen Dorf Lütebock, Lage wie vor.
20) Corswand, Bauerdorf, liegt zwischen dem Goten-und Wolgastsee, an der Königlichen Friedrichstaler Forst. Der Name Corswand hängt mit dem Wendischen swiety oder swanty (heilig oder geweiht) zusammen.
21) Koserow, Kirchdorf, liegt gegen Norden an der Ostsee und gegen Abend am Achterwasser. Koserow ist aus dem Wendischen Koze, die Ziege, abzuleiten, was auf die durch Versandung mager gewordene Feldmark deutet.
22) Cutzow, ein Gut, am Thurbruch und gegen Süden am Haff gelegen.
23) Damerow, ein kleines Ackerwerk auf dem schmalen Landstrich zwischen der Ostsee und dem Achterwasser gelegen, Damerow ist von dem wendischen dab (sprich domb) abzuleiten, was eine Eiche bedeutet. Eichenwaldung, welche ehedem bedeutender gewesen, ist dort noch vorhanden.
24) Garz, Bauerdorf mit einer Filial-Kirche Garz; bedeutet wendisch ein Topf, welcher Name der Lage des Orts einigermaßen entspricht. In alten Chroniken wird es gewöhnlich Gardis genannt.
25) Gellenthin, ein Bauerdorf, südwestwärts von der Peene, hieß zur Wendenzeit Jellenczin.
26) Gnewenthin, ein Bauerndorf, ebendaselbst belegen, führte den wendischen Nahmen Gnewoczin.
27) Görke, ein Vorwerk und ein Bauerndorf, an der Usedomschen Landstraße zwischen Cutzow und Cachlin gelegen. Gora heißt auf Wendisch: der Berg, an einem solchen ist das Dorf erbaut.
28) Labömitz (Wendisch Ljubometza), ein Königlich Gut am Thurbruch belegen.
29) Liepe, Kirch- und Bauerdorf, im Mittelpunkt des sogenannten Lieper Winkel gelegen. Liepa heißt in der wendischen Sprache die Linde, daher der Name.
30) Loddin, ein Bauerdorf, liegt gegen Norden 1/4 Meile von der Ostsee und gegen Westen am Achterwasser.
31) Mahlzow, wendisch Malczow, ein Bauerdorf nebst der Wolgaster Fähre mit einem Ackerwerk, an der Peene gelegen.
32) Mölschow (Wendisch Molczow), ein Königlich Vorwerk und Bauerndorf, liegt am Mölschowschen See, 1/4 Meile von der Peene.
33) Morgenitz, Kirchdorf mit 1 Vorwerk, von Usedom gegen Norden 1 Meile entfernt.
34) Neppermin (Wendisch Nieprzemin), Bauerndorf, liegt am Nepperminer See, der mit dem Achterwasser zusammen fließt.
35) Newerow, Bauerdorf, nahe am Haff gelegen.
36) Prätenow, Bauerdorf, am Haff gelegen.
37) Pudagla, ehemals Abtei und Mönchs-Kloster, jetzt Königl. Gut und Dorf, liegt zwischen dem Achterwasser und Smollensee. Der verstümmelte Name ist aus dem Wendischen: Podglowa entstanden. Der Ort liegt am Abhange eines hervorragenden Berges, dessen abgerundete Kuppe einem Haupte oder Kopf (glowa) nicht unähnlich. Pod heißt zu deutsch: Unter, daher Podglowa: Unter dem Haupt oder Kopf. Die wendische Benennung des Berges glowa, ist demnächst in das plattdeutsche Glowa, hochdeutsch Glauben verwandelt, wie er jetzt benannt wird.
38) Rankwitz, Bauerdorf an der Peene im Lieper Winkel gelegen.
39) Restow, desgleichen ebendaselbst.
40) Retzow (Wendisch Redessow), Bauerndorf am Thurbruch belegen.
41) Sallenthin Wendisch Sallenczin), Bauerdorf am Gotensee und an der Königl. Pudagla’schen Forst.
42) Sauzin, ein Vorwerk, liegt an der Peene.
43) Sellin, Bauerdorf am Smollensee im Westen, sonst von der Königlichen Pudagla’schen Forst eingeschlossen.
44) Stoben (Wendisch Stobenow), Bauerdorf am Smollensee.
45) Ueckeritz, Bauerndorf am Achterwasser. In der Nähe befindet sich die Königliche Oberförsterei Neu-Pudagla, nebst einer Unterförsterei, letztere genannt Stagnieß, von dem Wendischen Stanitza, oder Stagnitza, was ein Fahne bedeutet.
46) Welzin, Bauerndorf, am Haff und Usedom’schen See gelegen
47) Zecherin, an der Peene bei Usedom, (Wendisch Szecherin), Bauerndorf.
48) Zecherin, an der Peene bei Wolgast, wie vor.
49) Zempin Wendisch Szempin), Bauerndorf am Achterwasser und unweit der Ostsee.
50) Zirchow, Wendisch Czirkow) Kirchdorf, an der Ostseite des Thurbruches gelegen.
51) Ziemitz, Königliches Gut an der Peene belegen.

            III. Kämmereidorf.

52) Westswine (Wendisch Swina, Zwina), ein Bauerndorf am Swinestrom gelegen. Der Ursprung des Dorfes verliert sich in die Wendenzeit, wenn es nicht schon früher bestand.

Von den obigen Nahmen ist zwar nur bei wenigen die wahre Etymologie herauszufinden, von allen genannten jedoch mit Sicherheit anzunehmen, dass sie slawischen Ursprungs sind und dass die Wenden die Erbauer der genannten Ortschaften gewesen.

Besondere Erwähnung verdient aber, dass auf der Insel noch ein alter Ortsname und zwar von Dargen, eines Ritterguts am Haff, ehemals Vorwerk nebst 2 Bauer- und 2 Kossäthen-Höfen vorhanden, ein Name, der weder gotischen noch wendischen Ursprungs ist, sondern sich nur aus seinem altajischen Ursprung — finnisch-tartarisch— erklären lässt, mithin dass die Gründer und ersten Bewohner von Dargen aus finnisch-tartarischem Stamme gewesen.

Neuere Forschungen haben darauf geführt, dass in der Völker-Wanderung altajische oder finnisch-tartarische Stämme vom Eismeer sich nicht allein in den skandinavischen Norden gewälzt, sondern auch Wohnsitze an der südbaltischen Küste von Estland bis zum Sunde eingenommen haben. Beweis dafür ist, dass Finnen und Lappen zwei Völker von gleicher — altajischer — Abkunft ihr Heimat-Land: Schweden und Norwegen noch jetzt mit Darro benennen, ingleichen dass sich in den Küstenländern der Ostsee weitverbreitet das Wort: Dar unter mancherlei Zusätzen in einer großen Anzahl Ortsnahmen von Städten und Dörfern findet, als deren Gründer jene finnisch-tartarischen Stämme zu betrachten sind.

Ehe und bevor wir dies Kapitel und damit die Geschichte von der ältesten Zeit beschließen, bleibt noch zu gedenken des Fürsten Burislaw, dessen in der Erzählung von der Jomsburg häufig Erwähnung geschieht.

Mutmaßlich hat Burislaw das Jahr 1000 nicht lange überlebt, ungewiss ist es, wer sein Nachfolger bis zur Mitte des 11. Jahrhunderts gewesen, als in dessen zweiter Hälfte Fürst Swantibor zur Herrschaft im Pommernlande gelangte. Er wird als Ahnherr der Pommerschen Fürsten angesehen und mit ihm beginnt das Dunkel der Geschichte sich aufzuklären.
Wikinger bringen einen toten Krieger nach Walhalla

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Odin, Wikingerschiff

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Odin, Göttervater, Kriegs- und Totengott in der nordischen Mythologie

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Thor,

Thor, "der Donnerer", fungierte für die zur See fahrenden Völker als Gewitter- und Wettergott, in bäuerlich germanischen Gesellschaften als Vegetationsgottheit.

Nordische Kriegerin

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Wikinger beim Angriff auf eine Stadtbefestigung

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Wikinger folgen mit ihrem Boot dem Raben

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