Beitrag zur Geschichte Heinrich des I. Fürst von Mecklenburg

Autor: Grautoff, Ferdinand Heinrich Prof. Dr. (1789-1832) Lehrer, Bibliothekar und Universalgelehrter, Erscheinungsjahr: 1826
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Beitrag zur Geschichte Heinrich I. Fürst von Mecklenburg, Leben und Schicksal diese Fürsten nach neuesten Quellen, Geschichtsschreiber
Aus: Freimütiges Abendblatt. Achter Jahrgang. Schwerin, den 7ten April 1826. 03

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Lübeck den 22. Februar 1826.

Es herrscht in Lübeck, ohne dass ich angeben könnte seit wann, die lobenswerte Gewohnheit, die Veränderungen des Stadtregiments von Seiten der Professoren des dortigen Gymnasiums durch Herausgabe eines Programms der Nachwelt aufzubewahren und zu feiern. Auf diese Weise hat schon mancher beachtenswerte, sonst nie bekannt gewordene Aufsatz seinen Weg, wenn auch nicht in das größere, doch in das vaterstädtische Publikum gefunden, und namentlich hat Herr Prof. Grautoff seit mehreren Jahren Gelegenheit genommen, in solchen kleinen Schriften mehrere höchst schätzenswerte Beiträge zur Aufhellung überelbischer Geschichten, mit eben so viel Geist als gründlicher Gelehrsamkeit zu liefern, von denen in der Folge in diesen Blättern Nachricht gegeben werden soll. Die neueste, und für uns Mecklenburger unstreitig vom allgemeinsten Interesse, ist der obengenannte Beitrag zur Geschichte Heinrich des Ersten, Fürsten von Mecklenburg, worüber hier berichtet werden soll.

Das Leben und die Schicksale dieses Fürsten, seine Wallfahrt zum heiligen Grabe, seine Gefangenschaft, die volle 26 Jahre dauerte, die Treue seines Dieners Martin Bleyer, seine endliche Heimkehr ins Vaterland, bilden unstreitig eine der glänzendsten und meist romantischen Partien unserer älteren Geschichte. Nur Schade, dass es ihr bisher an ganz zuverlässigen, gleichzeitigen Quellen fehlte. Freilich hatte das Andenken an Heinrichs Abenteuer im gelobten Lande sich noch lange im Munde des Volkes erhalten und war aus diesem öfter aufgezeichnet worden. Allein der Natur der Sage gemäß waren daraus so widersprechende Erzählungen entstanden, dass die geschichtliche Wahrheit sich immer dichter verhüllte und neuere Geschichtsschreiber Mecklenburgs, z. B. Rudloff II. 60. 96., die Schicksale Heinrich des Ersten lieber nur ganz allgemein berührt haben. Um so willkommner wird natürlich jeder glaubwürdige gleichzeitige Bericht über jene Ereignisse. Um so wichtiger und dankenswerter sind die Aufklärungen, die uns Herr Prof. Grautoff hier aus doppelter gleich authentischer Quelle liefert.

Die erste dieser Quellen ist die Erzählung des Lübeckischen Kanzlers Albrecht von Bardewik, der nach Heinrichs Rückkehr mit ihm persönlich in Lübeck und Wismar unterhandelte, in dem von ihm herrührenden Teile der Lüb. Stades Kronike, zu deren vollständigen Herausgabe Hr. Prof. Grautoff, S. 3, Anm. 6, Hoffnung macht.

Die zweite Quelle besteht in einigen Urkunden, welche das Lüb. Archiv bewahrt. Mit beiden hat Hr. Grautoff die Berichte glaubwürdiger Geschichtsschreiber des Orients verbunden und im Ganzen die Wahrheit und Glaubwürdigkeit des Kirchbergischen Berichts über die merkwürdigen Abenteuer des ritterlichen Fürsten beurkundet gefunden: jedoch einzelne offenbare Widersprüche desselben glücklich gehoben. Das wie verdient in der trefflichen kleinen Schrift selbst nachgelesen zu werden, welche die dichterischte Partie der Geschichte unsres erlauchten Fürstenstammes mit dem höheren Glanz geschichtlicher Wahrheit umgibt und der ein besonderer Abdruck für Mecklenburg so sehr zu wünschen wäre, um welchen wir uns erlauben den verehrten Verfasser hier öffentlich zu bitten. Vielleicht ließe er dann noch die S. 7, Anmerk. 18 angeführte Urkunde und die vollständige hierher gehörende Stelle Albrechts von Bardewik mit abdrucken. Den Ausdruck „tho pantquerthinge“, S. 40, Anmerk. 26 möchte ich übrigens nicht durch Saumzeug oder Ausrüstung, sondern einfach durch zur Bankettierung, d. h. Zehrung erklären. Rostock, den 16. März 1826.
Schröter.

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