Aus früherer Zeit. Band 1 - Kindheit. 21. Die verlegten Akten. Der Depositenkasten ohne Boden.

Schwedisch-pommersche Zustände auf der Insel Rügen
Autor: Ruge, Arnold (1802 in Bergen auf Rügen-1880 in Brighton) Schriftsteller. 1848/1849 Angehöriger der Frankfurter Nationalversammlung, Vertreter der demokratischen Linken, Erscheinungsjahr: 1862

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Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Insel Rügen, Tromper Wiek, Heimat, Ostsee, Heimatinsel, Strand, Meer, Fischer, Bauern, Landleben, Franzosenzeit, Sitten und Bräuche, Jugenderinnerungen, Schwedenzeit, Gerichtswesen
Bei einem Gericht (in F. in Pommern) kam es einmal vor, dass der Gerichtsdirektor die Akten eines Angeklagten verlegt hatte; der arme Mensch war lange Zeit vergessen und in seiner Zelle vergraben gewesen, als der Herr Direktor zu seinem eigenen Entsetzen zufällig den verhängnisvollen Papierstoß entdeckte, und dann ausrief: „was fangen wir nun mit ihm an?" — „wir müssen ihn laufen lassen und froh sein, wenn er nichts sagt", riet ihm sein Beisitzer. Wem sollte der arme Mensch es aber wohl sagen? Zeitungen, die so etwas gerügt hätten, eine öffentliche Meinung, die dem Schuldigen hätte gefährlich werden können, gab es nicht und gibt es wahrscheinlich noch heute nicht.

2. Derselbe Gerichtsdirektor, übrigens ein Ehrenmann, wurde von den Preußischen Behörden nach dem benachbarten Städtchen B. geschickt, um nachzusehen, wie die Gelder der Unmündigen verwaltet würden. Sem Besuch kam den Herrn in B. sehr ungelegen. Sie fügten sich indes, und mussten sogar den „Depositenkasten", die Kasse der ihnen anvertrauten Mündel-Gelder, aufschließen. Er hatte aber nicht nur keinen Inhalt, sondern — gar keinen Boden. Die Gelder wurden besser benutzt, die Herren spekulierten damit. Ich habe oft von dem B. Depositenkasten gehört, der keinen Boden gehabt.
Rügen Hofbesitzer

Rügen Hofbesitzer

Pommerscher Landmann

Pommerscher Landmann

Rügen Bauer (2)

Rügen Bauer (2)

Rügischer Fischer

Rügischer Fischer