Albrecht von Maltzans naturhistorische Wirksamkeit

Autor: Boll, Ernst (1817-1868) deutscher Naturforscher und Historiker, Begründer der Naturforschung in Mecklenburg., Erscheinungsjahr: 1852

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Enthaltene Themen: Albrecht von Maltzan, Ernst Boll, Mecklenburg, Naturforscher
Aus: Archiv des Vereins der Freunde der Naturgeschichte in Mecklenburg, Band 6, herausgegeben von Ernst Boll, 1852

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Der Baron Albrecht von Maltzan,*) welcher im vorigen Jahre unserem Vereine durch den Tod entrissen ist, ward am 19. Sept. 1813 zu Brustorf geboren. Er war der vierte Sohn des Landrats Friedrich v. Maltzan auf Rothenmoor; seine Mutter, Friederike v. Dewitz, war eine Tochter des Mecklenburg-Strelitzschen Geheimrats-Präsidenten Otto v. Dewitz auf Miltzow.

*) Die Notizen über den Abschnitt aus dem Leben A. v. Maltzans, welcher meiner persönlichen Bekanntschaft mit ihm vorausgeht, verdanke ich fast alle der gütigen Mitteilung seines Bruders, des Herrn Baron Julius v. Maltzan auf Kl. Lukow.

Als Kind war A. v. Maltzan durch Kränklichkeit zwar in seiner körperlichen Entwicklung sehr gehemmt, für seine geistige Entwicklung aber war dies von keinen nachteiligen Folgen, Mit reichen geistigen Anlagen ausgestattet, entfalteten dieselben sich schnell, aber in eigentümlicher Weise: für systematische Belehrung und systematisches Wissen war er sehr wenig empfänglich, aber einzelne ihm besonders zusagende Zweige des Wissens eignete er sich mit wunderbarer Schnelligkeit an, und er setzte sich in denselben, fast ohne fremde Beihilfe, in einer Weise fest, welche weit über seinen Jahren und seinem sonstigen Wissen stand. Dies war namentlich in Bezug auf die Naturwissenschaften der Fall, welche ihn von Kindheit an lebhaft interessierten. Im Jahre 1823 siedelte sich seine Familie von Brustorf nach Rothenmoor am Malchiner See hinüber, welches der Vater nebst mehreren anderen Gütern ererbt hatte. Um Michaelis des Jahres 1827 verließ Albrecht das väterliche Haus und bezog das Gymnasium zu Neustrelitz, welches er 5 ½ Jahre besuchte. Seine eigentümliche Geistesanlage machte sich auch hier geltend. Während er nämlich in manchen Lehrgegenständen, die auf Gymnasien hauptsächlich betrieben werden, sehr zurückblieb, machte er in seinen Lieblingsstudien beträchtliche Fortschritte. Zu Ostern des Jahres 1833 bezog er die Berliner Universität, und da der Vater wünschte, dass er sich ein bestimmtes Fachstudium wählen möchte, so entschloss er sich zum Studium der Medizin. Er verweilte in Berlin zwei und darauf in Göttingen ein Jahr, und besuchte medizinische und naturwissenschaftliche Vorlesungen. Nach Ablauf dieser Zeit konnte er aber dem Vater nicht länger verhehlen, dass er der praktischen Seite seines Studiums durchaus keinen Geschmack abgewinnen könne, und dass er es daher aufgeben müsse, diese Wissenschaft fernerhin als sein Hauptstudium zu betreiben. Es wurde daher beschlossen, dass sich er dem landwirtschaftlichen Berufe widmen solle, in welchem er auf den väterlichen Gütern leicht eine angemessene Beschäftigung finden könne. Zu seiner vollständigeren Ausbildung, demnächst auch als Landstand, sollte er aber erst noch einige juristische Collegia hören, dann eine kleine Reise machen und etwa nach einem Jahre heimkehren. Um ersteres ins Werk zu setzen, begab er sich Ostern 1836 nach Heidelberg, und unternahm um Michaelis von dort aus sodann eine Reise in das südliche Frankreich, auf welche er den Herbst und einen Teil des Winters verwendete. Er begab sich zunächst nach Montpellier und von dort nach Cette, wo ihn das Sammeln der Conchylien des Mittelmeeres so fesselte, dass er dort fast die ganze zu seiner Reise bestimmte Zeit verblieb. Er begnügte sich aber nicht damit bloß am Strande zu sammeln, sondern er fuhr auch, so oft sich ihm Gelegenheit darbot, mit den Austerfischern auf das Meer, um die Conchylien zu erlangen, welche zufällig durch die Fangapparate der Fischer aus der Tiefe zu Tage gefördert wurden. Die Ausbeute, welche er an Meeresconchylien, sowie an südfranzösischen Land- und Süßwasserconchylien nach Mecklenburg zurückbrachte, war sehr beträchtlich; seinen Aufenthalt in Montpellier hatte er außerdem auch noch dazu benutzt, mit dortigen Naturaliensammlern Bekanntschaft zu machen (z. B. mit Ambiel, Salzmann u. a.), mit welchen er auch noch später in Verkehr blieb.

Nach Mecklenburg zurückgekehrt, ging er zu seiner praktischen landwirtschaftlichen Ausbildung in das Haus des Domanial-Pächters Meyer zu Mandelshagen bei Ribnitz, wo er ungefähr 8 Monate lang verblieb, und um Pfingsten 1837 eine lebensgefährliche Krankheit überstand. Seine Mußezeit daselbst verwendete er zum Sammeln von Mineralien und Petrefacten; täglich begab er sich mit einem schweren Chaussee-Hammer bewaffnet zu Felde um Gerölle zu zerschlagen, und er steckte fast alle seine Hausgenossen mit seinem regen naturhistorischen Sammeleifer an, — Zu Johannis 1837 aber berief ihn der Vater schon wieder nach Hause, weil sich durch Abgang eines Gutsinspektors Gelegenheit fand, ihn zweckmäßig in Rothenmoor zu verwenden. Von einer anfänglichen Spezial- Bewirtschaftung dieses Gutes, der er sich mit großem Eifer widmete, dehnte sich durch das wachsende Vertrauen des Vaters sein Berufskreis bald weiter aus, zu einer Kontrolle über die Wirtschaften aller übrigen Güter. Er blieb in diesen Verhältnissen bis zu Johannis 1850, obgleich ihm der Vater schon im Jahre 1838 das Gut Peutsch tradirt hatte; denn dies geschah nur, damit er durch diese Stellung landständische Rechte erhielte.

Durch unseren gemeinschaftlichen Freund Herrn Archivar Dr. Lisch in Schwerin ward ich im Jahre 1844 zuerst mit A. v. Maltzan bekannt. Er besuchte mich mit Lisch im Herbst jenes Jahres und von dieser Zeit an sind wir in beständigem regen Verkehr geblieben.

Im Juli des Jahres 1845 machte ich ihm einen Besuch in Rothenmoor, wo er damals seinen Wohnsitz hatte. Da sein Vater sich nach Rostock übergesiedelt hatte, so führte er dort für sich allein eine sehr einfache Lebensweise; seine Gäste, deren er sehr viele zu sich einlud, wurden so zuvorkommend und freundlich bei ihm aufgenommen, dass sie sich dort wie zu Hause fühlten. Alle seine Sammlungen wurden ihnen zur Benutzung geöffnet und sie konnten die Zeit ihres dortigen Aufenthaltes durchaus nach Belieben benutzen, und gewiss nicht wenige Männer in unserem Vaterlande sind es, welchen die in Rothenmoor verlebten Tage sehr angenehme Rückerinnerungen gewähren. Die Mußezeit, welche ihm seine landwirtschaftlichen Angelegenheiten übrig ließen, widmete er gänzlich wissenschaftlichen Beschäftigungen. Diese waren ungemein vielseitig. Außer den naturwissenschaftlichen Studien beschäftigten ihn vorzugsweise Geschichtsforschung, Altertumskunde, Theologie und Politik; auch Malerei und Baukunst hatten für ihn großes Interesse, — Unsere Berührungspunkte lagen nur auf dem naturwissenschaftlichen Gebote, indem ich teils mit seinen anderen Lieblingsstudien zu wenig vertraut war, wir aber teils auch in denselben auf zu verschiedenen Standpunkten uns befanden, als dass. wir hier in nähere Berührung hätten treten können; wir begegneten uns daher nur auf dem neutralen Boden der Naturwissenschaften. Daher bin ich denn auch nur im Stande seine Wirksamkeit nach dieser einen Richtung hin etwas ausführlicher zu schildern. Es ist schon oben gesagt worden, dass von Maltzan von Jugend auf für naturwissenschaftliche Dinge ein ganz besonderes Interesse gehabt habe, dass er aber die naturwissenschaftlichen Disziplinen nicht systematisch studierte, sondern sich, nur nach und nach eine große Menge Kenntnisse in diesen Fächern aneignete, je nachdem ihn seine Liebhaberei auf den einen, oder anderen Gegenstand geführt hatte. Wenn ihm daher auch der rechte Zusammenhang und die Einheit in diesem Wissen fehlte, so war doch der Umfang seiner Kenntnisse sehr beträchtlich. Er wurde dabei durch ein treffliches Gedächtnis unterstützt, und es hat mich oft in Verwunderung gesetzt, wie schnell er einzelne Pflanzen, Tiere u. dergl. denen er anscheinend wenig oder gar keine Aufmerksamkeit geschenkt hatte, wenn er sie nur einmal in seinen Leben gesehen hatte, sogleich genau wiedererkannte, sobald sie ihm zum anderen Male zu Gesichte kamen. In seinen letzten Lebensjahren beschäftigte er sich vorzugsweise mit der Ornithologie, Conchyliologie und Mineralogie und in diesen Fächern, namentlich in den ersteren beiden, hatte er sich sehr ausgebreitete Kenntnisse erworben, von denen er in unserer Vereinsschrift mehrere Beweise gegeben hat. Sein eigentliches Element aber auf diesem Gebiete, wie auch auf dem der Altertumskunde, war: geistig anzuregen und mit dem größten Eifer zu sammeln. „Sie wissen (schreibt er am 23. September 1846 an mich) dass es mir darum zu tun ist, die Naturwissenschaften bei uns im Allgemeinen mehr gepflegt zu sehen, und dass ich die Schwäche habe, Naturalien nicht liegen lassen zu können. Desshalb achte ich jetzt auch auf Petrefacten und schleppe davon zusammen. Mein Zweck dabei ist, wie bei allen meinen Sammlungen, teils mich in meiner Einsamkeit zu unterhalten, teils ein Material zu beschaffen, welches das Studium der heimischen Natur erleichtern kann.“

„Ich weiß zuweilen nicht, heißt es an einer a. St., ob ich den Mangel an Zeit zum Arbeiten und Studieren bedauern soll, oder nicht. Ta ich aber eigentlich kein Sitzfleisch habe, so ist es wohl besser meinen Beruf nicht darin zu suchen, sondern zu sammeln, wie es mir kommt.“ Er sammelte daher Conchylien, Nester und Eier der Vögel, Insekten, Mineralien, Petrefacten und in der letzten Zeit auch Algen. Mit Ausnahme der Conchylien und Algen aber beschränkte er sich darauf nur einheimische Naturalien zu sammeln; diese suchte er möglichst vollständig zusammenzubringen, und zwar aus der wissenschaftlichen und patriotischen Absicht ein ausreichendes Material zur Bearbeitung der mecklenburgischen Naturgeschichte herbeizuschaffen. Er teilte daher auch auf die bereitwilligste und freigebigste Weise aus seinen Sammlungen an jeden mit, von dem er erfuhr, dass er sich besonders für einzelne Zweige unserer Naturkunde interessierte, und von dem er eine wissenschaftliche Bearbeitung dieser Zweige erwarten durfte. Von seinen Sammlungen war die Conchylien-Sammlung die bedeutendste; sie enthielt über 1.200 Spezies, zumeist in einer großen Anzahl von Exemplaren, und ihren hauptsächlichsten Stamm bildeten Land- und Süßwasser-Conchylien, sowie die Conchylien des Mittelmeeres, Einen besondern wissenschaftlichen Wert erhielt diese Sammlung dadurch, dass bei den meisten Stücken die Fundorte genau feststanden. Er scheute keine Mühe und Kosten dieselbe zu vergrößern; er sammelte daher nicht allein selbst mit dem größten Eifer, sondern setzte sich zu diesem Zwecke auch mit Conchytiologen und Sammlern nicht bloß in ganz Deutschland, sondern auch in Schweden, Frankreich, Dalmatien, Nord- und Süd-Amerika, Vorderindien und Singapore in Verbindung um Conchylien zu kaufen, oder von ihnen auszutauschen. Zu diesem und anderen wissenschaftlichen Zwecken führte er eine so ausgebreitete Korrespondenz, wie wohl kaum ein anderer Privatmann in Mecklenburg. — Ebenso eifrig war von Maltzan in Bezug auf die Ornithologie, obgleich er sich hier die Grunzen weit enger gezogen hatte. Er sammelte nur die Nester und Eier einheimischer Vögel, um dadurch zu ermitteln, welche Arten wir in Mecklenburg als wirklich ansässig zu betrachten hätten. Daher gab er sich alle mögliche Mühe nur ganz authentische Exemplare zu erlangen, bei denen der Vogel, von welchem sie herrührten, selbst gesehen worden war.

Zu diesem Zwecke. unterrichtete er die Jäger auf den verschiedenen unter seiner Leitung stehenden Güter selbst aus dem großen Naumannschen Kupferwerke über diejenigen Vogelspezies, auf die er zur Zeit gerade sein Augenmerk besonders gerichtet hatte. Auch machte er den Versuch einen seiner Dorfknaben zum Ornithologen einigermaßen heranzubilden, um ihn zum Sammeln benutzen zu können; dies schlug aber fehl, da der Zögling an wissenschaftlichen Dingen keinen Gefallen fand, und bat, ihn lieber beim Aufladen des Mistes zu verwenden. Die wissenschaftlichen Resultate seiner Forschungen auf diesem Gebiete hat er selbst in unserem Archive niedergelegt. Insekten sammelte er, da seine Zeit schon so sehr in Anspruch genommen war, nur gelegentlich, einheimische Mineralien aber sehr eifrig, von Petrefacten hauptsächlich nur das, was er auf seinem eigenen Grund und Boden fand. Wenn daher auch seine Petrefactensammlung dem Umfange nach nicht bedeutend war, so war sie doch dadurch von großem Interesse, dass sie eine vollständige Kollektion der Moltzower Kreidepetrefacten enthielt, die erste und einzige, welche bis jetzt aus einem mecklenburgischen Kreidelager zusammengebracht ist, Moltzow, welches an Rothenmoor grenzt, gehörte gleichfalls zu den unter seiner Aufsicht stehenden Gütern, und obgleich die Versteinerungen in dem dortigen Kreidelager, welches zum Kalkbrennen benutzt wird, nur selten sind, so brachte von Maltzan durch jahrelange Aufmerksamkeit auf dieselben, doch endlich eine hübsche Sammlung davon zu Stande, indem er den Kalkbrenner instruierte, auf jedes Petrefact bei seiner Arbeit zu achten und an ihn abzuliefern. Auf diese Weise wurden z. B. die zahlreichen schönen Exemplare von Spatangus suborbicularis und Galerites cylindricus dem Feuertode entrissen, welche jetzt, durch von Maltzans Freigebigkeit, in verschiedenen mecklenburgischen Sammlungen aufbewahrt werden. Im Juni des Jahres 1846 ließ er sogar nicht allein bei Moltzow, sondern auch bei Rothenmoor Bohrversuche unter meiner Leitung anstellen, um im Interesse der Wissenschaft die Lagerungsverhältnisse der Kreide zu ermitteln.

Leider waren von Maltzans reichhaltige Sammlungen bis kurz vor seinem Tode wenig übersichtlich geordnet. Im Frühling und Sommer nahm ihn das Sammeln selbst zu sehr in Anspruch, im Herbst und Winter kamen wieder andere Störungen, namentlich die Landtagsversammlungen. Er klagte darüber am 13. Dezember 1846 von Malchin aus: „Für die Naturforschung ist zur Zeit draußen das Buch zugemacht, wenn man nicht die Blicke zu den Sternen richtet. Der Moment, das Gesammelte zu ordnen und zu sichten ist dafür jetzt gekommen, aber ich muss ihn auf dem Landtage vergessen, wo so viele schöne Zeit vergeudet wird. Leider finde ich dabei nicht einmal den Trost, dass sich viele Leute hier für die Naturwissenschaften interessieren, und bei wenigen nur glückt es, Auskunft über ihre nächste Umgebung zu erhalten. Unbescheidener als ich kann aber Niemand in seinem Begehren sein, denn ich fordere sofort auf, Petrefacten, Conchylien, Altertümer für mich anzuhalten, und zu beobachten. Sie wissen, wie viele Freude es macht, wenn man einmal etwas erreicht, zumal wenn es recht sauer geworden.“

Ebenso liberal, wie v. Maltzan in Betreff seiner Sammlungen war, war er dies auch hinsichtlich seiner Bibliothek. Dieselbe war zwar nicht sehr bändereich, enthielt aber sehr gute und teure naturwissenschaftliche Kupferwerke, deren Benutzung er mit der größten Uneigennützigkeit gestattete. Denn wenn er erfuhr, dass irgend Jemand bei seinen Studien eines dieser Werke benötigt war, derselbe mochte ihm näher bekannt sein oder nicht, so überließ er diesen! sogleich die Bücher, oft zu jahrelanger Benutzung; ja manche sehr kostbare Werke, welche er selbst nie gebrauchte, schaffte er allein zu diesem Zwecke an.*)

Wenn A. v. Maltzan auch auf diese Weise Vielseitig anregend zur Belebung naturwissenschaftlicher Studien und zur sorgfältigeren Erforschung der vaterländischen Natur wirkte, so hat er sich doch noch ein viel größeres Verdienst dadurch erworben, dass er durch Stiftung des Vereins der Freunde der Naturwissenschaften einen Zusammenhang in die bisher vereinzelten naturwissenschaftlichen Bestrebungen brachte und diese auf ein bestimmtes Ziel hinleitete. Die erste Idee zu diesem Verein entsprang einem Gespräche, welches ich bei meinem erstem Besuche In Rothenmoor im Jahre 1845 über die damalige Lage der Naturwissenschaften in Mecklenburg mit ihm hatte. Es wurde dabei erörtert, wie so viele wissenschaftliche Kräfte im Lande durch die Isoliertheit, in welcher sie sich befänden, in ihrem Wirken gelähmt wären, und wie bei der großen Anzahl von Naturfreunden doch nur verhältnismäßig erst wenig in der Erforschung unserer Natur geleistet sei. Diesem Übelstande sei nur dadurch abzuhelfen, dass alle einzelnen Forscher sich zu gegenseitiger Unterstützung verbänden und sich die Aufgabe stellten, nicht wie bisher vorzugsweise nur nach einer Seite hin die Naturgeschichte Mecklenburgs zu erforschen (nämlich in botanischer Hinsicht), sondern alle verschiedenen Zweige dieser Wissenschaft möglichst gleichmäßig zu bearbeiten. — Diese Idee ergriff v. Maltzan mit seinem gewohnten regen Eifer und er beschloss sogleich Schritte zu tun, einen solchen Verein ins Leben zu rufen. Da er es für nötig hielt, dass sich an die Spitze dieses Unternehmens Männer stellten, deren Namen schon durch Leistungen auf diesem Gebiete der Wissenschaften bekannt wären, so suchte er solche für seinen Plan zu gewinnen. Obgleich dies misslang, so entmutigte ihn dies doch keineswegs.

„Von *** im Stiche gelassen (schrieb er am 4. Juni), müssen wir nun selbst handeln. Hier meine Idee: die Freunde der Naturforschung in Mecklenburg werden aufgefordert, am l. Juli in Mecklenburg zusammen zu kommen. Zweck ist: persönliche Bekanntschaft herbei zu führen und den Sinn für Naturwissenschaften im Vaterlande zu beleben. Eine solche Aufforderung würde ich mit Ihnen und Herrn Dr. Grischow unterzeichnen und in die Anzeigen der Rostocker Zeitung einrücken lassen. Ich denke wir sind am l. in Malchin und machen, wenn Teilnehmer vorhanden, am 2. eine Exkursion nach Basedow und Burg Schlitz, oder nach Rothenmoor, wenn es beliebt wird. Wenn das erste Mal nur Wenige kommen, ist es, der leichteren Verständigung wegen, mehr förderlich als nachteilig. Die Zeit ist leider jetzt ungünstig, aber später in der Ernte und Herbstsaatzeit sind alle Prediger gebunden, sowie jetzt die Schulmänner; es bleibt deshalb für die Zukunft die Pfingstwoche wohl die beste Zeit. Ich denke wir machen keine Statuten, aber jedes mal einen Vorsitzenden und zwei bleibende Sekretäre, welche die Herausgabe zwangloser Hefte besorgen, je nachdem durch geringe Beiträge die Druckkosten gedeckt werden. Möglichst wenige Formalitäten! ... Dies Unternehmen muss mit Lust und Liebe betrieben werden, und die kleinen Lichter dürfen nicht missachtet werden, weil sie nicht weit leuchten. Jedenfalls, hoffe ich, wird sich viel anregen lassen. Mögen in Malchin auch nur ein halbes Dutzend Naturforscher zusammenkommen; die Zahl macht es nicht, sondern der Geist, der diese wenigen beseelt.“ — Diese Versammlung kam in Folge unserer Aufforderung auch wirklich zu Stande. Sie ward von 17 Teilnehmern besucht und Maltzans Plan fand allgemeine Zustimmung; die Stiftung eines Vereins erfolgte jedoch damals noch nicht, sondern Hr. Dr. Grischow, Hr. Apotheker F. Timm in Malchin und ich selbst wurden von der Versammlung beauftragt, Statuten für einen naturwissenschaftlichen Verein zu entwerfen und dieselben einer im nächsten Jahre gleichfalls in Malchin zusammenzuberufenden Versammlung zur Beschlussnahme vorzulegen. Auf dieser Versammlung, welche am 26. Mai 1847 stattfand, wurde nun die Stiftung des Vereins auf Grund der beratenen Statuten beschlossen und 14 der Anwesenden traten demselben sogleich als Mitglieder bei. Wenn die ersten, allerdings nur sehr schwachen Hoffnungen, welche wir für das Gedeihen und die Wirksamkeit des jungen Vereins hegten, sehr bald weit übertroffen wurden, und derselbe bis jetzt, selbst in den allen wissenschaftlichen Bestrebungen so nachteiligen Jahren 1848 und 1849, fortwährend im inneren und äußeren Wachstum begriffen gewesen ist, so ist dies vorzugsweise wieder A. v. Maltzans Verdienst, welcher unablässig bemühet gewesen ist, neue Mitglieder für den Verein zu gewinnen, die Mitglieder desselben in näheren Verkehr mit einander zu bringen, wissenschaftliche Arbeiten anzuregen und zu unterstützen und Verbindungen mit auswärtigen Vereinen ähnlicher Tendenz anzuknüpfen.

*) Die Sammlungen und die Bibliothek befinden sich jetzt im Besitze des ältesten Bruders des Verstorbenen, des Herrn Baron Adolf v. Maltzan auf Gr. Lukow.

Schon vor der zweiten Malchiner Versammlung, im Februar des Jahres 1847, erkrankte v. Maltzan lebensgefährlich und noch am 6. April, als ich ihn besuchte, traf ich ihn im Bette
sehr leidend an. Auf ärztliche Verordnung sollte er, sobald er im Stande sein würde eine Reise zu unternehmen, das Bad in Aachen besuchen. Für diese Reise machte er auf dem Krankenlager sehr angenehme Pläne, „Ich denke über Holland zu gehen (schrieb er am 23. März) und im Text die Vögel an dem Brutorte zu beobachten. Wenn Aachen mich herstellt, so dass ich die Tour wagen kann, beabsichtige ich den Rhein hinauf zu schwimmen nach Mannheim, bis Freiburg die Eisenbahn zu benutzen, über Oeningen, Schaffhausen durch die Schweiz bis nach Venedig zu reisen und sodann über Tirol, Salzburg, Bayern und Sachsen in die Heimat zurückzukehren. Ob ich aber die Kräfte haben werde, davon wird die Modifikation der Reiseroute abhängen. Die Bekanntschaft mit interessanten Leuten, die Alpennatur, schöne Aussichten, das Sammeln von Cryptogamen, Conchylien und Mineralien, sowie Altertümer und Kunst sind die Gegenstände, von denen ich mir Vergnügen verheiße.“ Gegen Ende des Mai war seine Genesung soweit vorgeschritten, dass er die Malchiner Versammlung besuchen konnte, und bald nach derselben reiste er nach Aachen ab. Wie er auch dort stets unseres neu geschaffenen Vereins gedachte und wie tätig er überhaupt dort seine Mußezeit verwendete, darüber lasse ich ihn selbst sprechen. „Meine Gedanken (schreibt er von dort am 11. Juli) beschäftigen sich vielfach mit unserem naturhistorischen Vereine, um so mehr, da ich hier Kenntnis von einem ähnlichen Vereine in den Rheinlanden genommen habe, der nun mit Westfalen vereint an 300 Mitglieder zählt, und außer den jährlichen Heften noch einzelne Arbeiten seiner Mitglieder besonders ediert. Solchen Erfolg dürfen wir schwerlich hoffen, aber ich wünsche doch sehr, dass wir zum wirklichen Leben kommen und dies durch Zeichen bezeugen. Als solches ist das beabsichtigte Heft (nämlich das erste unseres Archivs) das beste Mittel. Wir werden, nachdem unser Dasein bewiesen ist, eher auf Beteiligung hoffen dürfen. ... Jedenfalls nur bald gedruckt! Hier habe ich die sehr interessante Bekanntschaft des Oberlehrer Dr. Müller gewacht, der die hiesigen Kreidepetrefacten bearbeitend, speziell aus der Kreideformation sammelt, aber auch aus allen Formationen Repräsentanten hat, was mir sehr instruktiv ist, da er kein Geld scheuet, sich Gutes zu verschaffen; ich sah hier namentlich herrliche Sachen aus der Tertiär-Formation, welche ich für noch lebende Formen hätte halten mögen, so schön waren sie erhalten. Die ungeheure Menge von Rubus, welche bei Aachen vorkommen, hat mich bestimmt, davon einzulegen, da man auch ohne näheres Studium wohl sieht, dass es verschiedene Arten sein müssen. Ich hoffe noch die Bekanntschaft des Lehrer Kaltenbach zu machen und von ihm das Gesammelte bestimmen zu lassen, da er die hiesige Flora und speziell die Rubus bearbeitet hat. Ich hoffe dadurch Materialien zusammen zu dringen, welche vielleicht Betcke bei seiner Arbeit, welche er uns über die mecklenburgischen Rubus verheißen hat, nützlich sein können. Wir haben bei uns noch so Mannigfaches, was der Bearbeitung harrt, dass wir des Stoffes wegen nicht verlegen zu sein brauchen. Zweckmäßig scheint mir, wie in Malchin schon Ähnliches angeregt ward, ein Verzeichnis unserer Pflanzen, nebst Angabe des Standortes. Hier am Rhein ist ein Überblick der Flora in den Vereinsheften auf solche Art begonnen, was ich als nützliche Vorarbeit für eine vollständige Flora halte, und was zugleich für die Pflanzengeographie Licht bringend ist Meine Absicht ist, im Winter eine Übersicht unserer Vögel zusammenzustellen. Ich denke es so einzurichten, dass die Vögel nach der Ordnung ausgeführt werden und als Bemerkung dabei gegeben wird, ob und wo sie in Mecklenburg regelmäßig nisten, oder nur ausnahmsweise, ob sie regelmäßige Durchwanderer sind, oder nur seltene Gäste. Zugleich würde dabei zu berücksichtigen sein, wie sie in den benachbarten Provinzen erscheinen. Unser größerer Reichtum an Vögeln fällt mir gegen die hiesige Gegend sehr auf, wenn schon auch hier Sänger genug in den Büschen sich hören lassen, aber nicht in der Mannigfaltigkeit, wie bei uns; die Wasservögel fehlen mit dem Wasser natürlich auch. — Das Bad bekommt mir sehr gut, doch werde ich hinterher keine große Tour machen können, da ich meine Kräfte nicht zu sehr anstrengen darf. Ich denke jedenfalls Stuttgart zu berühren und die Zietensche Sammlung zu sehen, und mich an dem Anblick des Jura zu weiden, der bei Boll und Aalen betrachtet werden soll. Ich bin sehr neugierig darauf. — Während ich hier im Schreiben pausiert, habe ich Kaltenbachs Bekanntschaft gemacht, und die Zusicherung erhalten, dass er meine Rubus bestimmen will. Er hat eine hübsche Insektensammlung aus allen Ordnungen des Einheimischen angelegt und dieselbe der Gesellschaft für Wissenschaften und Gewerbe geschenkt, welche auch an Mineralien, Petrefacten und Vögeln eine artige Sammlung besitzt. Kaltenbach zeigte mir seine Käfer, welche sehr vollständig das Einheimische umfassen. Sein Studium ist jetzt, die Feinde der Pflanzen zu entdecken. Er zieht daher alle möglichen Insekten aus Larven, die er an den Pflanzen sammelt, und es ist erstaunlich, welche Menge sich da auf einer Pflanze oft vorfinden soll; seine Larvenzucht habe ich noch nicht gesehen. Jedenfalls ist dies Studium der Art, dass die Wissenschaft dadurch gefördert und der Sache möglichst auf den Grund gegangen wird. Da sieht man aber recht anschaulich, wie viel wir noch zu erforschen haben, wie alle unsere bisherige Kenntnis der Natur unbedeutend ist, in Vergleich zu dem, was noch verschlossen ist. Das macht Mut zum Forschen, indem man die Gewissheit hat, immer noch Neues ans Tageslicht fördern zu können! — Ich bin nach Lüttich gewesen und habe das großartige Etablissement in Seraing gesehen ... In Lüttich ward ich durch meinen Begleiter leider verhindert dortige Gelehrte aufzusuchen. De Koningk lieset an der dortigen Universität über Paläontologie und ich hätte seine Sammlung gerne gesehen.“ — In der letzten Hälfte des Juli verließ von Maltzan darauf Aachen und reiste nach Stuttgart, wobei er unterwegs das petrefactenreiche Boll berührte, dort aber leider die wichtigste Fundstelle durch einen angeschwollenen Bach unzugänglich fand. In Stuttgart besah er die schöne Petrefactensammlung des 1845 verstorbenen Major von Zieten und bemühte sich die Herausgabe der zweiten Auflage von Zietens Petrefacten Württembergs zu beschleunigen. In Erlangen machte er sodann die Bekanntschaft des Professor Küster, mit welchem er auch später in lebhaftem Verkehr blieb, und kehrte darauf in den ersten Tagen des August wieder in die Heimat zurück. In Folge dieser Badereise befand sich von Maltzan in den nächsten viertelhalb Jahren bei leidlicher Gesundheit, und obgleich vermehrte landwirtschaftliche Geschäfte, wie z. B. ein Neubau der sämtlichen Hofgebäude in Rothenmoor, und sodann in den Jahren 1848 und 1849 die politischen Angelegenheiten seine Zeit sehr stark in Anspruch nahmen, so fand er doch noch immer einige Muße, um auch in seinen naturwissenschaftlichen Forschungen keine Unterbrechung eintreten zu lassen. Bald nach seiner Rückkehr von Aachen fing er mit erneuertem Eifer an Insekten zu sammeln, insbesondere Wanzen, „Da Küster diese zu bearbeiten wünscht, (schreibt er am 18. August 1847) so wäre dies eine Hilfsarbeit und hätte einen Zweck. Ich kann das Gewürm doch nicht ungeschoren fliegen lassen. Da ich so viele Geschäfte auf dem Halse habe, ist die Freude an solchen Allotriis oft störend, oft erheiternd, — Lebhaft (heißt es in einem andern Briefe vom 5. September 1847) beschäftigt mich jetzt der Gedanke, da ich selbst nicht überall hinkommen kann, mir einen Reisenden auszubilden, den ich zum Sammeln, zunächst von Bivalven, aussenden kann: einen Buben mit langen Beinen und etwas Mutterwitz, der geeignet ist, die Teiche und Seen auszufischen. Einen Versuch mache ich noch diesen Herbst, und glückt es, so lasse ich im nächsten Frühling Muscheln sammeln, dass es eine Art hat. Dann wollen wir schon erfahren, was wir an Spezies im Lande haben. Gründlich muss die Sache angefasst werden, damit das Material beschafft werde, welches bearbeitet werden soll. Ich habe schon ein Subjekt im Sinne, welches meinen mistfüchtigen Vogelkommissarius ersetzen soll.“ Im September 1847 besuchte er die Versammlung der deutschen Land- und Forstwirte in Kiel, konnte sich aber nur sehr kurze Zeit dort aufhalten. „In Kiel (schreibt er am 17. September) war ich nur sehr flüchtig, machte aber doch Boies Bekanntschaft, welcher mich sehr interessierte. Er studiert und sammelt alle Insekten Holsteins, worauf er bei seinen Untersuchungen über die Nahrung und Lebensart der Vögel gekommen ist, über welche er eine Arbeit unter den Händen hat, die nach Mitteilung eines Bruchstücks sehr gründlich zu sein scheint, wenn sie nur je fertig wird.“

Die politischen Bewegungen, welche darauf in den Jahren 1848 und 1849 erfolgten und welche so manches Freundschaftsband loseren, taten unserem freundlichen Verkehr keinen Abbruch. Wie von Maltzan in diesem Falle dachte, erhellt aus einem Briefe vom l. April 1849, worin er unter anderem schreibt: „Politisch müssen wir ebensoweit auseinander stehen, als wir es im Fundament der Politik und des Glaubens schon sind. Wir kennen uns aber beide wohl so viel, dass wir vom Anderen wissen, er erstrebe das Edlere, Höhere, er gehe ohne Eigennutz nur seiner Überzeugung nach und trachte in der Erkenntnis fortzuschreiten. Dann können wir uns sogar politisch bekämpfen, aber dies wird die gegenseitige Achtung nicht verringern.“

Selbst während dieser stürmischen Zeit beteiligte er sich an den Versammlungen unseres Vereins zu Sternberg (1848), Güstrow (1849) und Neubrandenburg (1850). Einige Wochen nach dieser letzteren, zu Johannis 1850, siedelte sich von Maltzan von Rothenmoor nach Peccatel in der Nähe von Neustrelitz über, da ihm Peceatel nebst den daranstoßenden Gütern Peutsch, Jennhhof und Brustorf von seinem Vater bei einer Erbauseinandersetzung als Eigentum überwiesen ward. Bald darauf im Juli trat er auf Anraten seiner Ärzte eine größere Reise an, und begab sich über Prag und Wien zunächst nach dem Badeorte Ischl im Erzherzogtum Österreich. Dort hielt er sich 6 Wochen lang auf, sammelte, machte Bekanntschaft mit dort verweilenden Naturforschern (Sectionsrat W. Haidinger aus Wien, dem Direktor des Wiener botanischen Garten Fenzl, dem Custos am naturhistorischen Museum in Klagenfurt F. Simony u. m. a) und suchte durch dieselben Verbindungen in Österreich für unseren naturhistorischen Verein anzuknüpfen. Da ihm die Kur daselbst sehr gute Dienste geleistet hatte, so begab er sich zu Anfang des September von dort in Gesellschaft des bekannten Reisenden Kohl über Gratz nach Triest, knüpfte auch dort naturwissenschaftliche Bekanntschaften an (Apotheker Dr. Biasoletto, Koch, Direktor des dortigen zoologischen Museums) und kaufte daselbst eine sehr wertvolle Sammlung von Algen ans dem adriatischen Meere an, welche er nach seiner Rückkehr unserer Vereinssammlung schenkte. Von dort aus besuchte er im Anfange des Oktober die malerischen und conchylienreichen Küsten Dalmatiens und drang selbst bis nach Montenegro hinein vor. Auf der Rückreise über Triest und Wien hospitierte er an letzterem Orte bei den Vorlesungen, welche Prof. Kollar (24. Januar 1852) 5stündig wöchentlich über die Prillwitzer Götzen der Neustrelitzer Sammlung hielt, machte dann einen Abstecher nach Ungarn hinein, um einen seiner Brüder daselbst zu besuchen, und gelangte sodann in der Mitte des November wieder in Peccatel an.

Außer den vielen Annehmlichkeiten, welche ihm diese Reise gewährt hatte und den großartigen Naturschönheiten, welche er gesehen und für welche er einen sehr empfänglichen Sinn hatte, war er noch ganz besonders eingenommen, von dem regen wissenschaftlichen Leben, welches in Bezug auf die Naturwissenschaften in Österreich blühte. Manche neue Pläne zur Erforschung der vaterländischen Natur hatte er von seiner Reise mit zurückgebracht. Oben an stand darunter eine durch ganz Mecklenburg vorzunehmende barometrische Höhenmessung, zu welcher er in Wien zwei schöne Reisebarometer nebst den dazu gehörigen Thermometern hatte anfertigen lassen. Er wollte dieselbe mit Herrn Pastor Prozells und meiner Beihilfe ausführen, und damit sollte von uns zugleich eine naturwissenschaftliche Entdeckungsreise durch ganz Mecklenburg verbunden werden, wobei vorzüglich diejenigen Landesteile berücksichtigt werden sollten, welche bis jetzt noch wenig oder gar nicht wissenschaftlich erforscht sind. Eine solche Rundreise durch Mecklenburg hatte er schon seit Jahren beabsichtigt; schon vor seiner Reise nach Aachen (1847) schrieb er: „Wenn ich meiner Gesundheit wegen nicht außer Landes gehen müsste, so würde ich im Lande reisen und Untersuchungen anstellen. Ich werde aber auch im nächsten Jahre immer wohl noch früh genug kommen, um an vielen Orten der erste zu sein, und ich hoffe, Sie werden mir bei solchen Expeditionen in Zukunft zu Zeiten Gesellschaft leisten. Eigentlich müsste es eine Fußreise sein, mit einem Frachtwagen im Hintergrunde! Wer weiß, wie wir noch hier im Lande herumpilgern und forschen werden.“ — Dieser, wie so mancher andere schöne Plan, welchen von Maltzan noch für die Zukunft gefasst hatte, sind nicht mehr zur Ausführung gekommen! Schon in den ersten Monaten des Jahres 1851 erkrankte er sehr heftig; als ich ihn am 17. Mai besuchte, fand ich ihn, meiner Ansicht nach, schon hoffnungslos darnieder liegen. Doch fing er bald darauf an sich wieder so weit zu erholen, dass er um die Mitte des Juni eine Reise nach Doberan unternehmen konnte, um die dortigen Stahlbäder zu benutzen. Die Kur schien ihm gute Dienste zu tun, so dass er am 2. August von dort über Peccatel nach Berlin reisen konnte, um daselbst einen Arzt zu konsultieren. Dieser schlug ihm den Gebrauch von Seewasser vor, und riet ihm sich auf einige Zeit nach Bonlogue oder der Insel Night zu begeben. Da ihm eine Reise dahin bei seiner großen körperlichen Schwäche zu angreifend war, wählte er den Heiligen Damm zu seinem Aufenthalt. In den letzten Tagen des August reiste er dort hin ab, und seine Kur schien auch ferner guten Fortgang zu haben. Noch am 24. September schrieb er mir, dass er im Laufe des nächsten Monats völlig hergestellt zu sein hoffe, und dass er am 27. sich nach Rostock übersiedeln wolle, um dort in aller Ruhe seine Kur zu vollenden. Dort ereilte ihn, seiner ganzen Umgebung völlig unerwartet, am 11. Oktober Abends der Tod. Seine Leiche ward am l6. Oktober in Peccatel beerdigt.

Noch während dieses letzten, schmerzenvollen Krankenlagers verminderte sich seine große geistige Regsamkeit durchaus nicht, und er nahm an naturhistorischen Forschungen noch fortwährend den lebhaftesten Anteil. So schickte er z. B. noch im August seinen Kutscher nach dem 23 Meilen entfernten Schaalsee um den Unio Mülleri für ihn aufzusuchen, den er dort selbst vor einigen Jahren gesammelt und an Roßmäßler mitgeteilt hatte, ohne ein Exemplar für sich zurückzubehalten, „Wenn Graf Hoffmannsegg, so schrieb er über dies Unternehmen scherzend, seinen Diener nach Brasilien senden konnte, um dort für ihn zu sammeln, so wird auch mein fidus Achates schon nach dem Schaalsee hinfinden.“ Alle seine Briefe, welche er noch vom Krankenbette aus an mich gerichtet hat, geben Zeugnis davon, wie sehr ihm, bis zu seinen letzten Augenblicken hin, das Gedeihen unseres Vereins am Herzen lag. Fortwährend trug er sich mit Plänen denselben zu fördern und die Existenz desselben auch für die Zukunft sicher zu stellen. Unermüdlich in seinem Eifer, unerschöpflich in seinen Planen und Hilfsmitteln, hat er in der kurzen Dauer seines Lebens anregend ungemein viel zur Entfallung eines wissenschaftlichen Lebens auf dem Gebiete der Naturwissenschaften in Mecklenburg gewirkt. Dies verdient um so mehr Anerkennung, da in dm Kreisen der Gesellschaft, welchen von Maltzan angehörte, die Naturwissenschaften bei uns bis jetzt nur wenig Teilnahme gefunden haben, und es daher wohltuend ist, zu sehen, wie ein Mann, den seine weltliche Stellung mit dieser Wissenschaft nicht in Berührung brachte, sich ihr dennoch, allein um der Sache selbst willen, mit dem lebendigsten Eifer widmete. Bedenkt man endlich, dass die im Vorstehenden geschilderte Wirksamkeit von Maltzans, nur die eine Seite seiner Tätigkeit darlegt, und dass er auch noch auf anderen Gebieten in ähnlicher Weise wirksam war, so wird man eingestehen müssen, dass sehr große und umfassende Talente mit ihm zu Grabe getragen sind. — Möge daher sein Andenken unter den Freunden der Naturforschung in Mecklenburg geehrt werden und recht lange lebendig bleiben! Dies ist wenigstens der Wunsch dessen, der den Manen des so früh Dahingeschiedenen diese Zeilen widmet.

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Hahn und Hennen

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